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Sehr vielseitig ist die neue Landfrauen-Vorsitzende Anna-Maria Schlatterer (20) – egal, ob beim Sporteln oder beim Glühwein kreieren.

Anna-Maria Schlatterer ist die neue Vorsitzende der Indersdorfer Landfrauen

Tradition ist cool, nicht konservativ

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Sie treibt für ihr Leben gern Sport. Sie liebt es, in ihrer Freizeit mit ihren Freunden unterwegs zu sein. Sie ist jung und alles andere als konservativ. Trotzdem hat sie vor Kurzem ein Amt übernommen, das zumindest ziemlich konservativ klingt: Die 20-jährige Anna-Maria Schlatterer ist die neue Vorsitzende der Indersdorfer Landfrauen.

Indersdorf– Von wegen alter Hut. Wer denkt, Landfrauen sind alte, konservative Damen mit Dirndl und einer ausgeprägten Liebe zum Herd, der irrt. Und zwar ganz gewaltig. Seit diesem Winter haben die Indersdorfer Landfrauen eine neue starke Frau an der Spitze – Anna-Maria Schlatterer ist erst 20 Jahre alt und tritt die Nachfolge von Annemarie Geißer an. Die Trägerin der Indersdorfer Ehrenamts Bürgermedaille zieht sich dort nach 20 Jahren als Vorsitzende zurück. Aber vorher hat sie ihrer Nachfolgerin noch etwas verraten – ein gut gehütetes Geheimnis.

Die Indersdorfer Landfrauen sind eigentlich nur einmal im Jahr präsent. Da dafür aber richtig: Wer über den Indersdorfer Christkindlmarkt Advent am Kloster geht, besucht eigentlich immer den Stand der Landfrauen: Den einzigen Stand mit dem einzigartigen selbstgemachten Glühwein. Das Rezept dazu kannte 20 Jahre lang nur Annemarie Geißler – vergangenes Jahr weihte sie Anna-Maria Schlatterer ein. Die Landfrauen verkaufen an ihren Ständen selbstgemachte Köstlichkeiten, um mit dem Erlös soziale Projekte vor Ort zu unterstützen.

Das ist genau der Grund, warum die taffe 20-Jährige ohne zu zögern die Leitung der Landfrauen übernommen hat. Sie will sich einbringen. Irgendwas Sinnvolles zurückgeben. „Ich bin jemand, der gerne Verantwortung übernimmt und ein Ziel vor Augen hat.“ Kein Wunder, dass Anna-Maria Schlatterer so zielstrebig ist – sie ist eine totale Sportskanone, entweder geht sie ins Fitnessstudio oder läuft abends mal eben fünf Kilometer. Soziales Engagement kennt sie von ihrem Vater, der als Mitglied des Faschingskomitees mitwirkt, damit die Erlöse aus dem Indersdorfer Faschingsumzug in soziale Projekte am Ort fließen. Das will Anna-Maria Schlatterer auch.

Ihr ist klar, dass die Landfrauen eher einen altmodischen Ruf haben – wenn auch völlig zu Unrecht. „Aber das ist mir egal. Es geht schließlich darum, dass man mit Einsatz anderen etwas Gutes tut.“ Für die 20-Jährige ist die Arbeit bei den Landfrauen nichts Konservatives – es ist vielmehr eine Chance. Eine Chance, Generationen zusammenzubringen und voneinander zu lernen. „Es gibt vieles, was wir Jungen nicht können, da ist es toll, wenn uns die Älteren was zeigen. Zum Beispiel wie man die einzigartigen Schmalznudeln machen kann, sowas weiß doch heutzutage keiner mehr.“ Dafür könnten Jüngere moderne Ideen einbringen.

Wie ein neues Glühweinrezept, das Anna-Maria Schlatterer heuer ausgetüftelt hat. Zwei Monate lang hat sie an dem Rezept zu Hause rumprobiert. Ihre Familie und ihr Freund waren die Testpersonen und packten auch sonst mit an. „Ohne die Unterstützung von meiner Familie hätte ich das alles nicht geschafft.“ Für ihr Engagement am Christkindlmarkt hat Anna-Maria Schlatterer extra zwei Wochen Urlaub genommen. Eine Woche vor dem Adventsmarkt, eine Woche danach. 1000 Liter Glühwein haben die engagierten Damen heuer verkauft – alles davon selbst gemacht. „200 Liter mussten wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag neu mischen, weil wir heuer so viel verkauft haben.“ Anna-Maria Schlatterer weiß, dass sie sich auf ihr Team verlassen kann. „Wir haben 85-Jährige, die noch Schmalznudeln machen oder Ende 70-Jährige, die die Sachen für einen guten Zweck verkaufen.“ Dank der Landfrauen gehen heuer 1500 Euro an soziale Zwecke in Indersdorf (Bericht folgt).

Die Chance, die Generationen zusammenbringen, will die neue Vorsitzende vielleicht mit neuen Projekten weiter ausbauen. Zum Beispiel bei gemeinsamen Nachmittagen, an denen die Jüngeren Stricken oder Häkeln lernen könnten. „Selbstgemachtes ist jetzt wieder total in“, sagt die 20-Jährige. Zudem kann sie sich vorstellen, dass sich die Landfrauen auch bei Projekten im Sommer für den Ort einbringen können – sofern etwas Entsprechendes geplant ist.

In Anna-Maria Schlatterer hat Annemarie Geißler eine würdige Nachfolgerin gefunden, die viel von ihr gelernt hat. „Es ist Wahnsinn was Annemarie alles geschaffen hat, diese Tradition will ich weiterleben lassen“, sagt Schlatterer. Aber mit einer eigenen Handschrift.

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