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Ein Traum für Weihnachtsfans: der Baum vor der Klosterkirche.

Sie stimmen Indersdorf auf den Advent ein

Nachfolger für Weihnachtsromantiker gesucht

  • vonChristiane Breitenberger
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Sie opfern Hunderte Stunden ihrer Freizeit, damit ihr Ort an zwei Tagen ein kleines Weihnachtsmärchen erleben kann. Für jeden Bereich gibt es ein eigenes Team. Doch der harte Kern, der den Advent am Kloster organisiert, hat ein Problem: Er wird immer älter und sucht dringend Nachfolger.

Indersdorf – Eigentlich will er diesen Baum schon seit acht Jahren den Indersdorfern präsentieren. Jetzt, wenn Hans Lachner am Marienplatz steht und an der gigantischen Tanne hochblickt, ist er: glücklich. Lachner, der Indersdorfs dritter Bürgermeister ist, engagiert sich ganz bürgermeisterunabhängig seit rund 20 Jahren in einem Handvoll großen Team um den Adventmarkt am Kloster.

Die Teammitglieder – allesamt große Weihnachtsromantiker – hatten damals einem Wunsch, der bis heute Bestand hat: Sie wollen einmal im Jahr den Indersdorfern ein kleines Weihnachtsmärchen bieten: Ehrenamtlich gestalten sie einen wunderschönen Weihnachtsmarkt. Mit Nikolaus und Engerln und echten Tieren in einer lebenden Krippe. „Ein Markt, bei dem die Leute ins Schwärmen geraten und es um weit mehr als Bratwurst und Glühwein geht“, sagt Gründungsmitglied Alwin Breitenberger. Selbstredend, dass so ein Markt auch den perfekten Baum braucht. Doch all diese Dinge sind nur möglich, weil sich das kleine Team viele hundert Stunden darum kümmert, dass an den beiden Tagen auch wirklich alles perfekt ist.

Wie die Sache mit dem Baum. Wenn Hans Lachner das Jahr über im Landkreis unterwegs ist, ist er gleichzeitig immer auf der Suche. Er weiß: Er braucht einen schönen großen Christbaum. Deshalb heißt es für ihn: viele, viele Klingeln drücken. Lachner stellt sich bei den Leuten vor, die einen geeigneten Baum im Garten haben, und fragt, ob er ihn für den Adventmarkt holen darf. Den Baum, der heuer den Marienplatz ziert, hat Lachner seit acht Jahren im Visier. Erst heuer durfte er ihn endlich mit einem Helfer aus dem Eisfeld holen. Das „Kerzenteam“ ist dann zu dritt 15 Stunden damit beschäftigt, aus der Tanne mit Kugeln und Lichterkette einen märchenhaften Christbaum zu machen. „Zum Woana schee“ ist er heuer wieder geworden, sagte einer der Schmücker.

Doch mittlerweile sind 90 Prozent des kleinen Teams weit über 65 Jahre alt. Alle sorgen sich, ob sich jüngere Nachfolger finden, die diese Mammutaufgabe Jahr für Jahr übernehmen. Nach und nach ziehen sich die Gründungsmitglieder immer mehr zurück. Thomas Vötter, der mit viel Leidenschaft den Nikolaus mimte, hat in Andreas Berthold einen Nachfolger gefunden. Anna-Maria Schlatterer wird Annemarie Geißler ablösen. Doch auch die anderen werden „nicht ewig so fit sein, um den Job machen zu können“, weiß Lachner. Deshalb hat er sich einmal zusammengeschrieben, wieviele Stunden das feste Team nur in der Woche vor, bis Dienstag nach dem Markt im Einsatz ist: 185 Stunden. Da sind ist aber nicht der Einsatz dererer berücksichtigt, die am Markt selbst ihre Freizeit opfern, um den Leuten ein besonderes Erlebnis zu bieten: Die Leute, die sich stundenlang – egal bei welchen Temperaturen – in die lebende Krippe setzen. Der Nikolaus, der jedes Jahr an zwei Tagen die Kinder beschenkt und viele Helfer mehr. Die Freiwilligen sind um den Markt sieben Tage lang im Einsatz. Kabel besorgen und verlegen, Plakate aufstellen, Bühne und Krippe aufbauen, Brunnen schmücken, Stroh besorgen, Scheinwerfer aufstellen – nur als kleiner Auszug. Da ist fast jede Minute geplant. Da passt es Lachner gar nicht, dass er ein paar Stunden ausfällt. „Am Freitag (Anm. der Red.: Er meint heute) kann ich leider nicht helfen – Da kemma die ganzn Leid“. (Was er meint ist: Er feiert heute seinen 65. Geburtstag, der ihm die Planungen durchkreuzt).

Alle, die sich entweder beim Markt selbst engagieren, oder im Organisationsteam sind, lieben es, wenn sie die glücklichen Besucher beobachten. „Das ist doch Lebensqualität, wenn man etwas schafft, woran sich der ganze Ort erfreut“, sagt Maria Lachner, die mit dem Albersbacher Dreigesang das Altbairische Adventssingen veranstaltet. Auch für ihren Mann steht fest: „Solange es Spaß macht, werden wir uns da einbringen, egal, wie alt wir sind.“ Doch das Team ist um die Zukunft des Marktes ernsthaft besorgt. „Wir brauchen dringend Nachfolger, die nicht nur ein paar Stunden mithelfen, sondern die bereit sind, Verantwortung in der Organisation zu übernehmen“, sagt Alwin Breitenberger. Das Team wünscht sich, dass es Leute gibt, die ihr Ziel weiterfolgen wollen, Indersdorf ein bisschen Weihnachtsromantik zu schenken. Auch der Kulturausschuss wird sich mit der Thematik befassen.

Adventsmarkt und Altbairisches Adventssingen

Der Christkindlmarkt in Kloster Indersdorf findet morgen und übermorgen statt. Am Samstag ist der Markt ab 15 Uhr, am Sonntag ab 13 Uhr geöffnet. Der Nikolaus mit Engelschar verteilt am Samstag gegen 16 Uhr und Sonntag gegen 15 Uhr Geschenke an die Kinder. Das Altbairische Adventssingen in der barocken Klosterkirche findet zwei mal am Sonntag (15.30 und 17.30 Uhr) statt. Karten zu je zehn Euro gibt es noch am Adventsmarkt und vor der Kirche.

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