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Das allererste Volksfest für die Lanzls: das Blütenfest in Gerolsbach.

60 Jahre Gastronomie Lanzl

Einmal gab’s eine Polizei-Eskorte fürs Bier

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Wer in einer Festwirtsfamilie groß wird, die seit 60 Jahren im Geschäft ist, kann einiges erzählen. Wie einmal das Bier ausging, zum Beispiel. Oder warum Festwirtin sein der schönste Beruf ist. Michaela Kemper weiß, wie es für die Frauen in der Lanzl-Familie ist, sich in einer Männerwelt zu behaupten.

Indersdorf – Einmal. Daran kann sich Michaela Kemper aus Erzählungen erinnern, einmal ist tatsächlich das Bier an einem Volksfest ausgegangen. Auf dem Barthelmarkt in Oberstimm. Das Bierauto steckte im Stau, die Gäste im Zelt saßen auf dem Trockenen, die Stimmung: schwierig. Die Brauerei rief in ihrer Not die Polizei, und die: eskortierte mit Blaulicht voran das Bierauto zum Festzelt. Das ist nur eine von vielen Geschichten, die Michaela Kemper erzählen kann. Auch wenn das lange vor ihrer Zeit war. Das Familienunternehmen Lanzl gibt es seit rund 60 Jahren, heute führt es Kemper als jüngste Tochter.

Vater Georg Lanzl erfüllte sich 1956 einen Traum. Der Gastwirt und Metzgermeister aus Schrobenhausen gründete zusammen mit seiner Ehefrau Anna Lanzl den Festzeltbetrieb. Sein erstes Volksfest war das Blütenfest in Gerolsbach. Doch bereits 1973 starb der Festwirt. Seine Frau Anna übernahm. Alles andere als leicht als Frau in der damaligen Zeit. „Das war ein reines, hartes Männerbusiness“, sagt Kemper. „Meine Mutter hat das Unternehmen als Frau durch schwierige und turbulente Zeiten geführt. Sie war die einzige Frau als Festwirtin – also richtige Festwirtin, die ein Unternehmen führt.“ Damals war es alles andere als selbstverständlich, dass Frauen ein Geschäft führen – das hat man ihr schon bei der ein oder anderen Gelegenheit zu verstehen gegeben: „Sie sind ja nur eine Frau, ohne Ehemann, mit drei Kindern an der Seite – das trauen Sie sich doch nicht wirklich zu?“

Doch Anna Lanzl blieb immer stark, kämpfte und setzte sich durch, wo es nötig war. Sie belehrte alle Zweifler eines besseren. Diese Stärke gab sie an ihre Kinder weiter, gerade an die Töchter. Später übernahmen die Kinder Marianne und Georg das Geschäft, seit 2013 steht Tochter Michaela an der Spitze des Unternehmens. Ihre Mutter konnte leider nicht mehr miterleben, wie ihre Jüngste in ihre Fußstapfen trat – Anna Lanzl starb 2007.

Ihre Liebe für den Festzeltbetrieb aber lebt in ihren Kindern weiter. „Ohne eine ganz große Leidenschaft ginge das auch nicht,“ betont Michaela Kemper. Doch ihr geht es weder um die Liebe zur Tracht, zu bayerischer Schmankerlküche und zur Blasmusik schon gar nicht. Es geht um etwas ganz anderes: „Ich liebe es, anderen Menschen eine Freude zu machen. Das ist das Schönste an unserem Beruf.“ Da ist es egal, ob es am Kinder- oder Seniorennnachmittag ist – „es ist einfach schön, wenn die Leute glücklich sind.“.

Auch wenn Anna Lanzl das große Vorbild ihrer Tochter ist. Sie war eine andere Art Festwirtin: Sie „hat sich um alle gekümmert, sich überall hingesetzt, geratscht“, erzählt Michaela Kemper. Heute ist das Business ein hartes, „das Unternehmen wird jetzt mehr vom Schreibtisch aus geführt“. Unterstützung hat sie dabei von ihrer Schwester Marianne Lanzl-Koch. Das Verhandlungsgeschick haben die Schwestern von ihrer Mutter geerbt. „Auch wenn meine Schwester eher im Hintergrund agiert – bei Verhandlungen treten wir zu zweit auf. Sie ist noch taffer wie ich“, sagt Michaela Kemper und lacht.

Wer sich mit Michaela Kemper unterhält, merkt: Der Frau macht nichts Angst: „Eigentlich kann mich nichts aus der Ruhe bringen, Panik zu machen, hilft ja keinem. Als Chefin muss man ruhig bleiben.“ Ganz egal, ob der Grill für die Hendl ausfällt (auch schon passiert), oder das Bier ausgeht. „Da muss man einfach auf die Bühne gehen und ehrlich zu den Gästen sein.“ Und hoffen, dass sie Verständnis zeigen. Auch wenn alle Technik versagt. Notbeleuchtung über Notgeneratoren sollte es immer geben.

Wer 60 Jahre im Geschäft ist, weiß, wie man auf die Wünsche seiner Gäste eingeht. Tradition und Moderne muss man verbinden, erklärt Kemper – das zeigt ein Blick auf die Speisekarte. Da stehen Brathendl, aber auch ein Beefburger drauf. Oder dass man immer neue Ideen ausprobieren muss – wie heuer das Weißbierkarussell in Indersdorf. „Ohne mein Team ginge das alles nicht“, betont Kemper. „Das Unternehmen ist keine One-Woman-Show.“

Kommendes Jahr sind die Lanzls zum 50. Mal in Indersdorf. Deshalb kennt Kemper die Gewohnheiten hier. Etwas, was sich auch in einem halben Jahrhundert nicht verändert hat: Die Indersdorfer schätzen qualitativ gutes Essen, und gutes Bier.

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