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Platz für neuen Wohnraum: Hier entsteht das neue Baugebiet „Holzhauser Straße“ in Indersdorf. Geplant sind 35 Bauparzellen für bis zu 70 Wohn einheiten. Die Kommunale Wohnanlage mit zehn Wohnungen soll ganz rechts nahe der Holzhauser Straße entstehen. 

Kommunaler Wohnungsbau 

Historisches Projekt in Indersdorf: Gemeinde baut bezahlbare Wohnungen

  • vonChristiane Breitenberger
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In Kürze realisiert der Markt Markt Indersdorf ein für ihn historisches Projekt. Die Gemeinde steigt in den kommunalen Wohnungsbau ein und zwar mit einer Strategie, die bisher einmalig im Landkreis Dachau ist. Entstehen soll eine Wohnanlage mit zehn bezahlbaren Wohnungen.

Indersdorf– Die Idee, dass die Kommunen selber in den Wohnungsbau einsteigen, ist nicht neu, seit drei oder vier Jahren beschäftigen sich die Gemeinden damit. Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser ist begeistert von der Idee – war aber auf der Suche nach der perfekten Möglichkeit, so ein Projekt umzusetzten. Ein Kommunalunternehmen dafür zu gründen, wie manch andere, „das hat mir für uns nicht vorgeschwebt – ich wollte auf die Expertise anderer zurückgreifen“, erklärt Obesser. Zwar könnte das seine Verwaltung auch – aber „können und können ist nun mal ein Unterschied“, sagt er. Und Obesser wollte: Profis. „Absolute Profis“, wie er sagt, und die lernte er bei der Wohnungsbaugesellschaft mbH im Landkreis Dachau (WLD) (siehe Infokasten) kennen. Nachdem er gesehen hatte, welch „fantastische Arbeit“ die WLD beim Maria-Gschwendtner-Haus leistete, war für ihn klar: „Ich möchte, dass die für uns bauen!“ Eine Idee war geboren. Zwei Jahre dauerte es, das Ganze rechtlich prüfen zu lassen.

Obesser erklärt die entscheidenden Vorteile damit, dass die WLD für die Gemeinde als Bauherr auftritt: „Wenn das Ganze über die WLD läuft, entfällt die öffentliche Ausschreibung, weil wir unter einem bestimmten Wert bleiben.“ Also kann man mit Betrieben aus der Region zusammen arbeiten. „Das ist zum einen super, weil die ja auch hier ihre Steuern zahlen, aber auch, weil die schnell vor Ort sein können, wenn es etwas zum Reparieren gibt.“ Der zweite Vorteil ist, dass „die bei der WLD absolute Profis in Sachen Förderung“ sind. Wenn das Projekt nach den Kriterien des sogenannten „KommWFP“-Förderprogramms umgesetzt würde, „können wir die Wohnungen so vergeben, wie wir wollen. Kein anderer gibt uns Kriterien vor, kein Berechtigungsschein ist nötig.“ Zudem habe die WLD eine sehr disziplinierte Kosten- und Zeittreue. Geschätzte Kosten seien sogar meistens unterschritten worden. Ein weiteres entscheidendes Argument für Obesser, mit der WLD zusammenzuarbeiten, zeigt sich, wenn der Bau erst mal steht: „Die WLD kümmert sich um die Vermietung von rund 450 eigenen Wohnungen, sie sind also auch Profis auf diesem Gebiet und könnten das für uns übernehmen.“ Dies, so Obesser, sei „genau das, was wir wollen: Alles aus einer Hand von Profis.“ Und das Beste an dem Projekt sei: „Man tut etwas Gutes, indem man bezahlbaren Wohnraum schafft und gleichzeitig schafft man einen nachhaltigen Wert für die Gemeinde.“

„Auf Initiative des Bürgermeisters ist es möglich, dass wir jetzt auch für die Gemeinden bauen“, erklärte einer der Geschäftsführer der WLD, Stefan Reith, in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend. Reith stellte dort mit Stefan Egenhofer, ebenfalls Geschäftsführer, und den Architekten Ferdinand Krissmayr und Alexander Gomula vom Planungsbüro GHK Architekten aus Dachau einen ersten groben Entwurf von Indersdorfs erster Kommunaler Wohnanlage vor.

Entstehen soll das Haus mit insgesamt zehn Wohnungen im neuen Baugebiet „Holzhauser Straße“ auf einem gemeindeeigenen Grundstück. Das Gelände dort sei sehr anspruchsvoll wegen seiner Hanglage. Die Architekten präsentierten einen Vorentwurf mit Erdgeschoss, ersten und zweiten Obergeschoss mit insgesamt 710 Quadratmeter Wohnfläche, vier Vierzimmerwohnungen, drei Dreizimmerwohnungen und drei Zweizimmerwohnungen. Ganz oben sollen die Wohnungen Loggien bekommen. Die Anlage wird komplett barrierefrei errichtet, auch das ist Teil der strengen Förderkriterien.

Die Finanzierung des Projektes sieht wie folgt aus und ist gleichzeitig Teil der Bedingungen für die Förderung. Es gibt 30 Prozent Förderung auf Grundstücks- und Baukosten, 60 Prozent sind ein zinsloses Darlehen und zehn Prozent ist der Eigenanteil, den die Gemeinde trägt.

Die Gemeinderäte einigten sich einstimmig darauf, dass ein Generalübernehmervertrag mit der WLD geschlossen werden soll, um das Projekt zu realisieren. Die Architekten sollen ihre Planungen fortführen. Auf die Anregungen von Annemarie Wackerl (CSU) und Gerhard Seemüller (UWD) sollen sie zudem prüfen, inwieweit sich eine Photopholtaikanlage und Lademöglichkeiten für E-Autos dort umsetzen lassen.

Läuft alles glatt, könnten laut WLD bereits in zwei Jahren die ersten Leute einziehen. Franz Obesser freut sich auf dieses Projekt: „Das ist ein großer wichtiger Schritt, den die Gemeinde geht.“

Wer ist die WLD und was tut sie?

Die Wohnungsbaugesellschaft mbH im Landkreis Dachau (WLD) wurde 1981 vom Landkreis Dachau, der Sparkasse Dachau und weiteren Landkreisgemeinden gegründet. Ihr vorrangiges Ziel ist die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum an die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Dachau. „Gemeinsam mit unseren Gesellschaftern, dem Landkreis Dachau, der Sparkasse Dachau und allen Landkreisgemeinden errichten wir landkreisweit bezahlbare Wohnungen“, heißt es auf der Homepage. Neu ist: Die WLD baut im Namen Gemeinde – die Kommune bleibt dabei Eigentümer des Objektes (siehe Artikel). Derzeit vermietet die WLD laut Homepage 448 Wohnungen und eine Gewerbeeinheit. Die Mieten dieser Wohnungen liegen deutlich unter den ortsüblichen Mieten.

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