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Er wusste wo man engagieren kann – Hermann Kursch (stehend) hat seine Arbeit als Hilfslotse beendet.  

Zu geringe Nachfrage:

Gemeinde stellt Hilfsangebot ein

  • vonChristiane Breitenberger
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Indersdorf - Hermann Kursch wollte der Mann für die Indersdorfer sein, der bei allen Fragen und Problemen weiterhelfen kann. Er engagierte sich ehrenamtlich als Hilfslotse im Rathaus. Doch das Angebot wurde schlicht nicht angenommen.

Indersdorf – Im März 2015 hatte Bürgermeister Franz Obesser eine Vision: „Wäre es nicht schön, wenn es in Indersdorf immer mal wieder generationsübergreifende Projekte gäbe?“ Projekte, bei denen zum Beispiel Jugendliche Senioren erklären, wie sie sich ganz leicht und schnell im Internet zurechtfinden, und Senioren Jugendlichen bei Bewerbungstrainings erklären, auf was es bei einem Arbeitgeber ankommt. Bürgermeister Franz Obesser liebt diese Vorstellungen. Deshalb hatte er Hermann Krusch eingesetzt. Er hat als Ehrenamts- und Seniorenlotse für die Gemeinde gearbeitet. Doch das ist jetzt vorbei. 

Die Indersdorfer haben das Angebot überhaupt nicht genutzt. Kaum einer kam zu Kruschs Sprechstunden im Rathaus. Deshalb wird das Angebot des Hilfslotsen jetzt eingestellt. Das gab Bürgermeister Franz Obesser in der letzten Gemeinderatssitzung im alten Jahr bekannt.

Der Lotse im Hilfenetz, wie das Projekt von „Demographie Managen“ im Landkreis Dachau heißt, wollte ursprünglich Infos über alle Angebote, die es in und um Indersdorf gibt, Hilfesuchenden zur Verfügung stellen. „Ich bin kein Konkurrenzangebot, ich bin nur der Vermittler,“ sagte Hermann Krusch bei seiner Amtseinführung im Frühjahr. „Ich bin grundsätzlich für alle da, mein Hauptaugenmerk liegt aber auf den Senioren.“ Gerade für Ältere sei es so wichtig, dass sie sich noch gebraucht fühlen.

Seniorencafé, Demenztreff, Altennachmittag – in Indersdorf gibt es viele Vereine mit verschiedenen Angeboten für Senioren. Doch oft wissen die Älteren gar nicht, was es alles für sie gibt. Genau hier wollte Krusch einspringen. „Ich will dafür sorgen, dass jeder an die für ihn richtige Stelle gelangt“, sagte er damals. Er wollte jeden, der ein Problem hat, gleich an die passende Stelle weitervermitteln. Er hätte also der Mann für die Indersdorfer sein sollen, der bei allen Fragen weiterhilft.

„Aber wenn keiner das Hilfsangebot annimmt, hat es auch keinen Sinn, es weiterlaufen zu lassen“, erklärte jetzt der Indersdorfer Geschäftsleiter Klaus Mayershofer. „Das ist wirklich schade, aber es hilft ja nichts.“ Die Gemeinde habe den Ehrenamtslotsen überall vorgestellt. Mayerhofer hofft, dass sich nur keiner bei Krusch gemeldet hat, weil es keine Probleme gab – nicht weil sich die Menschen aus Scham nicht getraut hätten. „Das wäre fatal und völlig unnötig“, betonte Mayershofer. „Das sollte eine Anlaufstelle sein, wo sich jeder aufgehoben fühlt und Hilfe bekommt.“

Hermann Kursch wird sich weiter ehrenamtlich einbringen – wenn auch nicht im Indersdorfer Rathaus. Seit Sommer ist er der neue Vorsitzende des Seniorenbeirats im Landkreis Dachau. Zudem wird er laut Mayershofer für den Landkreis tätig sein.

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