Will das alte Gasthaus abreißen und eine Frühstückspension errichten: Hans Doll.
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Will das alte Gasthaus abreißen und eine Frühstückspension errichten: Hans Doll möchte seinen Familienbetrieb in Ried erweitern, den Sohn Markus später übernehmen will.

Gastwirtfamilie in Ried kämpft mit der Bürokratie

Gasthaus Doll: Große Pläne, hohe Hürden

  • vonChristiane Breitenberger
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Es gehört zu den ältesten Wirtschaften im Landkreis Dachau: das Gasthaus Doll in Ried. Hier treffen sich viele Vereine, Stammtische und Familien zum Essen. Oft finden Hochzeiten und Landkreisveranstaltungen statt. Die gute Nachricht ist: Hans Dolls Sohn will den Familienbetrieb weiterführen und erweitern. Die schlechte: Einfach wird das nicht. Das Baurecht verkompliziert die Pläne.

Indersdorf – Hans Doll sieht seit Jahren, wie immer mehr bayerische Wirtschaften verschwinden. Es ist kein leichtes, das Wirtsleben. „Entweder bist du dafür geboren, oder eben nicht“, sagt Doll. Für ihn gilt Ersteres. Wer ihn schon mal abends nach der letzten Runde am Tisch mit irgendeinem Stammtisch scherzen gehört hat, sieht das. „Wir sind seit Generationen hier und versuchen immer etwas aus unserem Betrieb zu machen“, betont er. Auch jetzt will er diesen erweitern – für seinen Sohn Markus. Doch das ist nicht so einfach – die Krux ist das Baurecht im Außenbereich.

1875 hat der Uropa den Familienbetrieb gegründet

Der 59-Jährige ist stolz auf die Geschichte seines Familienbetriebs. 1875 hat sein Uropa in Ried – mitten im Nirgendwo, wenn man so will –ein kleines Gasthaus aufgebaut. Damals lief noch die alte Poststrecke von Röhrmoos nach Altomünster bei den Dolls vorbei – ein guter Rastplatz. Eigentlich hatte die Familie hier eine Landwirtschaft. 100 Jahre später bauen die Dolls auf ihrem Areal das jetzige Gasthaus. Hans Doll übernahm den Betrieb dann von seinem Vater.

Er liebt es, Wirt zu sein. „Entweder bist du das mit Leib und Seele, oder du musst es lassen. Für mich sind die Gäste Freunde, Familie“, sagt er. Damit sein Familienbetrieb attraktiv und wettbewerbsfähig bleibt, investierte er immer wieder ins Gasthaus. 2018 lässt er die Gästezimmer renovieren, 2002 wird der große Festsaal gebaut, 2004 die Landwirtschaft verpachtet.

Vor einigen Jahren beschließt Sohn Markus (22), der eigentlich bereits eine Banklehre hinter sich hat, dass er den Betrieb später übernehmen will. „Das wünscht man sich, wenn man etwas aufbaut, dass jemand daheim ist, der das weiterführt“, erklärt Vater Hans.

Die beiden schmieden Pläne, sprechen über Zukunftsfähigkeit. Die Idee: Im früheren Gasthaus, in dem zuletzt die Ortsgruppe der Wasserwacht zu Hause war, soll eine Frühstückspension entstehen, optimal zum Beispiel für Hochzeitsgäste. Das Gebäude ist zu alt: ein Neubau muss her. „Wir wollten dort etwas Sinnvolles machen, das Zukunft hat“, erklärt Doll.

Ausweisung als Sondergebiet die Lösung?

