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So sollen die Stufen vor der Eisdiele und der früheren Metzgerei (links) aussehen. Es entsteht eine Art tiefer gelegte Terrasse.

Vorstellung im Indersdorfer Gemeinderat

Neue Details zum Marktplatzprojekt

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Zum Indersdorfer Großprojekt neuer Marktplatz gibt es Neues. Die Planer haben ihre Ausführungen jetzt im Gemeinderat vorgestellt und sind damit sehr glücklich: Ihnen sei „die Quadratur des Kreises gelungen“.

Indersdorf – Die Spanische Treppe in Rom führt über 138 Stufen in den Himmel – so sagen zumindest die Römer. Auf der ausladenden Freitreppe eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf die Piazza di Spagna, das Wasser des Barcaccia-Brunnens plätschert unten. Auch am neuen Indersdorfer Marktplatz wird es künftig Treppen geben, allerdings haben die keine 138, sondern nur vier Stufen und die führen nicht in den Himmel, sondern zum Rathaus. Ob man dann auch auf einen Brunnen blicken kann, ist noch nicht gewiss. Aber alles, was zum Thema neuer Marktplatz ziemlich sicher ist, hat Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Heinz L. Kindhammer in der jüngsten Sitzung im Gemeinderat vorgestellt.

Wer denkt, in Sachen Großprojekt neuer Marktplatz in Indersdorf sei wieder monatelang nichts passiert, der irrt: Zig Abstimmungen hat Heinz Kindhammer hinter sich. Es gab Gespräche mit Polizei, Bayernwerke, Faschingskomitee, Behindertenbeauftragter, Naturschutzexperten, MVV und vielen mehr. Nach jedem Gespräch wurde der Plan fortgeschrieben und wieder abgestimmt.

Das sind die zentralen Neuerungen im Entwurfsplan: Vor das Rathaus und vor die Eisdiele sowie die ehemalige Metzgerei Forche (geplante Gastronomie Butcher’s Bar&Grill) kommt eine Treppenanlage. Heißt im Klartext: Zum Rathaus führt künftig eine sehr breite, ums Eck führende, vierstufige Treppe. Eine Art Rathausterrasse entsteht. Vor der Eisdiele gilt das gleiche Prinzip, nur nach unten: Eine sehr breite Treppe mit vier Stufen ums Eck führt nach unten und bildet so eine Art eigenen Terrassenbereich vor Eisdiele und Bar. Beide Auf- und Abgänge sind über eine Rampe barrierefrei erreichbar. Die Terrasseneffekte sind aber nicht der Grund, wieso sich der Stadtplaner zu den Treppen entschlossen hat. Doch mit dieser Maßnahme kann der restliche Marktplatz so gut wie gerade bleiben.

Wer am Marktplatz parken möchte, „findet künftig 29 Stellplätze, derzeit sind es 33“, sagt Kindhammer. Eine Parkfläche entsteht vor Eisdiele und Bar (gerade anzufahrende Stellplätze mit 5,50 Meter Länge), die anderen 17 Stellplätze sind auf der anderen Straßenseite verteilt. Der Autofahrer soll in der Parklücke so weit vorfahren, bis er mit den Vorderreifen in einer Mulde steht – der sogenannte Muldenstein dient zur Entwässerung – dann sieht er: Ich bin drin und stehe nicht mehr auf der Fahrbahn.

Für Fußgänger soll es voraussichtlich drei oder gar vier Zebrastreifen rund um den Marktplatz geben. Nummer eins ist an der Wöhrer Straße zum Rathaus geplant, Nummer zwei ist grob auf der Höhe Bäckerei Zimtstern eingezeichnet und Nummer drei beim jetzigen Zebrastreifen. Ob Nummer vier, ein Übergang an der Freisinger Straße, möglich ist, soll der Planer jetzt auf Wunsch im Gemeinderat prüfen lassen.

Die beiden Bushaltestellen wären künftig einmal direkt am Rathaus, auf der anderen Seite direkt vor dem Restaurant Memories.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Findet zumindest Gemeinderat und in diesem Fall zuständiger Tiefbauingenieur Olaf Schellenberger (siehe Infokasten). „Uns ist hier die Quadratur des Kreises gelungen“, sagt er bei seiner Präsentation. Was er meint: Im neuen Entwurf ist folgendes vereint: „Fast genauso viele Parkplätze wie zuvor, zwei Bushaltestellen, Querungshilfen, Aufenthaltsqualität und Platz für Gastronomie im Freien.“

Die 3D-Simulation zeigt die geplante vierstufige Treppenanlage vor dem Rathaus (Haus rechts im Bild).

Schellenberger erklärt, wie der neue Marktplatz künftig für Schwerlastverkehr unattraktiv werden soll: „Wir wollen, dass die Laster künftig nicht mehr über den Marktplatz, sondern über die Freisinger Straße fahren.“ Deshalb muss deutlich werden: „Der Marktplatz ist hier untergeordnet!“ Also hätten die Planer im Entwurf einen überfahrbaren Fahrspurenteiler (sowas wie eine kleine Insel) eingezeichnet, zudem wird die Kreuzung von der Wöhrer Straße aus gesehen etwas steiler, das „führt für Autos geschwindigkeitsreduzierend.“ Am Marktplatz selbst darf man ohnehin nur noch Tempo 30 fahren.

Bis jetzt fehlt es dem Entwurf für den neuen Marktplatz noch an Grün, wie Stadtplaner Kindhammer selbst sagt. Acht Bäume seien in dem Bereich vorgesehen, angeordnet in einer ZickZack-Linie. Die jetzigen Kastanien müssen weichen. „Die zu retten, ist unrentabel“, erklärt Kindhammer. Dafür rät er, zu versuchen, die Linde an der Eisdiele umzusetzen. „Direkt am Marktplatz, oder an einem anderen Standort.“ Die Kosten, den Baum zu verpflanzen, betragen zwischen 4500 und 5500 Euro, „so viel kostet schon eine Linde, die nur halb so groß ist“, erklärt Kindhammer. Zudem will er versuchen, den jetzigen Flieder wieder in den neuen Marktplatz zu integrieren.

Kindhammer hat bis zur nächsten Präsentation noch viel zu vor. „Der Plan ist noch lange nicht fertig, es gibt noch viel zu tun!“ Themen wie Bepflasterung, Beleuchtung, elektrische Anschlüsse, W-LAN-Hotspot und viele weitere Detailfragen gelte es zu klären. Und natürlich die Frage, ob es einen Brunnen geben soll – auch wenn der mit der Barcaccia-Brunnen-Schönheit am Piazza di Spagna in Rom wohl nichts gemein haben wird.

Doppelfunktion

Für diejenigen, die sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung gewundert haben, wieso ein Gemeinderat plötzlich die Pläne für die Marktplatzsanierung vorstellt: Olaf Schellenberger ist Projektingenieur für Straßenplanung und Mitarbeiter des Ingenieurbüros für Straßenplanung, Kaltenecker aus München. Zudem sitzt er als CSU-Mitglied im Indersdorfer Gemeinderat. Die Gemeindeverwaltung hat für die Sanierung des Marktplatzes zwei Ingenieurbüros beauftragt – einmal den Stadtplaner und einmal den Straßenplaner. Grob gesagt kümmert sich Olaf Schellenberger beruflich um die „Straße“ und der Heinz Kindhammer um den „Platz“. Schellenberger ist deshalb persönlich beteiligt und hat sich bei der Abstimmung enthalten.

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