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Alles in bester Ordnung: Gesundheits- und Krankenpflegerin Alexandra Köhler (r.) und Blutspenderin Alexandra Horwath im Indersdorfer Pfarrheim. 

137 Erstspender in zwei Tagen

Große Blutspendeaktion im Indersdorfer Pfarrheim – 328 Menschen wollen helfen

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Das Engagement der Spender war bei der zweitägigen Blutspendeaktion in Indersdorf überwältigend. Trotz langer Wartezeit war die Stimmung sehr gut. Es kamen sogar 137 Erstspender.

Indersdorf – Er hat fünf Ohren gleichzeitig irgendwo – merkt aber keiner. Das einzige, was die Leute merken, wenn Michael Gierlinger (24) vom Jugendrotkreuz zu ihnen an die Liege kommt, ist: Da ist jemand ganz für mich da. Der hat nur Augen für mich und passt auf, dass es mir gut geht.  Dass Gierlinger und die anderen vom JRK aber noch zig andere Blutspender beobachten, bekommen sie gar nicht mit – so einfühlsam sind die Ehrenamtlichen und das Team des Blutspendedienstes.

328 Menschen kamen am vergangenen Mittwoch- und Donnerstag zur Blutspendeaktion ins Indersdorfer Pfarrheim – trotz Hochsommer und Temperaturen von über 30 Grad draußen. 137 von ihnen waren Erstspender – gerade die brauchen besondere Aufmerksamkeit.

So wie die junge Frau, die gerade vor Michael Gierlinger auf der Liege liegt. Sie hat Angst vor Nadeln, für gewöhnlich wird ihr schon beim Blutabnehmen schlecht und schwindlig. Doch Gierlinger hat mit einem Ohr aufgeschnappt, dass sie erst einen tollen Urlaub erlebt hat. Er verwickelt sie so tief in ein Gespräch über Thailand, dass die Frau ganz verwundert schaut, als Marko Hammer vom Blutspendedienst sagt: Gut gemacht, das war’s schon. Einen halben Liter hat die Erstspenderin gegeben.

288 solcher Konserven haben die Indersdorfer in den beiden Tagen gespendet, nicht jeder, der wollte, durfte auch tatsächlich Blut geben. „Wenn jemand zum Beispiel gerade erst in einem Risikogebiet im Urlaub war, oder bestimmte Medikamente einnimmt, darf er nicht spenden“, erklärt Hammer. Er und sein Team waren begeistert vom Engagement der Spender in Indersdorf. „137 Erstspender an zwei Tagen, das ist Wahnsinn, sonst kommen im Schnitt etwa zehn Erstspender zu einer Aktion.“ Da jeder dieser Spender neu registriert und seine Blutgruppe bestimmt wird, dauert das Ganze natürlich. „Es waren auch ganz viele junge Leute darunter, das finden wir besonders toll.“

Im Schnitt mussten die Leute im Indersdorfer Pfarrheim etwa eineinhalb Stunden warten, bis sie ihr Blut spenden durften. „Trotzdem hatten wir eine klasse Stimmung. Sowas hat man nicht überall. Keiner hat hier schlechte Laune verbreitet – bis zum Schluss ganz große Klasse“, betont Hammer. Große Komplikationen gab es laut Hammer nicht, „wir konnten allen, die Kreislaufprobleme hatten, gleich helfen.“

Auch Michael Gierlinger hat die Spender an den Tagen sehr entspannt erlebt. „Alle waren lieb und offen und waren froh, dass es wieder eine Blutspendemöglichkeit in Indersdorf gibt.“ Er hat mit sehr vielen von ihnen ein lockeres Gespräch geführt, damit sie sich bei ihrer Spende wohlfühlen, gleichzeitig war er immer zur Stelle, wenn es einen Zwischenfall gab. Seine Tage gingen jeweils um 23 und um 22.30 Uhr zu Ende – bis eben alles aufgeräumt und abgebaut war. Vorher hat er sich am Donnerstagabend auch noch auf die Liege gelegt – und selbst Blut gespendet. Auch er hatte dabei eine nette Ablenkung. Er spendete zusammen mit einer Freundin und unterhielt sich mit ihr.

Interview mit Marko Hammer vom Blutspendedienst des Roten Kreuzes

Marko Hammer (42) ist Teamleiter beim Münchner Blutspendedienst. Der Indersdorfer war begeistert vom Engagement der Spender an den zwei Aktionstagen. Hier gibt er Tipps rund ums Thema Spende.

Marko Hammer vom Blutspendedienst

 -Was sollten vor allem Erstspender unbedingt beachten? 

Sie sollten vorher wissen, dass sie zu uns kommen. Heißt, sie sollten Zeit haben, sich vorzubereiten. Wir sagen immer: Am Tag der Spende sollten die Leute zwei bis drei Liter getrunken haben – und das eben nicht erst kurz vorm Blutspenden – sonst ist das Wasser ja nur im Bauch. Zudem ist es wichtig, auf keinen Fall nüchtern zu sein. Man sollte an dem Tag gut gegessen haben, Frühstück, Mittagessen – im Idealfall auch zwei bis drei Stunden vor der Spende. Sich kurz vor dem Termin den Bauch vollzuschlagen ist ganz schlecht. Ein kleiner Snack schadet natürlich nicht. 

- Weitere Tipps zur Vorbereitung?

Alles vermeiden, was den Kreislauf anstrengt – also keinen Extremsport treiben oder 20 Kilometer Radfahren oder in die Sauna gehen oder so.

-Haben Sie Tipps für Menschen, die Angst haben, aber trotzdem gerne spenden wollen?

Klar, sie sollen ganz offen mit ihrer Angst zu uns kommen, dann können wir auch darauf eingehen. Am besten sucht man sich einen Mitarbeiter, der einem sympathisch ist. Meist gelingt es uns, die Ängste zu zerstreuen. Es ist immer toll, zu erleben, wenn jemand, der vorher viel Angst hatte, am Ende sagt: „Das war ja überhaupt nicht schlimm, das mach’ ich auf alle Fälle wieder.“ 

-Kann es sein, dass Leute das Spenden oft gut vertragen und es ihnen trotzdem mal schwindlig oder schlecht wird?

Das kann passieren. Hat der Spender gerade großen Stress, hat er schlecht geschlafen, hat er zu wenig gegessen, ist es sehr heiß – all das kann eine Rolle spielen.

-Wie bereitet man sich also vor, damit man das Spenden gut verträgt?

Man sollte alle Tipps, die ich für die Erstspender gegeben habe, beachten. Die gelten für jeden Spender.

-Warum ist es gerade in der Urlaubszeit so wichtig, zu Spenden?

Hier werden die Blutkonserven knapper. Es fallen viele Spender weg, weil sie nicht da sind, oder sich in Risikogebieten aufhalten und dann erstmal eine Weile nicht spenden dürfen.

-Tipps für nach der Spende?

Wirklich eine Weile liegen bleiben. Und danach noch etwas bei uns essen – das gilt auch für regelmäßige Spender. So bekommen wir auch mit, wenn es jemandem nicht gut geht. Der Körper braucht 30 Minuten, um wieder alles zu normalisieren.

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