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Durchs Besenspalier: Bürgermeister Franz Obesser und Geschäftsleiter Klaus Mayershofer werden von Oberhexe Gisi in den Sitzungssaal geführt.

Hexentag in Indersdorf

Kritik der besonderen Art

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Einfach nur rumnörgeln und sich beschweren, ist einfach. Sich Jahr für Jahr zu überlegen, wie man das, was einen stört, kreativ verpackt, so dass es rund 100 Zuhörer zum Lachen bringt – dazu gehört einiges. Doch die Indersdorfer Hexen sind darin Profis. Ein Überblick über die zentralen Anliegen der Hexen.

Indersdorf – Hexen gibt’s mittlerweile fast in jeder Gemeinde im Landkreis. Also die Frauen, die am Unsinnigen Donnerstag die Rathäuser stürmen und dem Bürgermeister die Leviten lesen und ihm Streiche spielen. Doch die Indersdorfer Hexen waren die ersten und somit eine Zeit lang die einzigen im Landkreis – entsprechend einmalig ist jedes Jahr ihr Programm. Denn in Indersdorf geht es nicht um dumme Spielchen und lächerliche Streiche. Es geht darum, kreativ und humorvoll Kritik zu üben, an all den kleinen und großen Dingen, die in Hexenaugen falsch laufen. Die ganze Kritik musste sich Bürgermeister Franz Obesser heuer alleine anhören, seine Stellvertreter waren beide krank.

Das Programm ist so originell, dass sich Jahr für Jahr ein paar mehr Gäste in den ohnehin vollen Rathhaussaal drängen, um zuzuhören. Bei manchen schrill geschminkten Weibern schmeißen sich die Zuschauer schon weg, bevor sie überhaupt nur ein Wort gesagt haben. Wenn sie aufstehen, wissen die Hexenfans: Jetzt kommt was Gutes! So war’s gestern wieder bei den Hexen Sonja und Maria. Die Zuschauer lachten nicht einfach, sie kreischten, als Sonja, mit Krücken, ein älteres Ehepaar nachahmte. Was wahnsinnig witzig aussah, war Teil einer Geschichte mit ernstem Hintergrund: Maria und Sonja wollten anprangern, dass es vom Bahnhof in den Ort, vor allem hin zum Betreuten Wohnen, keine Bus- oder Anruftaxiverbindung gibt. Der witzige Sketch, den sie präsentierten, beruhte auf einer wahren Geschichte. Das gebrechliche Ehepaar wollte einen Verwandten im Betreuten Wohnen besuchen. Weil es keine Verbindung gab, wandten sie sich an Sonja Moser, die gerade in ihrem Kramerladen am Bahnhof arbeitete. Moser fuhr das Ehepaar dann mit ihrem Privatauto zum Marktplatz. Sowas wollen die Hexen nicht nochmal erleben. Der Seniorenbus sei ein guter Anfang, so die Hexen. Doch für die anderen Tage hilft auch der nichts: „Wir können doch nicht überall einen Aushang machen: Indesdorf nur Dienstag und Donnerstag anfahren. Alle anderen Tage sind nur für gesunde, sportliche Personen geeignet“, sagte Hexe Maria.

Auch Hexe Christa machte sich mit viel Humor für die sozial Schwächeren stark. Sie widmete sich dem Thema „erhöhte Friedhofsgebühren“. Letztes Jahr stellte sie beim Hextentag einen Antrag für einen zusätzlichen Schubkarren und eine Schaufel am Friedhof. Das tat ihr heuer schrecklich leid: „Wenn ich gewusst hätte, dass ihr deswegen gleich die Grabgebühren raufschraubt, hätte ich den Antrag natürlich nicht gestellt. Ich zieh das mit den Schubkarren lieber wieder zurück.“ Eine ganze Gruppe von Hexen machte in einem Lied auf die Missstände am Klinikum aufmerksam und gaben dem Landrat mit dem Lied „Löwl, wir danken dir, für diese Klinik hier“ ihren Missmut zu verstehen.

Die Hexen Pedi und Chris, auch zwei von denen, die nicht viel sagen müssen, und die Zuschauer johlen los, knöpften sich das Thema Marktplatz vor. Nach wie vor hässlich, nach wie vor greislich, nach wie vor traurig. „Es gibt auch gar keine Geschäfte mehr für den täglichen Gebrauch.“ Deshalb präsentierten sie ihre eigene Marktplatz-Idee. Die Zuhörer: begeistert.

Zu einer guten Hexengilde braucht’s natürlich eines: eine gstandene Anführerin. Mit Gisela Schulmayr hätten sie keine bessere erwischen können. Seit zehn Jahren „hält sie unseren Sauhaufen in Schach“, sagt Hexe Lydia. Dafür gab’s einen Pokal und ein selbstgedichtetes Lied. Und Oberhexe Gisi wäre nicht Oberhexe Gisi, hätte sie nicht gesagt: „Ich mach’s gern nochmal zehn Jahre!“

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