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Indersdorf bekommt einen Kunstrasenplatz: Fußballertraum wird nach sechs Jahren wahr

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Von: Christiane Breitenberger

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Sind super glücklich: Die jungen Indersdorfer Fußballer freuen sich, dass dem Projekt Kunstrasenplatz jetzt nichts mehr im Weg steht.
Sind super glücklich: Die jungen Indersdorfer Fußballer freuen sich, dass dem Projekt Kunstrasenplatz jetzt nichts mehr im Weg steht. © fischer

Nach sechs Jahren können sich die Jungen von Indersorf endlich über ein Kunstrasenplatz freuen. Damit geht ein Traum für die jungen Burschen in Erfüllung.

Indersdorf – Noch vor sechs Jahren gingen viele Fußballer geknickt aus einer Gemeinderatssitzung. Ihr Zukunftsprojekt, ein Kunstrasenplatz, war mit zehn zu zehn Stimmen begraben worden. Nach der jüngsten Sitzung sieht die Lage jetzt völlig anders aus. Die Fußballer können jubeln.

Viele junge Fußballer stehen am Sportplatz in Indersdorf, reißen die Arme hoch, jubeln. Zwei Schilder stehen vor ihnen auf dem Boden, auf einem steht in Großbuchstaben nur ein Wort: DANKE.

Der Grund: In der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend hat die Mehrheit der Kommunalpolitiker (17:8) einen Zuschuss für einen Kunstrasenplatz für die Fußballer bewilligt (wir berichteten). Er soll auf dem hinteren Trainingsplatz entstehen.

Die Geschichte über das Kunstrasenprojekt in Indersdorf ist lang. Bereits seit sechs Jahren kämpft der TSV für einen entsprechenden Platz auf seinem Gelände, stellte damals nach zig Infoveranstaltungen, Besprechungen und Ortsterminen einen Antrag bei der Gemeinde auf einen Zuschuss. Ohne Erfolg. Mit zehn zu zehn Stimmen wurde der Antrag damals abgelehnt. Nach dieser Sitzung im November im Jahr 2015 war auf der Facebook-Seite „Kunstrasen für Markt Indersdorf“ zu lesen: „Ein rabenschwarzer Tag für den TSV Markt Indersdorf und für die TaF-Glonntal. Aber vor allem ein trauriger Tag für die Kinder und Jugendlichen, die im Vereinssport in Markt Indersdorf organisiert sind.“

Jetzt, sechs Jahre später, ist die Stimmung in Fußballer-Kreisen gelöst. TaF-Vorsitzender Sigi Frost sagte nach der Sitzung im Namen des Planungsteams: „Wir sind überaus glücklich, dass uns die politisch Verantwortlichen diesen Rückenwind für so viele Sportler und unsere Ehrenamtlichen geben. Herausragend war die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Bürgermeister Obesser und das Verständnis und aktive Fürsprache vieler Gemeinderäte. Danke dafür.“ Die Fußballabteilung des TSV zählt derzeit 487 Mitglieder, davon sind 229 Kinder und Jugendliche.

Noch vor sechs Jahren hätten sich die Fußballer von Franz Obesser eine klare Positionierung für oder gegen das Projekt gewünscht – doch in der jetzigen Sitzung sah die Sache völlig anders aus: Noch bevor es in die Diskussion ging, sprach sich Obesser klar für den Kunstrasenplatz aus. Er zollte den TSV-Verantwortlichen Respekt und Dank, „für die vielen Infoveranstaltungen, Präsentationen und Sitzungen im Rathaus“, die Vorbereitungsarbeit sei höchst professionell gewesen. Mehr Kapazitäten zum Trainieren in den nassen und kalten Monaten, eine Erleichterung und Wertschätzung für Trainer und Funktionäre: in Obessers Augen alles wichtige Punkte. Er betonte: „Ja, wir haben viel vor und das ist viel Geld, aber das sollte man unterbringen!“ Bereits die Beschlussvorlage war nicht offen formuliert – die Verwaltung und Bürgermeister positionierten sich darin klar für das Projekt. Drin stand: „Der Marktgemeinderat nimmt den Antrag des TSV-Indersdorf zur Kenntnis und stimmt diesem zu.“

