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Damals und heute: Tibor Sands steht vor dem Foto, das 1946 von ihm im Kloster Indersdorf gemacht wurde. robert sands

Ausstellung „My Name Is ... The Lost Children Of Kloster Indersdorf“  im Museum of Jewish Heritage

Indersdorfer Geschichte in New York

Mit Blick auf die Freiheitsstatue konnten Museumsbesucher eine Jahr lang Geschichten aus Indersdorf lesen: Im Museum of Jewish Heritage in New York war die Ausstellung „My Name Is ... The Lost Children Of Kloster Indersdorf“ zu sehen. Ein Überblick.

Indersdorf/New York – „Geschichten überleben“ („Stories survive“) – mit diesem Motto hat das Museum of Jewish Heritage in New York nunmehr ein Jahr lang immer wieder für ihre Indersdorf-Ausstellung geworben. Seit dem 18. Januar 2017 bis jetzt zeigte dieses jüdische Museum die Wanderausstellung „My Name Is ... The Lost Children Of Kloster Indersdorf“. Ein Grund, nachzufragen, was den Erfolg dieser Ausstellung ausmacht:

„Die Ausstellung ist ungewöhnlich gestaltet“, meint die Indersdorfer Zeitgeschichtsforscherin Anna Andlauer. Sie hielt damals die Eröffnungsrede zur Ausstellung. Im lichtdurchfluteten Obergeschoss des Museums direkt an der Südspitze Manhattans und mit Blick auf die Freiheitsstatue, konnten sich die Besucher zwischen 35 weißen, transparenten, von der Decke hängenden Bannern bewegen und in Dialog treten mit den lebensgroßen Fotos der jungen Holocaust-Überlebenden aus der Nachkriegszeit.

„Doch die Augen dieser Kinder und Jugendlichen schauen den Betrachter an. Man fühlt sich inmitten der lichten Banner von allen Seiten beobachtet, irgendwie unmittelbar in die entscheidende Situation hineingezogen, in der die Kinderüberlebenden damals waren“, so erklärt Andlauer den Erfolg dieser Präsentation. Die historischen Fotos wurden im „Internationalen Kinderzentrum Kloster Indersdorf“ im Oktober 1945 gemacht und veröffentlicht, um Angehörige zu finden, die möglicherweise überlebt hatten. Das Museum ist im Besitz einer ganzen Reihe dieser historischen Fotos und nutzte nun die Gelegenheit, etwas von diesem Schatz ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.

„Wenn man die Fotos anschaut, hat man keine Vorstellung davon, was diese Kinder schon durchgemacht hatten, bevor diese Bilder entstanden sind. Die Resilienz in ihren Gesichtern ist erstaunlich; sie sehen fast wie Schulfotos aus“, sagt Melissa Martens Yaverbaum, die Kuratorin der Ausstellung.

Auch im renommierten amerikanischen „Smithsonian Magazine“ setzte sich die Journalistin Carrie Hagen mit den Gesichtern auseinander, die durch die Transparenz der Banner von beiden Seiten gleichermaßen sichtbar sind: „Die Kinder lächeln; ihre traurigen aber noch zuversichtlichen Augen starren in die Kamera, denn die Kinder projizieren ihre Hoffnungen in diese Fotos, dass ihre Angehörigen, falls sie noch am Leben sind, von ihrem Aufenthaltsort erführen, um nach Indersdorf zu eilen und sie dort abzuholen.“ Doch nur in wenigen Fällen ist dies tatsächlich geschehen; in den meisten der jüdischen Kinder musste allmählich der dunkle Verdacht schreckliche Gewissheit werden, dass sie von nun an ganz allein auf der Welt waren.

In den kurzen Begleittexten drängten sich den Besuchern die Leben dieser unbegleiteten Kinder vor und nach ihrem Aufenthalt in Indersdorf auf, ihre Traumatisierungen und ihren Fähigkeiten, zum Überleben und zur Regeneration – trotz alledem. „Sie werden niemals mehr in der Lage sein, in ihr vergangenes Leben zurückzukehren; sie gehen auf ihre weitere Zukunft zu“, fügte Yaverbaum hinzu. Und genau diesen Wendepunkt im Leben der Holocaust-Überlebenden erlebten die Besucher der Ausstellung in New York.

Eigentlich sollte sie nur ein paar Wochen gezeigt werden, doch da sie sich als Publikumsmagnet erwies, wurde sie immer wieder verlängert. Ein Jahr war sie nun im Museum of Jewish Heritage zu sehen. Wo sie weiter gezeigt werden wird, entscheidet sich in diesen Tagen. Es wird nicht so leicht sein, einen ähnlich lichtdurchfluteten Raum wie den jetzigen zu finden, wo diese Ausstellung vergleichbar zur Geltung kommt.

Zeitgeschichtsforscherin Anna Andlauer hätte jedenfalls großes Interesse, die Ausstellung nach Markt Indersdorf oder zumindest in den Landkreis Dachau zu holen. „Der Kreuzgang im Indersdorfer Kloster ist zwar nicht so lichtdurchflutet, aber es ist, historisch gesehen, der richtige Ort.“  dn

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