Handstand: Roman Kent mit Freunden nach einem Bad in der Glonn.
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Handstand: Roman Kent mit Freunden nach einem Bad in der Glonn.

Zum Tod des Präsidenten des Auschwitz-Komitees

Die „wilde Zeit“ von Roman Kent im Kinderzentrum Indersdorf

Indersdorf – Roman Kent, der Präsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, ist im Alter von 92 Jahren in New York gestorben. Roman Kent war mit seinem Bruder Leon in der Nachkriegszeit im Internationalen Kinderzentrum Kloster Indersdorf.

Roman Kent wurde 1929 im polnischen Lodz geboren. Ende 1939 wurde die Familie ins Ghetto gebracht, 1944 kam er nach Auschwitz-Birkenau. Gemeinsam mit seinem Bruder Leon war Kent in weiteren Konzentrationslagern, zuletzt in Flossenbürg, bis er auf einem Todesmarsch in Richtung Dachau von amerikanischen Soldaten befreit wurde.

Die Zeit im Kinderzentrum in Indersdorf hat Roman oft als „unsere wilde Zeit“ bezeichnet, berichtet Anna Andlauer. Auf einem der Fotos sieht man den 16-jährigen Roman Kent kühn am Steuer eines Lkw oder mit Freunden nach dem Bad in der Glonn. Schon damals in Indersdorf war Roman Kent ein Wortführer. Als das Kinderzentrum im Frühjahr 1946 wegen eines Ausbruchs von Diphtherie unter Quarantäne gestellt wurde, waren die Jugendlichen mit dieser „Freiheitsberaubung“ ganz und gar nicht einverstanden. Auf seinem Protestplakat bezeichnet Roman Kent die UNRRA-Sozialarbeiterin Greta Fischer als „Sing Sing Prison Commander“. Doch Roman Kent scheint sich mit ihr wieder versöhnt zu haben, denn im Nachlass Greta Fischers findet sich ein Porträtfoto von ihm, das er ihr im Juli 1946 gewidmet hat, „seiner neuen Mutter von ihrem europäischen Kind“.

Mit seinem Bruder 1946 in die USA ausgewandert

Roman und Leon Kent konnten 1946 in die USA auswandern. Als Schatzmeister der Jewish Claims Conference war Roman Kent ein sehr engagierter Vertreter der jüdischen Überlebenden weltweit. Bei der UNO in New York hat er den 27. Jannuar als internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus eingeführt.

„Roman Kent hat auch zehn Jahre lang unser Indersdorf-Reunion-Projekt wohlwollend begleitet“, beispielsweise habe er 2015 die Verbindung zum UN-Hauptquartier in New York hergestellt, „so dass wir dort zum 70. Jahrestag der UN unsere Indersdorf-Ausstellung zeigen konnten“, so Andlauer.

„Dankbar und wehmütig verabschieden wir uns von Roman Kent“, schreibt Anna Andlauer im Namen der Freundinnen und Freunde des Indersdorfer Reunion-Projekts.  

mm

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