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Meister im Derblecken: 1986 machte sich die Faschingsrunde 73 über den Gockel-Streit lustig: Eine Indersdorferin hatte sich über den lauten Hahn in der Nachbarschaft beschwert. Vorne ist Erwin Niedersteiner zu sehen.

Die Gaudiprofis von Indersdorf

Faschingsrunde 73 ist seit mehr als 40 Jahren beim großen Umzug mit dabei

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Seit über 40 Jahren steht die Faschingsrunde 73 aus Indersdorf für beißende und gleichzeitig humorvolle Kritik an den Geschehnissen in der Gemeinde.

Indersdorf – Nein, Freunde haben sich Erwin Niedersteiner (61) und seine Spezln von der Faschingsrunde 73 wahrlich nicht immer gemacht. „Einmal hat sogar eine Frau meine Mutter gebeten, doch bitte auf mich einzuwirken“, erinnert er sich. Er lacht, zuckt mit den Schultern. Hat die Mutter natürlich nicht gemacht – als Faschingsfreundin verstand sie es bestens, dass zur närrischen Zeit das Derblecken gehört. Und Niedersteiner, seine Familie und Freunde sind quasi die Derbleck- und Gaudiprofis von Indersdorf:

Seit dem Jahr 1973 sind sie mit der Faschingsrunde 73 beim Indersdorfer Gaudiwurm dabei. Nachdem Erwin Niedersteiner schon als kleiner Bub mit seinen Eltern im Fasching unterwegs war, schloss er sich als junger Bursch mit ein paar Freunden zu der Gruppe zusammen.

Heuer werden sie zu zehnt als Woipertinger-Jäger mitmarschieren. „Es ist ein großer Unsinn“, sagt Niedersteiner. „Aber ein riesen Spaß.“ Noch ist das Zieh-Wägelchen nicht fertig, der Jäger, der von oben herab schauen soll, muss zum Beispiel noch angebracht werden. 25 Kilogramm Guadln will die Faschingsrunde am Sonntag verteilen, dazu Schnapserl und kleinere Geschenke. „Das Schöne als Fußgruppe ist, dass man den direkten Kontakt mit den Zuschauern hat“, sagt Niedersteiner. „Daraus entwickeln sich immer die besten Situationen.“

„Die Schulbanausen“ lautete eines der ersten Themen der Faschingsrunde 73 beim Indersdorfer Faschingszug.

Die ganz Familie ist faschingsnarrisch

Früher war die Faschingsrunde 73 auch auf größeren Wagen unterwegs. „Aber das ist inzwischen so kompliziert“, sagt Lisa Niedersteiner, Erwin Niedersteiners Frau. „Und so ist es fast noch lustiger.“ Sie ist ebenfalls eine große Faschingsnärrin. Als 1987 Sohn Markus auf die Welt kam, war sie sogar einen Tag vor der Geburt noch auf dem Indersdorfer Faschingszug. Heute ist Markus gemeinsam mit seiner Frau selbst bei der Faschingsrunde dabei. Auch Tochter Sabine kommt jedes Jahr zum Umzug, allerdings als Zuschauerin.

Ein bisschen stolz sind die Niedersteiners schon, dass ihre Gruppe so lange Bestand hat. Sie haben einen Ordner mit alten Fotos vom Faschingszug zuhause. Blättert man ihn durch, entdeckt man nicht nur viele lustige Kostüme und aufwendig gestaltete Fahrzeuge, sondern auch die eine oder andere Anekdote aus dem Indersdorfer Gemeindeleben. Wie zum Beispiel die Geschichte von dem jungen Mann, der Ende der 70er Jahre beim Gasthaus Steidle fensterln wollte – und auf der Suche nach seiner Herzensdame prompt abgestürzt ist und sich zwei Arme gebrochen hat. Oder, auf dem Wagen aus dem Jahr 1981, die Geschichte vom Indersdorfer Faschingsprinzenexport: Gleich mehrere Dachauer Prinzen stammten ursprünglich aus der Marktgemeinde.

Lesen Sie auch: Eine 28-jährige Dachauerin ist am Dienstag von einer Kuh verletzt worden. Die Angestellte hatte auf dem Obergrashof beim Kalben Geburtshilfe geleistet, als die Mutterkuh auf sie losging.

„Kroko-Deal“ war das Motto der Faschingsrunde im Jahr 2018. Damit spielten sie auf die Große Koalition an.

Niemand ist vor ihrem Spott sicher

Immer wieder bekamen auch Honoratioren oder Politiker ihr Fett weg. Der Pfarrer, der eine Beerdigung ohne die Trauergäste startete, war ebenso Thema wie die Gemeinderäte, denen die Faschingsrunde 73 schon im Jahr 1997 eine göttliche Eingebung wünschte. „Dazu haben wir extra den Engel Aloisus ausgeschnitten“, erinnert sich Niedersteiner. „Vorlage war derjenige von uns mit dem größten Bauch.“

Auch interessant: Die Jahresversammlung des TSV Indersdorf war für Vereinschef Bernhard Wetzstein ein Beweis dafür, wie gut das Zusammenspiel aller Abteilungen und des Vorstands ist. Obwohl es um das leidige Thema Geld ging, waren sich am Ende alle einig.

Prunkvoll zum Jubiläum: Zum 25-jährigen Bestehen gestaltete die Faschingsrunde einen besonderen Wagen. Die Mitglieder feierten auf einer begehbaren Krone.

Ganz zufrieden scheint die Runde mit dem himmlischen Beistand aber nicht gewesen zu sein, wenn man die darauffolgenden Mottos betrachtet: 2006 beklagte sie sich über die Kündigung des Indersdorfer Schützenheims durch die Gemeinde und 2008 beschwerte sie sich, dass die „Wallfahrt zur Kommunalwahl“ wohl eher eine „Q-Wahlfahrt“ sei. Die Wahl 2014 wiederum erinnerte die Narren an einen Zoo. Auch Bürger mussten damit rechnen, derbleckt zu werden. So wie die Niederrother Schützen, die die Auswertung des Gemeindepokalschießen anzweifelten – zwei Wochen nach dem Wettbewerb. Der Slogan der Faschingsrunde 73 im Jahr 1982: „Wer nicht rechnen kann, soll nicht klagen und erst recht nicht nach 14 Tagen.“ Eine andere Indersdorferin beschwerte sich einst über die lauten Gockel in der Nachbarschaft. Ihr Mann arbeite Schicht und könne deswegen nicht schlafen, erklärte sie. Nur: Der Gatte wusste gar nichts von seinen scheinbaren Schlafproblemen. Die Faschingsrunde 73 machte sich im Fasching 1986 über den Gockel-Streit lustig – und bei Erwin Niedersteiners Mutter ging eine Beschwerde ein.

Thema Ponyreitstreit auf dem Volksfest (2016).

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