Gemeinde braucht Kredit für Investitionen

Markt Indersdorf verschuldet sich weiter

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Das Indersdorfer Haushaltsvolumen hat sich erneut aufgebläht – zudem plant die Gemeinde einen Kredit in Höhe von 1,6 Millionen Euro aufzunehmen.

Dazu sagte der Kämmerer der Gemeinde, Thomas Koch: „Man sollte Investitionsvorhaben nicht so lange verschieben, dass die nächste Generation vor unlösbaren Aufgaben steht.“ Er stellte im Gemeinderat seine letzte Haushaltsplanung vor (wir berichteten), die Gemeinderäte berieten bereits im Dezember nichtöffentlich darüber. Doch bei der finalen Haushaltvorstellung regten sich auch kritische Stimmen unter den Räten.

Sogar Bürgermeister Franz Obesser sah ein wenig schwarz für die finanzielle Zukunft der Gemeinde und klagte: „Für mich sind es schon Sorgenwolken, die da daherkommen.“ Derzeit sei es nicht nur schwierig, bezahlbare Baufirmen zu finden, auch die globale Wirtschaftssituation macht ihm Sorgen: der Brexit, die Dieselaffäre, Zollkonflikte. Außerdem ärgere ihn der Freistaat, zum Beispiel bei Straßensanierungen: Rund 800 000 Euro plant die Gemeinde jeweils ein, um die Gemeindestraße im Eisfeld und die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Niederroth und Weyhern zu sanieren: „Aber vom Freistaat bekommen wir nur ein paar 10 000 Euro!“ Ähnlich kritisch sieht er die Kreisumlage – heuer muss die Gemeinde rund 5,4 Millionen an den Landkreis zahlen: „Vor fünf Jahren waren es noch 3,96 Millionen Euro.“   

Koch zählte die größten Ausgaben im Haushalt 2019 auf: Viel Geld fließt mit 3,3 Millionen Euro zum Beispiel in das Bau- und Wohnungswesen am Marktplatz, für 1,1 Millionen Euro erwirbt die Gemeinde Grundstücke, zum Beispiel im zukünftigen Baugebiet Am Wirtsanger in Eichhofen, im Gebiet Wasserturmweg in Indersdorf und in Niederroth am Eichenweg: „Diese Grundstücke wird der Markt zukünftig im Einheimischen- Modell veräußern.“

Für 2,8 Millionen Euro baut Indersdorf Straßen aus und beteiligt sich zum Beispiel an den Kosten für die Ortsdurchfahrt Langenpettenbach. Auch im Bereich Kanalsanierung und Kläranlagen gibt es einiges zu tun – 2,2 Millionen Euro sind dafür eingeplant. Denn die Kläranlage Arnbach soll ja an die Indersdorfer Anlage angeschlossen werden, außerdem müssen die Anlagen in Ainhofen und Niederroth saniert werden.  Für ein WC im Schneiderturm und Baumaßnahmen an den Friedhöfen werden 193 000 Euro eingestellt. Die Feuerwehren Indersdorf und Niederroth bekommen 275 000 Euro.

Schließlich hatten die Gemeinderäte das Wort. Andreas Geier vom Bürgerblock Niederroth kritisierte: „Für das Lehrerhaus hatten wir doch vereinbart, 50 000 Euro einzustellen“, jetzt seien aber nur mehr 20 000 eingeplant: „Das haben wir anders beschlossen!“ Bürgermeister Obesser verteidigte die Entscheidung: „Wir müssen doch erst mal überlegen, wie und was da gemacht wird, und uns fragen: Wollen wir ein neues Haus bauen?“ Der Rat entschied mehrheitlich, es bei den 20 000 Euro zu belassen.

Beim Stichwort Niederroth stieg auch dritter Bürgermeister Hans Lachner (CSU) in die Diskussion ein und kritisierte die Kostensteigerung für das bereits fertige Feuerwehrhaus: „Da haben wir 800 000 Euro eingeplant und dann waren es 1,4 Millionen Euro – das verstehe ich nicht!“ Obesser beschwichtigte: „Wir wollen da jetzt keine Generaldebatte.“ Schließlich segnete der Rat den Haushalt ab. Im Laufe des Jahres wird sich zeigen, ob die Gemeinde den Kredit aufnehmen muss – je nachdem wie schnell die beschlossenen Projekte umgesetzt werden. 

Der Haushalt in Zahlen

Derzeit liegt der Schuldenstand der Gemeinde Markt Indersdorf bei 8,22 Millionen Euro, ein Großteil davon liegt im Breitbandausbau mit 7,6 Millionen Euro begründet. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt gegen Ende 2019 bei 898 Euro. Zum Gesamthaushalt 2019: Er beträgt 30,3 Millionen und steigt damit um 1,9 Millionen Euro im Gegensatz zum Vorjahr (28,4 Mio.). Verwaltungshaushalt: 20,4 Millionen Euro (VJ: 19,2 Millionen).

Vermögenshaushalt: 9,9 Millionen Euro (VJ: 9,2 Millionen). Die größten Einnahmen: Grundsteuer B 1,05 Millionen Euro, Gewerbesteuer 3 Millionen Euro, Einkommenssteuer 7,95 Millionen Euro, Schlüsselzuweisungen 400 000 Euro, allgemeine Zuweisungen 950 000 Euro, Kanalgebühren 1,4 Millionen Euro, Friedhofsgebühren 50 000 Euro, Mieten und Pachten 121 600 Euro sowie Zuschüsse vom Freistaat 1,8 Millionen Euro.

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