Mann mit Bart mit Plastikeimer
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Mit den Malaisefallen hat Wissenschaftler Johannes Burmeister hauptsächlich Fliegen und Mücken gefangen. Bienen können mit der Falle nicht repräsentativ erfasst werden.

Wissenschaftler untersuchen Gewässerrandstreifen

Auf dem Weg zu mehr Artenvielfalt

  • Verena Möckl
    VonVerena Möckl
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Mehr Tiere, mehr Artenvielfalt: Die gesetzlich vorgeschriebenen Gewässerrandstreifen haben erfreuliche Auswirkungen.

Indersdorf – Gewässerrandstreifen erhöhen die Artenvielfalt. Zu diesem Zwischenergebnis sind die Wissenschaftler der Landesanstalt für Landwirtschaft gekommen. Sie untersuchen drei Jahre lang in einem Projekt die Bedeutung der Gewässerrandstreifen.

Seit dem Volksbegehren „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern“ und der Verabschiedung des Versöhnungsgesetzes vor zwei Jahren sind Gewässerrandstreifen gesetzlich vorgeschrieben. Was bisher gefehlt hat, waren wissenschaftlich fundierte Fakten zur Wirkung dieser Maßnahme.

Um dies zu untersuchen, läuft von 2019 bis 2022 an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Kooperation mit dem Landesamt für Umwelt (LfU) eine Projekt-Studie. Auf Initiative von Lfl-Wissenschaftler Johannes Burmeister untersuchen die Projektteilnehmer die Auswirkung von Gewässerrandstreifen auf Insekten. Das Ziel der Forschungsstudie: mögliche positive Wirkungen zwischen Gewässerschutz, Artenvielfalt und Erosionsschutz aufzuzeigen. Auf Grundlage dieser Fakten sollen in einem weiteren Schritt dann für Insekten optimale Gewässerrandstreifen abgeleitet werden. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten finanziert das Forschungsprojekt.

Vorbereitung und Ablauf des Projekts

In vier überwiegend landwirtschaftlich genutzten Regionen im Naturraum des Unterbayerischen Hügellandes hat das Lfl insgesamt 40 Flächen entlang eines angrenzenden Wasserlaufes ausgesucht. „Von diesen Flächen waren 25 mit und 15 ohne Gewässerrandstreifen“, sagt Wissenschaftlerin Sabine Birnbeck. Im Einzugsgebiet der Glonn eine passende Stelle zu finden, sei eine große Herausforderung gewesen. Auf den landwirtschaftlichen Flächen des Landwirts Josef Reischl konnten die Wissenschaftler schließlich ihr Forschungsprojekt in Indersdorf umsetzen.

Um Erkenntnisse über Biomasse und Biodiversität zu erlangen, haben die Wissenschaftler auf jeder Fläche zwei Malaisefallen aufgestellt: eine am Gewässerrand und eine in der Feldmitte. „Damit haben wir nur die flugaktiven Insekten erfasst“, erklärt Birnbeck. Auch 16 Bodenfallen kamen zum Einsatz. „Es war viel Arbeit das alles auf- und wieder abzubauen“, sagt Sabine Birnbeck. Die Insekten zu erfassen, ohne den Landwirt groß bei seiner Arbeit zu stören, sei eine große Herausforderung gewesen.

Um Aussagen über die Artenvielfalt der Insekten treffen zu können, bedienen sich die Wissenschaftler der Methode des DNA-Metabarcoddings. Aus dem Insektenmehl wird die DNA der Insekten extrahiert. Bestimmt wird dann der spezielle Abschnitt des Gens, der für Stoffwechsel zuständig ist, und sich laut Johannes Burmeister „als biologische Uhr“ eignet. „Vergleichbar ist das mit einem Fingerabdruck beim Menschen“, erklärt Projektleiterin Roswitha Walter die zeit- und kosteneffiziente Untersuchungsmethode.

Positives Zwischenergebnis

Bei den Erkenntnissen handelt es sich „zwar nur um ein Zwischenergebnis“, so Lfl-Präsident Stephan Sedlmayer, doch die Bilanz sei „eine wichtige und eine erfolgreiche“. „Mit dem Projekt haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, freut sich Walter. Denn die Gewässerrandstreifen haben für die Umwelt eine multifunktionale Bedeutung. Neben der primären und traditionellen Funktion als Gewässer- und Erosionsschutz hat die Forschungsstudie noch weitere positive Erkenntnisse gebracht.

Erhöhung der Biomasse

 Im Vergleich zu Flächen ohne einen Gewässerrandstreifen konnten im Durchschnitt 40 Prozent mehr Insektenbiomasse erfasst werden.

Steigerung der Biodiversität

In Flächen mit Gewässerrandstreifen konnte eine um 16 Prozent höhere Biodiversität ermittelt werden. Besonders Schmetterlinge profitieren von den Gewässerrandstreifen. Sie konnten ihre Artenvielfalt um 45 Prozent erhöhen.

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