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Erinnerungen an bessere Zeiten: 2019 feierte Josef Siedersberger (vorne mit Frau Conny) noch seinen 75. Geburtstag.

Trauer um Josef Siedersberger – Träger der Indersdorfer Ehrenmedaille ist gestorben

Ein Tausendsassa, der fehlen wird

Trauer um Josef Siedersberger – der Träger der Indersdorfer Ehrenmedaille ist im Alter von 77 Jahren gestorben.

Niederroth – 2019 konnte Josef Siedersberger noch im großen Familien- und Freundeskreis seinen 75. Geburtstag feiern. Jetzt ist er im Alter von 77 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in einem Münchner Krankenhaus gestorben. Seine Frau Conny und sein Sohn Josef durften zwar in den letzten Momenten dabei sein, doch wegen der pandemiebedingten Besuchsbeschränkungen musste Josef Siedersberger seit November viel Zeit allein im Krankenhaus erdulden.

„Mein Mann war ein richtiger Vater. Er hat immer Rat gewusst und gesagt, was am Besten ist. Dieser Mittelpunkt ist nun nicht mehr da“, bedauert seine Frau, Conny Siedersberger, die ihren verstorbenen Mann auch als „Perfektionisten“ bezeichnet – in allen Lebensbereichen. Nicht nur die Familie verband die beiden über Jahrzehnte. Die Theaterbühne in Niederroth war eines ihrer großen gemeinsamen Hobbys, das auch Sohn Josef mit seinen Eltern teilte.

Mit Josef Siedersberger verliert die Gemeinde einen Mann, der sie über Jahrzehnte prägte und mitgestaltete. Er saß 14 Jahre lang im Gemeinderat, sechs davon als zweiter Bürgermeister. „Wir haben sehr gut zusammengearbeitet, es hat total gut gepasst“, erinnert sich Fraktionssprecher Thomas Loderer an die gemeinsame Zeit mit seinem langjährigen Kollegen vom Bürgerblock Niederroth im Gemeinderat. Auch die Gemeindeverwaltung trauert um einen engagierten Mitbürger, dem „für seine herausragenden Leistungen zum Wohle der Marktgemeinde und deren Bürgerinnen und Bürger“ 2016 die Ehrenmedaille des Marktes Markt Indersdorf verliehen wurde. Siedersberger saß in seiner politisch aktiven Zeit auch in unzähligen Ausschüssen. 2010 zwangen ihn einige Erkrankungen, sich aus Politik und öffentlichen Ämtern zurückzuziehen.

2007 hatte Siedersberger die Idee, ein bisschen mehr Schwung in den Volksfesteinzug zu bringen. Denn zur 125-Jahr-Feier zur Markterhebung Indersdorfs sollte es schon mal was Besonderes sein. Denn bis dato bestand dieser aus „zwei bis drei Tischen und 20 Leuten, das war einfach langweilig“, erinnerte sich Siedersberger an seinem 75. Geburtstag. Beim damaligen Bürgermeister Josef Kreitmeir kam der Vorschlag bestens an – eine neue Tradition war geboren. Denn von da an waren die Vereine mit ihren Fahnenabordnungen mit an Bord, die Blaskapellen spielten, es gab einen bunten Volksfestabend – es war einfach Stimmung geboten. Bis 2016 zeichnete Siedersberger sich dafür verantwortlich.

Legendär sind auch seine unzähligen Starkbierreden, die ihn weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt machten. „Bewaffnet mit Harfe und scharfer Zunge“, wie die Dachauer Nachrichten 2009 berichteten, derbleckte Josef Siedersberger als himmlischer Dienstbote Engel Aloisius Politiker, Vereine und machte auch vor der hohen Geistlichkeit keinen Halt. Obwohl er nie ein Blatt vor den Mund nahm, verstand es Siedersberger immer, auf hohem Niveau zu bleiben und trotzdem das Sportheim Niederroth zum Beben zu bringen.

Sein schauspielerisches Talent setzte er auch für die Theatergruppe des SV Niederroth ein. 1977 kam er über den Fußball zum Verein, wurde 1977 gleich zum Vorsitzenden gewählt. Über 35 Jahre lang bescherte er den Theaterfreunden aus nah und fern unvergessliche Theaterabende.

Geboren wurde Josef Siedersberger am 23. November 1944 in Johanniskirchen als viertes Kind. Er wurde von seinen drei Schwestern als „Nesthäkchen“ liebevoll umsorgt. Nach einer Lehre zum Großhandelskaufmann musste er seinen Grundwehrdienst ableisten, verlängerte dann aber freiwillig auf vier Jahre und wurde schließlich zum Hauptfeldwebel befördert.

Als Außendienstmitarbeiter, Sales-Trainer und Planer war Josef Siedersberger auch beruflich erfolgreich. Zeit für Hobbys blieb ihm aber immer – neben dem Theaterspielen fuhr er gerne Ski, spielte Tennis oder war bei den Eisstockschützen aktiv. Mit seinem Porsche nahm er in jüngeren Jahren sogar im Amateurbereich bei Autorennen am Salzburg-Ring teil.

Mit Josef Siedersberger verliert die Gemeinde nicht nur einen engagierten, verdienten und ideenreichen Mitbürger. Seine sympathische, humorvolle und mitreißende Art hat Spuren hinterlassen, die seinen Weggefährten in Erinnerung bleiben werden.

Simone Wester

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