Die Debatte, die in der Sitzung geführt wurde, war eine Emotionale: Auf Seiten der Befürworter gab es leidenschaftliche Plädoyers fürs Ehrenamt. Helmut Ebert (Freie Wähler) etwa betonte: „Der Platz ist eine Motivation für Trainer und Spieler.“ Er plädierte dafür, ein „Zeichen zu setzen“. Jede Investition in Vereine und Organisation mit Jugendarbeit sei „richtig.“ Er betonte: „Wenn wir darauf warten, bis wir keine wichtigen Aufgaben haben, bis wir Vereine unterstützen, dann machen wir’s nie!“

Hans Wessner liegt der Jugend sehr am Herzen

Hans Wessner (UWD) betonte – wie schon vor sechs Jahren – wie wichtig ihm es sei, das Geld für die Jugend und die Engagierten zu investieren. „Wir müssen’s eigentlich machen. Für die Ehrenamtlichen, die sich einbringen für die Zukunft unserer Gemeinde.“ Auch das sei für ihn eine Art von Pflichtaufgabe. Olaf Schellenberger (CSU) ging sogar so weit zu sagen: „Wo wollen wir als Indersdorf hin? Wollen wir eine moderne Gemeinde sein, eine, die ihren Vereinen hilft, oder sind wir hasenfüßig und trauen uns nichts?“

Das ärgerte vor allem Fraktionskollege Simon Reichlmair, der den Zuschuss ablehnte. „Jemandem, der dagegen stimmt, Hasenfüßigkeit vorzuwerfen, hat eine neue Qualität in so einem Gremium.“ Er hofft, dass der TSV „nicht jeden, der mit nein stimmt, so wertet, dass er das Ehrenamt nicht würdigt“.

Wie wichtig ein Kunstrasenplatz für viele Sportler beim TSV ist, erläuterte SPD-Mann Hubert Böck, wie schon vor sechs Jahren. Davon profitierten nicht nur die Fußballer. Der zusätzliche Platz schaffe für andere Sportler die dringend benötigten Kapazitäten in der Halle. „Was mir wichtig ist: Die Gemeinde und der TSV schaffen so zusätzliche Kapazitäten für Jugendarbeit.“

Bereits vor sechs Jahren wurde, neben der Summe, immer wieder ein Kritikpunkt diskutiert: Der Platz liegt im Hochwassergebiet. Doch Daten aus Studien, die Erfahrungen anderer Gemeinden sowie ein Okay des Wasserwirtschaftsamts reichten Böck und 16 anderen Kommunalpolitikern, das Projekt zu unterstützen. Nicht so Andreas Geier und seiner Fraktion Bürgerblock Niederroth. „Einen Kunstrasenplatz ins Hochwassergebiet zu bauen, ist ein Schildbürgerstreich!“ Zudem „appellieren ich an die Räte, die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinde nicht aufs Spiel zu setzen“. Für das Projekt seien – Stand heute – 1,155 Millionen Euro veranschlagt, der Zuschussantrag umfasst 750 000 Euro.

Hans Lachner (CSU), der vor sechs Jahren noch sagte, er wolle den Antrag nicht vor 2020 noch mal sehen“, hat mittlerweile seine Meinung geändert und unterstützt das Projekt. Er stellte Geier entgegen: „Wenn für eine Gemeinde wie Indersdorf keine 350 000 Euro mehr drin sind, haben wir ein anderes Problem. Das sind für mich keine Zahlen.“

Die Grünen wollten den Kunstrasenplatz aus umwelttechnischer Sicht nicht unterstützen, „da das Problem mit dem Mikroplastik noch nicht geklärt ist“, wie Axel Noack erklärte. Auch Peter Keller (Freie Wähler) blieb, wie vor sechs Jahren, bei seiner Nein-Stimme.

Das Geld soll in die kommenden beiden Haushalte eingestellt werden (18:7 Stimmen). Sollten sich massive Kostensteigerungen ergeben, landet das Thema wieder im Gemeinderat.

Sigi Frost und die anderen Vertreter des TSV waren nach der Sitzung erleichtert. Frost ist sich sicher: „So ein Platz ist ein unglaublicher Motivationskick für alle – aber vor allem für die Jugend!“

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