Erst 2018 ereignete sich hier ein schwerer Unfall – Die Gemeinde Indersdorf setzt sich seit Jahren dafür ein, dass der kleine Bahnübergang an der Gemeindeverbindungsstraße Frauenhofen-Ried, eine Schranke bekommt. 
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Erst 2018 ereignete sich hier ein schwerer Unfall – Die Gemeinde Indersdorf setzt sich seit Jahren dafür ein, dass der kleine Bahnübergang an der Gemeindeverbindungsstraße Frauenhofen-Ried, eine Schranke bekommt. 

Indersdorf-Ried

Der Kampf um die Schranke geht weiter

  • vonChristiane Breitenberger
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Es bleibt dabei: Die Indersdorfer Gemeinderäte wünschen sich eine Schranke am Bahnübergang im Bereich Ried. Seit Jahren befassen sich sowohl Kommunalpolitiker als auch die Verwaltung mit diesem Thema – ohne Erfolg. Damit der Kampf weitergehen kann, müssten sie nochmal Geld ausgeben.

Indersdorf – Bürgermeister Franz Obesser nennt es die „aller letzte Chance, den Flaschenhals, durch den wir jetzt durch müssen – sonst war’s das jetzt“. Was Obesser in der jüngsten Gemeinderatssitzung den Räten vortrug, gefiel eigentlich keinem so recht. Seit Jahren bemüht sich die Gemeinde darum, dass der kleine Bahnübergang an der Gemeindeverbindungsstraße Frauenhofen-Ried eine Schranke bekommt. Doch die Bahn sagt, vereinfacht formuliert: immer wieder nein. Der Übergang sei sicher. Das letzte, was die Gemeinde laut Obesser jetzt noch tun kann, sei – erneut – ein Gutachten in Auftrag geben. Kostenanteil der Gemeinde: 20 000 Euro.

Der Kampf um die Schranke belastet also auch den Haushalt der Gemeinde, die Erfolgsaussichten für die Bemühungen scheinen äußerst gering. Zwei Ortstermine, bei denen jeweils nicht nur Vertreter der Gemeinde und der DB Netz AG, sondern auch noch zwei Landtagsabgeordnete aufmarschierten, um die Indersdorfer zu unterstützen, gab es schon. Die Gemeinde bezahlte bereits eine Untersuchung – diese wird aber von der Bahn nicht anerkannt. Deshalb soll die neue Machbarkeitsstudie erstellt werden. Es gebe drei Varianten zu Prüfen: eine Überführung, die Schranke und die Schließung dieses Überwegs, verbunden mit einer neuen Straße zu einer bestehenden Überführung. Alles außer der Schranke erscheint der Gemeinde nicht realisierbar und viel zu teuer. Die DB Netz AG möchte diese Möglichkeiten trotzdem prüfen. Aus ihrer Sicht gibt es keine 100-prozentige Sicherheit – auch bei technisch gesicherten Bahnübergängen. Das zeigen auch die beiden tödlichen Unfälle in der Vergangenheit am Indersdorfer Übergang an der Arnbacher Straße. Die DB Netz AG ist also laut der Indersdorfer Verwaltung folgender Auffassung: Man kann sehr viel Geld für die Nachrüstung einer technischen Sicherung ausgeben – passieren kann trotzdem was.

Genau aus diesem Grund ist es für einige der Gemeinderäte an diesem Abend Zeit, die Bemühungen und vor allem die Ausgaben in Sachen Schranke zu stoppen. Hans Wessner (Umweltdenker) erklärte: „Die Bahn wird sagen, dass selbst eine Schranke keine Sicherheit bringt. Sie wird sich also für eine der anderen Varianten entscheiden – die wir nicht wollen. Das ist erstens Schmarrn, zweitens können wir es uns nicht leisten. Wir schmeißen hier gutes Geld dem Schlechten nach.“ Auch Andreas Geier (BBN) betonte: „Für mich ist längst der Zeitpunkt gekommen, aufzuhören.“ Unfälle seien tragisch, doch der Übergang sei zu jeder Jahreszeit sehr gut einsehbar. Er ist gegen die Studie, die keinen Erfolg verspreche. „Wir haben sonst ein Problem, zu rechtfertigen, diese Gelder auszugeben.“ Hans Lachner (CSU) sagte: „Da kommt nicht raus, was wir wollen, da kommt sicher raus, dass wir den Bahnübergang zumachen sollen.“

Fast alle Wortmeldungen anderer Gemeinderäte begannen mit den Worten: „Der Hans (Anm. der Red.: Wessner) hat sicherlich recht....“. Trotzdem sprachen sie sich für die Studie aus. Der „Bürger soll nicht denken, dass man nichts tut“, diese Aussage Helmut Eberts (FW) schien für viele – gerade jetzt in Wahlkampfzeiten – zu gelten. Auch Obesser pflichtete Wessner bei: „Das ist kein Geheimnis: Jeder geschlossene Bahnübergang ist der Bahn lieb. Aber wenn wir’s nicht machen, haben wir halt aufgegeben.“ Das schien das Schlüsselwort des Abends, genau wie Florian Ebners (EHW) „Ich will nicht sehen, dass einem unserer Jungen da draußen was passiert.“

Die Abstimmung ging schließlich 11:5 aus, die Gemeinde wird sich an den Kosten für die neue Studie beteiligen.

An dem unbeschrankten Bahnübergang kam es erst im Augst 2018 zu einem schweren Bahnunglück. Ein Zug der S2 hatte ein Auto erfasst. Die Autofahrerin wurde schwer verletzt. Bereits 2013 gab es an dieser Stelle schon einmal einen schweren Unfall. Damals hatte die Bahn versprochen, die Übergänge sicherer machen zu wollen.

„Eine völlige Nebenstrecke“ nannte Bahnsprecher Bernd Honerkamp nach dem Unfall 2018 die Strecke. Für die Bahn ist das Unglück an dieser Stelle kein Novum. Bereits im Oktober 2013 rammte ein Zug der damaligen Linie A ein Traktorgespann. Zu den Dachauer Nachrichten hatte Bahnsprecher Honerkamp damals gesagt, dass die Bahn im Zuge der Elektrifizierung der Linie A die Zahl der unbeschränkten Bahnübergänge „deutlich reduzieren“ wolle. In diesem Fall aber, an dieser „völligen Nebenstrecke“, waren der Ankündigung keine Taten gefolgt.

Der Übergang wurde zwar in den Jahren 2013 bis 2014 im Rahmen der Elektrifizierung umgestaltet – doch bewusst ohne Schranke. Auch damals musste sich die Gemeinde an den Umbaukosten beteiligen. Damals ging man davon aus, dass die Änderungen an der Straße sowie unmittelbar am Bahnübergang ausreichend seien. Die Umgestaltung wurde im Rahmen des Eisenbahnkreuzungsgesetzes vorgenommen und für sicher genug befunden.

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