Faschingsumzug Indersdorf

Tausende lieben den Gaudiwurm

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Der Indersdorfer Umzug ist ein Muss im Kalender der Faschingsfans aus dem Landkreis und darüber hinaus. Rund 17 000 Menschen standen heuer an den Straßenrändern und begutachteten die Wagen und Fußgruppen.

Indersdorf – Überschattet wurde der Faschingssonntag in Indersdorf von einem schweren Sturz. Kurz nach 16 Uhr, als der Zug bereits beendet wurde und die Wagen in der Freisinger Straße geleert wurden, stürzte ein 21-jähriger junger Mann von einem der Faschingswagen. Er ist mittlerweile gottseidank außer Lebensgefahr.

Indersdorfer Gaudiwurm: 17.000 sorgen für Stimmung - Die Bilder

„Ungefähr 2500 Leute fahren auf den Wagen mit“, sagte Willi Heilmann vom Indersdorfer Faschingskomitee, bevor am Sonntag der Umzug startete. Eine Schätzung, denn bei der Anmeldung mussten die Teilnehmer angeben, wie viele Menschen auf ihren Wagen mitfahren. „Insgesamt werden es immer mehr Leute auf den Wagen“, sagt Pressesprecher Johannes Böller. Die größten Wagen auf dem Umzug hatten zum Beispiel die Burschen Niederroth mit rund 200 angemeldeten Personen und die Burschen Pasenbach mit 150 Personen. Aber: „Natürlich hatten wir schon einen längeren Zug“, sagt Johannes Böller. Vor rund zehn Jahren waren noch etwa 70 Wagen und Fußgruppen angemeldet. Weniger Teilnehmer sind es deshalb aber nicht unbedingt. Der Trend gehe eben dazu, dass mehr Leute auf den Wagen mitfahren.

Das Motto bei den meisten Wagenbauern lautet deshalb: Höher, breiter, lauter. Hunderte Arbeitsstunden investieren sie, um mit den anderen mithalten zu können. Doch nicht alles ist erlaubt: Vor dem Umzug mussten die Wagen am Kreisverkehr vor der Maroldstraße durch eine Kontrolle von Polizei und Sicherheitskräften: Die maximale Lautstärke der Musik war auf 90 Dezibel begrenzt: Das entspricht etwa Maschinengeräuschen, bei denen man sich nicht mehr unterhalten kann.

Viele Kinder standen an den Straßenrändern auf dem Weg des Indersdorfer Gaudiwurms vorbei am Krankenhaus, Augustiner-Chorherren-Museum und Volksfestplatz bis hin zum Marktplatz. Der Faschingszug zieht Alt und Jung an. Am Pflegeheim an der Maroldstraße saßen Seniorinnen mit Federschals und Zylinderhütchen. Sie klatschten, winkten den Verkleideten zu und hatten ein Lächeln auf den Lippen. Den Senioren soll der Erlös des Umzugs, wie auch in den vergangenen Jahren wieder zugutekommen. Sie dürfen sich einen schönen Nachmittag auf dem Indersdorfer Volksfest machen.

Nur wenige Meter von ihnen entfernt standen die Maisbrunner Faschingsnarren mit ihrer mobilen Entkeimungsanlage. Sie prangerten die Hygienezustände im Dachauer Krankenhaus an: „Dreck, Keime und fehlendes Personal. Diese Probleme sind fatal. Bevor der Patient liegt hilflos stationär, holt unsere Entkeimungsanlage her“, stand auf dem Kartonhäuschen. Auch der Partybus Biechlhof griff ein aktuelles Thema auf, mit einer Polizeikampagne. Auf ihrem Wagen mit Polizeikopf auf dem Dach stand „Verstärkung gebraucht, weil uns der Kopf schon raucht“. Auch der Burschenverein Oberschweinbach setzte ein klares Zeichen: Sie bauten ein Atomkraftwerk nach und schrieben auf ihren Wagen: „Atomkraft. Nein danke“. Insgesamt griffen die Faschingsgruppen aber weniger politische Themen auf, sondern erinnerten sich zurück an die Kindheit, wie die Dorfgaudi Biberbach mit dem Thema „Glücksbärchis“, die Faschingsgemeinschaft Kollbach-Vierkirchen mit „Winnie Pooh und seine Freunde“ oder die Maibaumfreunde Giggenhausen mit „Jim Knopf“. Sie bauten ihren Faschingswagen als drei Meter hohe Dampflok, bei der sie oben und an der Seite herausschauen konnten.

Zudem waren viele der Umzugsteilnehmer als Tiere verkleidet. Einer der größten Wagen war auch heuer vom Burschenverein Niederroth mit dem Thema „Tierpark Niederroth“. Sogar Käfiggitterstäbe an einem Seitenteil des Wagens trennten die Mitfahrer von den Zuschauern. Affen, Löwen und Pandas schauten hindurch. Tierisch wurde es auch bei den Burschen Pasenbach mit dem Thema „König der Löwen“ und den Klosterschützen Indersdorf alias „Die Drachenschützer von Indersdorf“, die mit einem selbstgebastelten Drachen vorfuhren. Doch wo gefeiert wird, bleibt auch Müll. Von den Faschingswägen flogen unter anderem viele Bonbons für die kleinen Maschkera. Doch ein Großteil der Guttis ist auf der Straße gelandet und wurde von Autos zusammengepresst.

Für das Faschingskomitee, den Bauhof, Ständebetreiber und die Freiwilligen Helfer gab es am Tag nach dem Umzug deshalb viel zu tun. „Heute wird erst einmal aufgeräumt“, sagte Johannes Böller gestern.

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