Sorgte für Unterhaltung: die Blaskapelle Langenpettenbach.

Starkbierfest Langenpettenbach

Abwatschen in Hinterlandmundart

Im Stile des legendären Roider Jackl hat Franz Neumüller beim Starkbierfest des SV Langenpettenbach die große und kleine Politik, aber auch die Bembegga Honoratioren kräftig derbleckt. Nur wenige in dem brechend vollen Saal sind ungeschoren davongekommen.

Langenpettenbach – Vortrag, Gstanzl, Trinksprüche. Derblecker Franz Neumüller zog beim Langenpettenbacher Starkbierfest alle Register. Der „Mesma vo Anzoi“ – so sein Hausname – schmeichelte zunächst den „Bembeggan“ mit der Feststellung, das Zentrum im Dachauer Land zu bilden und bis in den Landtag hinein bekannt zu sein, watschte sie dann aber ebenso wie die anwesenden Politiker in Dachauer Hinterlandmundart kräftig ab.

Derbleckte so ziemlich jeden: Franz Neumüller.

Was den Bezirkstagspräsidenten Josef Mederer angeht, zeigte der Starkbierredner, dass er auch nachtragend sein kann: Er hat es nämlich nicht vergessen, dass Mederer vor acht Jahren beim Schützenjubiläum in Arnzell unentschuldigt fehlte, und so bekam Mederer das vorgesehene Jubiläumsgeschenk, ein Schnacklmesser, erst jetzt nachgereicht. Das heizte die ohnehin gute Stimmung im Saal natürlich ordentlich an.

Aber auch bei der besungenen Schafbock-Begegnung von Bürgermeisters-Gattin Angela Obesser brodelte es. Von ihr wusste er, dass der böse Schafbock nur wissen wollte, ob sie zur Herde passt. Vom Bürgermeister selbst sei durchgesickert, dass Franz Obesser von sich am Indersdorfer Marktplatz ein fünf Meter hohes Denkmal errichten möchte. Unbestätigten Gerüchten zufolge lasse Obesser für diesen Vorschlag zur Marktplatzneugestaltung schon länger Geld im Rathaus abzweigen. Die Restfinanzierung soll über Strafzettel-Einnahmen in der Marktplatz-Tiefgarage erfolgen.

Als gertenschlanker Haimhauser Landtags-Franke wurde MdL Bernhard Seidenath zitiert, der beim Indersdorfer Straßenlauf nur gewonnen habe, weil er seinem CSU-Parteikollegen Peter Felbermaier eine falsche Startzeit nannte. „Des san hoit de Methoden in der Politik, ohne de ma do net recht weit kimmt“.

Was das Vereinsleben im SVL angeht, wusste der Starkbier-Redner, dass Vorsitzender Friedhelm Munstermann dem Schritt des Emeritierens von Papst Benedikt folgen will.

Hart ins Gericht ging Neumüller mit dem Indersdorfer Faschingskomitee, das ebenso wie die Gemeinderäte fast vollzählig im Saal vertreten war. Das Faschingskomitee habe mit Willi Heilmann an der Spitze beim 44-jährigen Jubiläum in Ried nur deshalb gefehlt, weil die Herren zur Weiterbildung in Köln und anschließend noch auf dem Heiratsmarkt im Haslinger Hof verweilten und sich als „Mumienschieber“ verdient machten.

Musste viel einstecken: die lokale Prominenz.

Auch wegen einer Begegnung der Indersdorfer Faschingshexen mit Pfarrer Hauptmann wurden die Lachmuskeln des Publikums strapaziert: Voller Zorn habe angeblich der Pfarrer wie ein Hexenmeister die Hexen vom Friedhof vertrieben und mit Exkommunizierung gedroht, „bevor er mit seim Besen wieder in Urlaub gflogen is“.

Sogar die Weltpolitik bekam in Neumüllers Versen ihr Fett weg. Da traf es Trump, Putin, Kim Jong-un, Erdogan und Le Pen ganz gewaltig. Auch die Bundes-Angie kam mit ihrem „wir schaffen das“ auf die Starkbier-Anklagebank. Je näher die Bundestagswahl kommt, umso größer sei Horst Seehofer aber von Angie entzückt, und die Flüchtlingsobergrenze sei bei den Schwarzen schon kein Thema mehr. Martin Schulz wird von dem Starkbierredner als Messias in der SPD gesehen, der vor Vergessenheit und Lebewohl erlösen soll. Als beste Medizin für all die verirrten Gestalten würde Neumüller das ausgeschenkte Peccator-Bier halten. Denn das habe bewusstseinserweiternde Eigenschaft. Auch die Null-Zins-Politik war Thema beim Starkbierfest. Da kam die geplante Sparkassen-Fusion ins Spiel, mit der Feststellung, dass die Dachauer Sparkassler gerne einen eigenen Zugang zum Ammersee hätten.

Neumüller gelang es perfekt, je eine Bauernregel für die zwanzig Mitglieder des Indersdorfer Marktgemeinderats zu präsentieren. „Wenn man 65 is, des is nix neis, dann ist man auf dem Weg zum Greis“, soll sich Hans Lachner merken, und für Hubert Böck gelte: „Mit Baseballschläger, das ist doch schön, könnte man Wahlkampfchancen stark erhöhen.“ „Steht das Schwein auf einem Bein, wird es wohl beim Yoga sein“, soll sich der Schweinebauer Josef Sandmair hinter die Ohren schreiben, und Martina Tschirge muss wissen: „Starkbierfeste der SPD, die wären deutlich kleiner, denn bekanntlich kommt da keiner.“ Auch der langjährige Langenpettenbacher Gemeinderat Manfred Pohl wurde mit dem Spruch „Geht vom Landwirtschaftsamt wieder oana der Rentn zua, griang de Bauern a bisserl Freiheit retour“, gut getroffen.

Der Vergleich von Bembo mit Schlumpfhausen brachte die Stimmung im Saal schließlich auf den Siedepunkt. Als Schlumpfine wurde da sogar Apfelkönigin Viktoria Sandmair entlarvt. Die Musik der Blaskapelle Langenpettenbach passte im Anschluss an die deftigen Sprüchen natürlich wieder einmal perfekt.

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