Die Pläne für einen gleich großen Bau wie das jetzige Haus wurden genehmigt – von Gemeinde und Landratsamt. Doch in der Zwischenzeit stellten die Dolls bei der Planung fest: Damit die geplanten 18 Zimmer eine Größe haben, „in der man sich auch wohlfühlt und nicht eingesperrt“, wie es Doll formuliert, müsste das neue Gebäude rund zwei Meter breiter und 1,70 Meter höher als das jetzige werden. Und genau das ist nach dem Baurecht nicht möglich. Denn: Das Areal liegt im Außenbereich, eine Privilegierung, wie bei landwirtschaftlichen Bauvorhaben, gibt es hier nicht. Mehrere Gespräche mit dem Landratsamt zeigten: Das gewährte Baurecht liege an der Obergrenze.

Die einzige Lösung für das Problem stellte Indersdorfs Bauamtsleiter Erich Weisser jetzt im Gemeinderat vor. „Das Gebiet müsste als so genanntes Sondergebiet ausgewiesen werden“. Also: Zuerst müsste das Gebiet mit einem Bebauungsplan überplant, gleichzeitig der Flächennutzungsplan geändert werden. Das kostet viel Zeit – und die Familie Doll viel Geld.

Doch: Selbst wenn die Behörden das etwas größere Haus gestatten würden, wäre den Dolls nicht wirklich geholfen. Denn: „Wenn mein Sohn mal eine eigene Familie hat und in unser Haus zieht, würde ich hier gerne für mich und meine Frau einen kleinen Bungalow bauen.“ Doll will im Betrieb mithelfen, solange er kann. Und hier ergebe sich dann wieder die Problematik mit dem Bauen im Außenbereich.

Mehrere Gespräche im Landratsamt

Dolls Wunsch, weiter auf dem Gelände seiner Familie wohnen zu wollen, stieß nicht überall auf volles Verständnis. Vom Landratsamt hieß es laut Doll: „Ich könnte uns ja auch eine Wohnung in Indersdorf suchen – aber wer schon mal in einer Familiengastronomie gearbeitet hat, weiß: Das ist utopisch!“. Wenn kurzfristig viel los ist, packen immer alle mit an, für schnelle Absprachen und Koordinierungen „ muss man vor Ort sein und nicht irgendwo anders“, erklärt der jahrzehntelange Gastronom.

Das Landratsamt erklärt, dass der dargelegte Bedarf grundsätzlich nachvollziehbar sei, die Behörde aber eben „nur bestehendes Baurecht gewähren kann. Der maximal mögliche Umfang wurde in mehreren Gesprächen mit dem Bauherrn erörtert, wobei insbesondere das zusätzlich gewünschte Wohnhaus im baurechtlichen Außenbereich so nicht genehmigungsfähig ist“.

Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser erklärte in der Sitzung: „Das Landratsamt hat schon versucht, der Familie entgegenzukommen, aber konnte eben nicht weiter.“

Hans Doll ist nicht wütend auf die Behörde, er sieht einfach generell Probleme, wie im Außenbereich mit dem bestehenden Recht zukunftsfähig entwickelt werden soll – sofern es nicht um Landwirtschaft geht. Immer überall ein Sondergebiet ausweisen zu müssen, sei ja keine Lösung. „Ich versteh die Beamten natürlich auch“, sagt Doll. „Die machen ja auch bloß ihren Job und halten sich nur an ihre Vorschriften.“ Trotzdem wäre es „nötig, hier rechtlich etwas zu verändern“. Wenn man Betrieben keine Chance gibt, „dass wir uns entwickeln können, dann sind wir irgendwann weg. Und dann schreibt jeder, dass es keine Wirtschaften mehr gibt, dass man Bürgerhäuser bauen muss und dass man für die dann keinen Wirt findet.“

Doll geht es nicht darum, dass er „wunder weiß was bauen will. Eben nur so, dass es auch wirtschaftlich ist“. Schließlich investiere er ja auch so 1,5 bis zwei Millionen. Geht es nach den Indersdorfer Gemeinderäten und der Verwaltung, steht der Überplanung nichts im Weg. Einstimmig sprachen sie sich für die Planungen und Änderungen aus (siehe Kasten).

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