Ihr lautes Ahuiiiiiiiiiiiii war am Unsinnigen Donnerstag überall zu hören, als die Indersdorfer Hexen durch den Ort zogen. Vorm Rathaus tanzten sie ums Lagerfeuer. Foto: betz

Hexentag im Indersdorfer Rathaus

Die ganz besondere Kritik-Show

  • schließen

Sie schaffen jedes Jahr mühelos einen Spagat zwischen derbem Derblecken, humorvoller Kritik und witziger Unterhaltung. Die Indersdorfer Hexen haben am Unsinnigen Donnerstag ihren Fans im Rathaus wieder eine tolle Show geboten.

Indersdorf – Einfach nur seichte Spielchen spielen oder Kommunalpolitiker nur in dümmliche Verkleidungen stecken, ist nicht das Ding der Indersdorfer Hexen. Sie wollen Bürgermeister und Gemeinderäte mit ihren kreativen Einlagen ein bisserl wachrütteln und zeigen, wo in der Gemeinde was nicht passt. Und da hat sich bei der ein oder anderen Hexe im vergangenen Jahr wieder einiges an Ärger angestaut.

Indersdorfer Hexen lesen Politikern die Leviten

Zum einen regt die Hexen Maria und Pedi auf, dass auf der Gemeindehomepage und in der Gemeindebroschüre einiges entweder total veraltet oder völlig unvollständig ist. Von vielen Gemeinderäten ist etwa kein Bild im Internet zu sehen. „Das versteh’ ich einfach nicht. So greislig sind die doch auch nicht“, sagt Hexe Maria. Die Gemeindebroschüre zeigt noch lauter Fotos mit dem früheren Bürgermeister Josef Kreitmeir. „Drei Jahre bist du jetzt schon Bürgermeister. Schämst du dich als Verantwortlicher denn gar nicht?“, neckte Hexe Pedi Franz Obesser. Hexe Hedi macht es ganz krank, dass der Marktplatz immer noch so trostlos und leblos ist. „Da kann man ja nicht mal mehr ein Scheißhauspapier kaufen, sondern muss ins Industriegebiet.“ Auch das Hexenbesennavi von Sonja hat fast den Geist aufgegeben, als sie „Neuer Marktplatz Markt Indersdorf“ eingegeben hat.

Wichtig ist es für die Hexen vor allem, dass sie mit ihrer Kritik irgendwas Gutes für den Ort bewirken. Und die Chancen von Gründungshexe Sonja stehen nach 37 Jahren als charmante Nörglerin gut, was zu erreichen. Drei Bürgermeister hat sie „verschlissen“, sagt sie. Von jedem hat sie was bekommen. Von Strixner ein Denkmal, von Kaspar einen Radlständer vorm Rathaus und von Kreitmeir eine Trauung mit Hexenfreundin Maria. „Das war sicher unsere erste Lesbenhochzeit“, sagt Sonja und erntet Gejohle. Von Franz Obesser wünscht sich Sonja etwas völlig Uneigennütziges. Nicht mehr und nicht weniger als ein Neubaugebiet für junge Indersdorfer, die gerne am Ort bleiben wollen. Hexenacker soll’s dann mal heißen. Und wer könnte ihr das bei ihrem nicht wirklich zuckersüß vorgebrachten „Franz, ich sag’ Dir eins: Enttäusch’ mich nicht“, denn noch abschlagen?

Doch manchmal hilft auch all die Hexenkritik nichts. Der zweite Bürgermeister Hubert Böck ist den Hexen immer noch zu wenig präsent – letztes Jahr haben sie ihn deshalb ganz schön in die Mangel genommen. „Aber da bist du scheinbar beratungsresistent. Des werd nix mehr mit dir“, sagt Hexe Maria.

Die Hexen locken jedes Jahr wegen ihres kreativen Programms und den liebevoll gestalteten Kostümen viele Fans ins Rathaus, da wird’s sogar manchmal eng für die Indesdorfer Blaskapelle, die das Publikum in den Pausen unterhält. Und weil den Hexen grundsätzlich vieles, was sie Gemeindepolitik betrifft, zu langsam vorwärts geht, liefern sie dafür heuer eine humorvolle Erklärung dazu: „Im Rathaus läuft den ganzen Tag nur ein Lied im Radio. Das erklärt so einiges:“ Schwups wurden die drei Bürgermeister und einige Rathausmitarbeiter in Affen-, Schlangen-, und Bärenkostüme gesteckt und musten zu den Dschungelbuchhit „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ tanzen.

 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bundestagswahl in der Region Dachau –  Michael Schrodi zieht in Bundestag ein
Wie haben unsere Wähler abgestimmt? Was sagen die Kandidaten und Parteien? Alle Infos, Ergebnisse und Stimmen gibt‘s hier im Live-Ticker. Zudem lesen Sie hier alles zur …
Bundestagswahl in der Region Dachau –  Michael Schrodi zieht in Bundestag ein
Ein Verein steht vor einer Mammutaufgabe
Helmut Umkehrer ist als Vorsitzender des TSV Bergkirchen bestätigt worden. Auf den wiedergewählten Vereinschef und seine Mannschaft kommt eine Mammutaufgabe zu.
Ein Verein steht vor einer Mammutaufgabe
Christian Blatt ist jetzt Gemeindechef
Im zweiten Anlauf hat er es geschafft: Christian Blatt ist neuer Bürgermeister der Gemeinde Erdweg. Der CSU-Mann hatte zwei Gegenkandidaten, galt jedoch als klarer …
Christian Blatt ist jetzt Gemeindechef
Güterzug mit überhitzten Bremsen gestoppt
Güterzug mit überhitzten Bremsen gestoppt

Kommentare