Die Dachauer Nachrichten vom 9. Juni 1971: Das verheerende Feuer war natürlich Aufmacher, Autor der spätere Redaktionsleiter Kurt Göttler.
+
Die Dachauer Nachrichten vom 9. Juni 1971: Das verheerende Feuer war natürlich Aufmacher, Autor der spätere Redaktionsleiter Kurt Göttler.

Immenser Schaden, Mädchen konnten nicht in die Schule gehen

Vor 50 Jahren brannte es im Kloster Indersdorf: Einsatz unter Lebensgefahr

Vor genau 50 Jahren, in der Nacht vom 7. auf 8. Juni 1971, ertönten die Feuerwehr-Sirenen und rissen so manchen Indersdorfer aus dem Schlaf. Der Grund: ein Brand im Kloster Indersdorf. Beim Löschen riskierte so mancher Indersdorfer Feuerwehrmann sein Leben.

Indersdorf – Hans Pest, Sohn von der dem Kloster gegenüber liegenden Bäckerei seines Vaters, erinnert sich noch genau, wie der Brand im Kloster entdeckt wurde. Josef Kreitmair, damals Bäckermeister bei Pest, war nach Mitternacht auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle. Dort angekommen, so erzählt es Hans Pest, meinte Kreitmair: „Sog amoi, riachst du des ned, da brandls doch?!“ Pest verneinte, ging dann aber zum Fenster und meinte im Halbschlaf zu Kreitmair: „Do is aber heid a anständiger Nebel drauß!“

Schnell wurde beiden jedoch klar, dass es sich bei dem Nebel um Rauchschwaden handelte. Pest eilte auf die Straße und meinte, an einem Kloster-Fenster im ersten Stock ein Licht zu sehen, was er aber schnell als Flammen ausmachte. Er setzte sofort einen Notruf ab und rief auch im Kloster an.

Am Telefon die damalige Ordensschwester Hedwigis. In ihrem später für das Kloster erstellten Bericht schilderte sie den Anruf so: „Eine Männerstimme sagte mir: Schwester, bei ihnen brennt es, machen Sie bloß keine Fenster und Türen auf, ich hab die Feuerwehr bereits verständigt!“

Der damalige Indersdorfer Feuerwehrkommandant Josef Steidle und seine Besatzung trafen schnell am Brandort ein. Kurz darauf war auch die Feuerwehr aus Dachau vor Ort. Die Dachauer Kameraden waren damals schon mit Atemschutzgeräten ausgestattet, die der Indersdorfer Wehr noch fehlten.

Wie Brandexperten ermittelten, muss das Feuer im Nähzimmer im ersten Stock ausgebrochen sein. In Indersdorf kursierte lange Zeit das Gerücht, dass ein nicht ausgeschaltetes Bügeleisen im Nähzimmer den Brand ausgelöst habe. Doch wurde dies nicht belegt.

Eine Katastrophe schien sich anzubahnen. Waren doch im Kloster neben vielen Schwestern auch Internatsschülerinnen untergebracht. Doch alle reagierten vorbildlich, konnten sich in Sicherheit bringen. Hans Pest erinnert sich daran, dass Schwestern und Schülerinnen in der warmen elterlichen Backstube vorübergehend Unterschlupf fanden.

Und so konnten die Feuerwehrler ihre beileibe nicht leichte Arbeit in Angriff nehmen. Hubert Steidle, neben Vater Josef stellvertretender Kommandant und Gruppenführer, schilderte den Einsatz so: „Das war schon eine lebensgefährliche Sache. Mangels Atemschutzgeräten mussten wir uns mit nassen Tüchern behelfen, um uns gegen die enorme Rauchentwicklung zu schützen. Mit dem Löschschlauch in den Händen schleppten wir uns auf Knien die Treppe hoch in den ersten Stock zum Brandherd. Doch alles ging gut.“

Durch den schnellen Einsatz der beiden Feuerwehren konnte das Feuer unter Kontrolle gebracht und schließlich gelöscht werden. Das lag nicht zuletzt daran, dass die beiden Bäcker den Brand so frühzeitig entdeckt hatten. Die Löscharbeiten dauerten rund vier Stunden. Einsatzleiter Josef Steidle meinte damals im Gespräch mit der Heimatzeitung, dass nicht viel gefehlt habe, und die Flammen hätten auf den Dachstuhl übergegriffen.

Schlitzohrig wie Steidle war, nutzte er den Brandfall gleich für eine Sache in eigener Zuständigkeit. Er betonte in dem Interview, welch enorme Erleichterung es bei der Brandbekämpfung doch gewesen sei, dass die Dachauer Kollegen mit Atemschutzgeräten ausgerüstet waren. Es war klar: Steidle wollte, dass auch die Indersdorfer Wehr mit Atemschutzgeräten ausgerüstet wird.

Zumindest schien er damit bei der Kongregation der Barmherzigen Schwestern in München ein offenes Ohr gefunden zu haben. Der damalig Superior Nißl, ein Indersdorfer, überwies der Indersdorfer Feuerwehr 2000 Mark als Dank für die vorbildliche Hilfsbereitschaft.

Verletzt wurde beim Großbrand vor 50 Jahren zum Glück niemand. Den Sachschaden schätzten Experten damals auf etwa 100 000 Mark.

Barbara Sallinger, ehemalige Schülerinnen der Realschule und Tochter des „Mitbrandentdeckers“ Josef Kreitmair, erinnert sich auch an das Unglück. Allerdings rang sie dem eine positive Seite ab: „Wegen der anfallenden Aufräumarbeiten am Kloster wurden die Pfingstferien um acht Tage verlängert!“ Walter Hanusch

Klosterschwestern dankten ihren Feuerwehr-Helden

Die Indersdorfer Klosterschwestern schalteten kurz nach dem Brand eine Anzeige in den Dachauer Nachrichtern. Sie schrieben: „Allen, die uns beim Brandunglück ihre Anteilnahme in Wort und Tat bekundet haben, möchten wir auf diesem Wege sehr herzlich danken. Unser ganz besonderer Dank gebührt den Männern der Indersdorfer und Dachauer Feuerwehr, die durch ihr rasches und beherztes Eingreifen ein größeres Unglück verhüten konnten.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare