Haus für Kinder
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Auch im Haus der Kinder müssen die Eltern mehr Kitagebühren zahlen.

Das Defizit wird immer größer

Gemeinde erhöht Kitagebühren

  • vonChristiane Breitenberger
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Eltern, die ihre Kinder zum Beispiel im Haus der Kinder oder in der Kita in Niederroth betreuen lassen, müssen künftig mehr ausgeben. Die Gemeinderäte haben beschlossen, die Gebühren für die gemeindlichen Kindertagesstätten zu erhöhen.

Indersdorf – 1,6 Millionen Euro. So viel musste die Gemeinde Indersdorf 2019 für ihre Kindertagesstätten ausgeben – nachdem alle Einnahmen verrechnet waren. Kämmerer Philipp Blumenschein ordnete in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats am vergangenen Mittwoch die Situation ein.

Zusammengefasst aus Blumenscheins Sicht: Die Ausgaben für den Kita-Betrieb steigen ständig, hinzu kommt die neue München-Zulage, die finanziert werden muss, Einrichtungen des Franziskuswerks sind bereits rund 20 Prozent teurer, und: Die letzte Anpassung der Kitagebühren ist bereits drei Jahre her.

Damit das „Defizit nicht ständig größer wird“, würden nun die Gebühren erneut angepasst werden müssen. Der Kämmerer erklärte zusätzlich: „Wir haben nicht einfach die Gebühren erhöht, wir haben uns dabei an den Zahlen des Kindergartens St. Vinzenz orientiert.“ Zum Vergleich: Im Kindergarten im Haus der Kinder kostet derzeit die Betreuung für fünf bis sechs Stunden 122 Euro, im St.-Vizenz-Kindergarten 158 Euro – das soll es künftig auch im Haus der Kinder kosten. Alle anderen Betreuungszeiten wurden ebenfalls anteilig angepasst.

Bevor das Thema in der Sitzung behandelt wurde, informierte die Gemeinde die betroffenen Eltern. Was wenig überraschend war: Die waren alles andere als begeistert wegen der geplanten Erhöhung. Doch „Wucher“ will sich der Kämmerer nicht nachsagen lassen. Derzeit bekämen Eltern für ihre Kinderbetreuung 100 Euro monatlich vom Freistaat – die gingen direkt an die Gemeinde, die sie mit den Gebühren verrechnet.

Deswegen stehen derzeit auch im obigen Fall nicht 122 Euro auf der Rechnung, sondern nur 22 Euro. Was Blumenschein meint, ist: Die Gemeinde hat nicht von 22 Euro auf 158 Euro erhöht, sondern eben von 122 Euro. „Man muss schon sehen, wo wir herkommen“, betonte er.

Die Erhöhung der Gebühren würde für die Gemeinde laut Blumenschein 130 000 Euro an Mehreinnahmen einbringen, 160 000 Euro koste allein die Münchenzulage, „die wir gerne als Wertschätzung für unsere Mitarbeiter zahlen“, wie Bürgermeister Franz Obesser betonte.

Derzeit ist die Kostenaufteilung für Betreuungseinrichtungen wie folgt: „Der Staat zahlt 40 Prozent, die Bürger 15 Prozent, und der Rest kommt von den Kommunen“, sagte Blumenschein. Selbst nach der Erhöhung „zahlen die Bürger immer noch nicht mal 20 Prozent der laufenden Kosten“.

Gemeinderäte rechtfertigen Erhöhung

Die Erhöhung an sich stellte kein Gemeinderat in der Sitzung infrage. Einige meldeten sich aber zu Wort, um zu erklären, warum die Anpassung unbedingt sein müsse. Simon Reichlmair (CSU) hält die neuen Beiträge ohnehin mehr als gerechtfertigt: „Man muss sich das mal überlegen: Man zahlt 147 Euro und kann sein Kind dafür vormittags in die Betreuung geben.“ Er komme noch aus einer Zeit, in der es hieß: „Was nichts kostet, ist nichts wert.“

Sein Fraktionskollege Hans Lachner betonte: „Uns bleibt doch gar nichts anderes übrig. Wir müssen das Defizit verringern! Auf was sollen wir das noch anwachsen lassen?“ Und: „Wir sind kein Sozialverein.“

„Dass uns die Kinder viel wert sind, das sieht man auch bei einem Defizit von 1,6 Millionen Euro, das muss dazu nicht unbedingt auf über zwei Millionen steigen“, sagte Blumenschein. Er rechnete vor, dass auch nach der Erhöhung das Defizit in der Gemeindekasse weiter ansteige.

Hubert Böck (SPD) mag es allerdings nicht, wenn in diesem Zuge immer das Wort Defizit benutzt wird. „Kinderbetreuung ist nun mal eine Pflichtaufgabe der Kommunen“, betonte er.

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