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Für eine „Schule ohne Rassismus“ setzen sich (von links) Sude Deveci (Schülerin), Manuel Da Coll (Projektpate und Schlagzeuger bei La BrassBanda), Lisa Haag (Schülerin) und Rebecca Vogt (Schülersprecherin) ein. 

indersdorfer Gymnasium will „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ werden

Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen

Über 900 Schüler haben sich mit ihrer Unterschrift dazu bereit erklärt, sich aktiv gegen jede Form von Diskriminierung einzusetzen und auch bei Konflikten einzugreifen. Bald darf sich das Gymnasium Markt Indersdorf deshalb offiziell „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nennen.

Von Nathalie Neuendorf

Markt Indersdorf – Sie haben es geschafft: Bald ist das Gymnasium Markt Indersdorf ganz offiziell eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Dafür mussten aber erst einmal einige Voraussetzungen erfüllt werden. Denn: Diesen Titel darf nicht jede Schule tragen. Mindestens 70 Prozent aller an einer Schule tätigen Menschen – das heißt Schüler, Lehrer sowie anderes Personal – müssen für die Verleihung des besagten Schultitels eine sogenannte „Selbstverpflichtungserklärung“ unterschreiben. Damit erklären sich alle bereit, künftig aktiv gegen jede Form von Diskriminierung an der Schule vorzugehen und auch bei Konflikten einzugreifen.

Die Idee, das Indersdorfer Gymnasium zu einer „Schule mit Courage“ zu machen, hatte Schülersprecherin Rebecca Vogt (16). „Für mich war es einfach eine Herzensangelegenheit, dass sich niemand in der Schule ausgeschlossen fühlt“, erklärt die Zehntklässlerin. „Deshalb habe ich zu Beginn des Schuljahres nachgefragt, wer mich bei dem Projekt, unsere Schule zu einer ,Schule mit Courage‘ zu machen, unterstützen würde.“

Ihre Idee fand großen Anklang. Deshalb gründete sich schnell ein Arbeitskreis zur Verwirklichung des Projekts, den die 16-Jährige gemeinsam mit den beiden Neuntklässlerinnen Sude Deveci (15) und Lisa Haag (15) leitete. Ulrike Bielefeld, Lehrerin für Mathematik und Physik am Gymnasium, betreute die Schüler.

Schulleiter Thomas Höhenleitner ist stolz auf seine Schüler: „Ich habe mich sehr gefreut, als ich vom Vorhaben der Schüler erfuhr. Denn es war wirklich vollkommen ihre eigene Idee und sie haben selbst die Initiative ergriffen“, erklärt der Schulleiter.

Mit den Vorbereitungen begann der Arbeitskreis der Schüler schon im Januar dieses Jahres. Hier legten sie fest, dass es Mitte 2018 eine ganze Projekt-Woche im Zeichen des Gleichheitsgrundsatzes des Artikels 3 des Grundgesetzes geben sollte.

Die Vorbereitung verschlang viele Stunden Arbeit, doch schließlich stand das Programm: Neben verschiedenen Aktionen – wie beispielsweise einem Schülercafé mit multikulturellem Essen oder auch Referentenvorträgen zum Thema Rassismus – sammelten die Schüler täglich Unterschriften für die Selbstverpflichtungserklärung. Über 900 kamen dabei zusammen. Die Schule hat somit die 70-Prozent-Hürde nicht nur geknackt, sondern ist deutlich darüber hinaus geschossen.

Dieser Erfolg sei ein unglaubliches Gefühl, sagt Rebecca Vogt. Die 16-Jährige fügt hinzu: „Ohne die finanzielle Unterstützung von Elternbeirat, Förderverein und SMV wäre das nicht möglich gewesen.“ Alle Aktionen und Vorträge hätten rund 1 500 Euro gekostet, schätzt die Schülersprecherin.

Nun, da genügend Unterschriften gesammelt sind, müssen die Schüler diese an die Bundeskoordination des Projektes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ weiterleiten. „Dort werden die Listen in einem Standardprozess geprüft“, erklärt Patrick Wolf von der Landeskoordination des Projektes.

„Alleine in Oberbayern tragen bereits 107 Schulen den Titel“, erklärt der Koordinator. Auch im Dachauer Landkreis gibt es bereits einige Titel-Träger, darunter beispielsweise die Staatliche Berufsschule Dachau sowie das Dachauer Ignaz-Tasschner-Gymnasium. Um allen Schulen gerecht werden zu können, gäbe es daher in Bayern eine Regionalkoordination, berichtet Wolf.

Michael Schneider-Velho ist als Regionalkoordinator des Bezirks Oberbayern für das Gymnasium Markt Indersdorf zuständig. „Wenn die Unterschriften von der Bundeskoordination geprüft wurden, dann bekommen wir grünes Licht, dass der Titel verliehen werden kann“, erklärt Michael Schneider-Velho. Dann wird mit dem Gymnasium ein Termin vereinbart, bei dem der Schule sowohl der Titel wie auch ein Schild mit der Aufschrift „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ verliehen wird.

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