Die Exkursion im Paradies begeisterte Naturschützer, Kommunalpolitiker und Landwirte gleichermaßen.
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Die Exkursion im Paradies begeisterte Naturschützer, Kommunalpolitiker und Landwirte gleichermaßen.

Unter der Obhut des BN Indersdorf blühen auf einer Wiese zahlreiche Pflanzenarten

Exkursion ins Paradies

  • vonJosef Ostermair
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Wer wird schon eine Einladung ins Paradies ausschlagen, dachten sich Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser und sein Stellvertreter Peter Keller, als ihnen eine Einladung der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Indersdorf ins Haus flatterte. Es handelte sich allerdings nicht um einen Treff in der Vorstufe des Himmels.

VON JOSEF OSTERMAIR

Indersdorf - Mit „Paradies“ ist ein Flurstück im Kataster eingetragen. Diese Wiese im Langenpettenbach-Tal (nahe Wildmoos) wurde vor gut 30 Jahren von der Marktgemeinde (Grundstücksbesitzer) in die Obhut der BN-Ortsgruppe Indersdorf gegeben. Da in dieser langen Zeit vollständig auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel verzichtet wurde, war es an der Zeit, vor Ort Bilanz zu ziehen und festzustellen, wie sich der Pflanzenbestand und die verschiedenen Pflanzarten entwickelt haben. Neben den Gemeindechefs und Florian Conrad vom Umweltausschuss des Gemeinderats sowie der Kräuterheilkundlerin Veronika Kürzinger interessierte das vor allem die Landespflegerin Inge Steidl, die aus Freising angereist kam.

Der BN-Ortsvorsitzende Martin Heimerl begrüßte das rege Interesse am „Paradies“. Der frühere Freie-Wähler-Gemeinderat Manfred Pohl, der beruflich viel mit ökologischer Landschaftspflege zu tun hatte, führte in die eineinhalbstündige Exkursion ein. Leitgedanke bei der Gründung der BN-Ortsgruppe im Jahre 1987 sei nach Pohls Worten die Schaffung von Lebensräumen für wichtige Pflanzen und Wildtiere gewesen, „denn es bestand damals schon die Gefahr, dass diese nach und nach verschwinden. Neben dem Verlust durch Baumaßnahmen war auch die intensive Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen eine Gefahr für die stetige Abnahme angestammter Habitate. Durch die Spezialisierung und das Verlegen auf Schwerpunkte in der landwirtschaftlichen Produktion wurde Grünland immer weniger benötigt beziehungsweise in Ackerland umgewidmet“, gab Pohl zu verstehen.

So sei es für den BN, dem auch Pohl angehört, wichtig gewesen, passende Flächen in die öffentliche Hand zu bringen. Voraussetzung zur Umsetzung der Ziele sei es gewesen, eine Fläche zu finden, um Beobachtungen über einen längeren Zeitraum machen zu können und Erfahrungen über das Wachstum der gewünschten Pflanzen zu sammeln. Kriterien für eine solche Fläche waren, dass sie schwer zu bewirtschaften ist sowie eine ungünstige Lage und einen eher kleinen Umgriff haben. So sei man schließlich im Paradies fündig geworden. „Wir waren uns einig, dass wir ohne großen Aufwand für die Zukunft einen Beitrag leisten können, zum Schutz von Umwelt und Natur sowie zur Förderung der Artenvielfalt, von der damals noch kaum gesprochen wurde“, unterstrich Pohl und fügte seinen Worten hinzu: „Ein wichtiger Gesichtspunkt war uns auch, dass wir durch den gewünschten Schutz der Fläche diese weiter in landwirtschaftlicher Nutzung halten wollen.“

Beim damaligen Bürgermeister Josef Kaspar sei man auf offene Türen gestoßen, so dass der Umsetzung des Vorhabens nichts mehr im Wege stand. Wichtig sei bei solchen Projekten immer, einen verlässlichen Partner zu haben, meinte Pohl. Lange Zeit bewirtschaftete ein Pferdehalter die Fläche, und seit rund zwölf Jahren macht das der Landwirt Claus Meier, so dass man im Paradies nach wie vor die Veränderung des Pflanzenspektrums miterleben kann.

1990 pflanzte man auch noch auf der nördlichen Längsseite entlang des Grabens eine schmale Hecke. Neben all den positiven Aspekten in Sachen Pflanzen sei festzustellen, dass sich auch das Wild gerne im Paradies aufhält, was übrigens auch Bürgermeister Obesser bestätigen konnte, der passionierter Jäger ist. Zusammen mit der fast angrenzenden Fläche des „Gredinger Weihers“ und weiter zum Langenpettenbach könne man hier von einem Trittstein, beziehungsweise Verbindungsbiotop sprechen, so Obesser. Auch der Bürgermeister blickte zurück und stellte fest: „Dass Bund Naturschutz, Landwirtschaft und Kommune schon vor 30 Jahren Hand in Hand gearbeitet haben, erlebt man leider nicht oft.“

Inge Steidl zeigte sich sehr beeindruckt von diesem Stück artenreichem Grünland und bedauerte, dass in der modernen Landwirtschaft jährlich bis zu fünfmal gemäht werde und so den Blütenpflanzen keine Chance zum Überleben gegeben werde. Daher sei der BN schon seit 2009 bemüht, Bauernwiesen zu erhalten, was in den Bayerischen Wiesenmeisterschaften zum Ausdruck komme. „Das ist kein Blumenzählwettbewerb, hier geht es auch um die Gesundheit des Grünfutters für die Tiere“, so Steidl. Kürzlich vorgenommene Untersuchungen im Paradies hätten ergeben, dass hier 40 (!) verschiedene Pflanzen beheimatet seien. Das reiche von gewöhnlicher Schafgarbe und Giersch bis hin zum Erdbeer-Fingerkraut und der kleinen Brunelle. Auch vier verschiedene Kleearten waren zu finden.

Bei einer Spatenprobe im Rahmen der Exkursion stellte sich heraus, dass der Boden aus reinem Lehm und ganz wenig Humus besteht, und das punktuelle Aufbringen von Mist sogar zu noch mehr Artenvielfalt beitragen könnte. So überlegt man, durch Untersaat dieses Kleinod an Natur weiter aufzuwerten.

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