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„Am Marktplatz herrscht richtig Leben!“

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Von: Christiane Breitenberger

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Bürgermeister Franz Obesser am Philosophenweg. Hier soll einmal der Bürgerpark/Indersdorfs Grüne Mitte, Obessers Lieblingsprojekt, entstehen.
Bürgermeister Franz Obesser am Philosophenweg. Hier soll einmal der Bürgerpark/Indersdorfs Grüne Mitte, Obessers Lieblingsprojekt, entstehen. © Christian Fischer

Es gibt viele Projekte in Indersdorf, auf die Bürgermeister Franz Obesser stolz ist. Im Interview spricht er aber auch über die Demonstrationen, Impfen und soziale Verantwortung.

Nach wie vor prägt die Pandemie das Leben – öffentlich wie privat. Wie ist der Zusammenhalt in der Gemeinde in dieser schwierigen Zeit?

Wenn der DFB nicht schon das Label „Die Mannschaft“ hätte, hätte ich es gerne für die Verwaltung und unseren Gemeinderat. Denn die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Und das, obwohl wir jetzt sogar sieben Gruppierungen sind. Auch unsere Bürgerinnen und Bürger verhalten sich trotz aller Einschränkungen verantwortungs- und rücksichtsvoll. Es ist schon allein bemerkens- und lobenswert, dass nicht mehr Ventile gesucht werden, um mal Druck abzubauen. Gerade was die Kinder und Jugendlichen aushalten müssen, ist enorm.

In der jüngsten Zeit fanden allerdings immer wieder nicht angemeldete Demonstrationen und Gegenveranstaltungen statt. Wie ist ihre Position?

Im ersten Moment erschrickt man. Und dann schaut man: Wer geht da mit? Auch Familien mit ihren Kindern. Deswegen will ich betonen: Jeder, der Sorgen kundtun will, hat selbstverständlich das Recht dazu – aber: Jeder muss auch nach den demokratischen Regeln spielen. Und das heißt auch: Demonstrationen anmelden, Verantwortliche benennen, nur so kann man doch verhindern, dass Demonstrationen von Menschen missbraucht werden, von denen ich mich eigentlich distanzieren will. Wie etwa rechten Gruppierungen.

Wie stehen Sie zum Thema Impfen?

Bei den ganzen Impfdebatten sollten wir immer auf die Allgemeinheit schauen. Wir dürfen Pfleger und medizinisches Personal nicht hängen lassen. Auch die Kinder und Jugendlichen haben lange genug auf vieles verzichtet. So konnten vor allem vulnerable Menschen geschützt werden. Und deswegen sehe ich mich in der Pflicht zu schauen, was kann ich tun. Und was ich eben tun kann, ist die Regeln einzuhalten und mich impfen zu lassen!

Sie haben das Projekt neuer Marktplatz jahrelang in zig Sitzungen begleitet. Früher noch als Gemeinderat, jetzt in der zweiten Legislaturperiode als Bürgermeister. Jetzt ist der Platz fertig. Mit dem Ergebnis sind Sie sehr zufrieden. Gibt es dennoch eine Sache, die Sie sich wünschen würden, um zu sagen: Jetzt ist er perfekt?

Ich hätte gerne den Schwerlastverkehr draußen. Das wäre wirklich wunderschön. Denn der Platz wird sehr gut angenommen. Gerade der Brunnen und die Sitzgelegenheiten im Sommer erfreuen sich großer Beliebtheit. Mit der Gelegenheit des Verweilens herrscht nun richtig Leben am Marktplatz. Das ist super.

Gibt es langfristig die Chance, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht?

Langfristig ist es zumindest nicht auszuschließen. Man muss ja immer hoffen.

Die beiden lebensgroßen Kunstfiguren wurden gerade im Gemeinderat kontrovers diskutiert. Wie kommen sie mittlerweile an?

Ich freue mich immer, wenn ich beobachten kann, wie die Leute mit ihnen interagieren. Mal steckt jemand der Frau eine Rose zu, mal setzt er ihr eine Maske auf. Das ist nett. Bei einer standesamtlichen Hochzeit haben die Gäste dem sitzenden Mann ein Tischerl davorgestellt und ihm eine Rose eingesteckt – so als gehöre er zum Empfang. Das war klasse.

