Adventsserie: Leser erzählen ihre Weihnachtsgeschichte

Für die Rosi gab’s a Schleiferl

So genau weiß sie es nicht mehr, „sieben oder acht muss ich g’wesen sein“, sagt Rosi Ott (83), als sie von diesem besonderen Heilig-Abend-Wunder erzählt.

Indersdorf – Es ist stockfinster, kaum ein Licht in ganz Indersdorf. Und das nicht nur, weil sich der Mond nicht blicken lässt. Es ist Verdunklung angeordnet, wie so oft in diesem Kriegswinter. Wie prächtig, wie beglückend in dieser dunklen Zeit ist da das Licht in der Klosterkirche.

Die kleine Rosi sitzt auf dem Bankerl, es ist Christmette. „I hob mi so g’freit, des Gold, de Engerl“, erinnert sie sich. Sie schaut auf die anderen Kinder. Zur Bescherung gab’s hier für den Buben einen Schal, eine Mütze für das Mädchen dort, beides natürlich „soiber g’strickt, mia hom ja olle nix g’habt.“

Wie stolz ist Rosi da auf ihr eigenes Weihnachtsgeschenk, wie glücklich: Zwei hellblaue Haarschleifen für seine Zöpferl hat das Kind an diesem Abend bekommen. Doch als sie die Schleifen betrachten will – fehlt eine! Unendlich groß ist die Bestürzung, unendlich groß die Trauer, unendlich groß die Verzweiflung. Bis die Mette aus ist, bleibt nur eins: „I hob zum Christkindl bet, de ganze Kircha lang.“

Die Familie macht sich auf den Rückweg. Knapp zwei Kilometer sind es von der Kirche bis zum Haus. Und wieder ist die Hand vor Augen nicht zu sehen. Dann geschieht es. Ein Mann in der Nähe zündet sich eine Zigarette an. Ein, zwei Sekunden lang wirft das Streichholzflämmchen einen schwachen Schimmer auf den Weg. Und aufs hellblaue Schleifchen, das dort liegt. Welch unfassbarer Zufall. Oder doch nicht? Die kleine Rosi ist sich jedenfalls sicher: Das Christkind hat ihr Gebet erhört.

Liebe Leser,

wenn auch Sie eine nette, lustige, skurrile oder einfach zu Herzen gehende persönliche Advents- oder Weihnachtsgeschichte zu erzählen haben, dann kontaktieren Sie uns per E-Mail an redaktion@dachauer-nachrichten.de oder unter Telefon 0 81 31/563-40,-36 oder-23.

Thomas Leichsenring

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