Die Gemeinde baut im Jahr 2022 zehn Wohnungen, der Spatenstich für den kommunalen Wohnungsbau an der Holzhauser Straße war im Oktober. Was für eine Chance ist das Projekt für die Gemeinde Markt Indersdorf?

Ich denke, es ist eine Chance, dass wir – wenn auch einen kleinen – Beitrag leisten, vergünstigten Wohnraum anzubieten. Vor allem sind es für die Gemeinde Markt Indersdorf bleibende Werte, die wir hier schaffen – ähnlich wie bei unserem Glasfaserprojekt. Sollte der Markt in 25 Jahren einmal finanzielle Schwierigkeiten haben, könnte er das Objekt verkaufen. Ich hoffe deshalb, dass in diesem Bereich noch das ein oder andere Projekt dazukommt.

Auf welche Projekte aus 2021 sind Sie besonders stolz?

Ganz klar, den Marktplatz, oder den Spatenstich zum Kommunalen Wohnungsbau, Sanierungen an der Cyclostraße, aber auch so banale Dinge wie das öffentliche WC beim Kreisverkehr beim Funk. Was mich auch freut, sind die Nahwärmenetze am Kindergarten Langenpettenbach und der Feuerwehr und die Erweiterung im Kindergarten Niederroth.

Welche Bedeutung hat ein Projekt wie der Weg des Erinnerns für die Gemeinde?

Großer Respekt und Dank gilt der Initiatorin Anna Andlauer. Der Weg ist ein Projekt für die kommenden Generationen und er macht Geschichte erlebbar. Das ist sagenhaft. Ich habe zu Anna mal gesagt: Jeden Römer, der hier mal durchgekommen ist, kennen wir beim Vornamen; aber was hier, vor unsrer Tür in der Nachkriegszeit passiert ist, wissen wir nicht. Deswegen bin ich ihr sehr, sehr dankbar für diesen einmaligen, bleibenden Weg des Erinnerns.

Beim Kreisverkehr am Lidl ist eine Ausfahrt, die im Nichts endet – sie soll einmal zur geplanten Umverlegung der DAH2 führen. Was denken Sie? Wer erlebt eine Umfahrung noch?

Ich war so euphorisch, dass ich gesagt habe, wir bauen 2023 – aber da bin ich mir mittlerweile einfach nicht mehr sicher. Aber: Wir brauchen diese Umverlegung, denn wir müssen mal mit einem Teilstück anfangen. Es ist schon sehr zäh und träge. Als ich Bürgermeister wurde, hieß es: Du musst dich um diese Umverlegung gar nicht mehr kümmern, das läuft schon. Schau nur, dass es dann perspektivisch weitergeht. Und jetzt haben wir 2021 und die Umverlegung ist noch nicht einmal genehmigt, geschweige denn gebaut. Das können wir uns nicht mal in der Verwaltung erklären. Wie soll es dann erst jemand von außerhalb gehen? Aber: Ich hoffe, 2024 geht’s los.

Lassen Sie uns mit etwas Positivem fürs neue Jahr enden: Auf welche Projekte freuen Sie sich für 2022 am meisten?

Auf die Planungen für Indersdorfs Grüne Mitte. Wenn das Projekt klappen würde, das würde mir sehr, sehr gut gefallen. Damit würden wir etwas Bleibendes schaffen. Ein Gebiet, in dem sich die Indersdorfer in der Natur und doch mitten im Ort erholen können. Und auch die Umgestaltung am Unteren Markt mit den neuen Skulpturen ist ein wunderbares Projekt. Nach unseren vielen technischen Projekten in der Vergangenheit darf man den Blick jetzt auch mal weiten.

Aber auch 2022 bleibt es technisch, oder?

Ja, da gibt es wieder einiges, unter anderem im Bereich Kläranlage Indersdorf/Niederroth sind nach wie vor riesengroße Investitionen geplant. Da sind nochmal an die fünf Millionen Euro im Haushalt.

Das Interview führte Christiane Breitenberger

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