Sie geben ihren Traditionsladen zum 31. Oktober auf: Anneliese und Alwin Breitenberger.
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Sie geben ihren Traditionsladen zum 31. Oktober auf: Anneliese und Alwin Breitenberger.

Traditionsladen

Die Breitenbergers sagen Servus

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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30 Jahre lang gab es im Laden bei Anneliese und Alwin Breitenberger schöne, individuelle Wohn-Accessoires zu kaufen. Doch zum 31. Oktober ist Schluss. Die Breitenbergers hören auf. 

Indersdorf – Als die beiden Kinder von Anneliese und Alwin Breitenberger klein waren, liebten sie Stofftiere. Die Eltern mussten sie reichlich mit Teddys und Co. versorgen. Dann kam dem Ehepaar ein Gedanke, der das Leben fortan bestimmen sollte: „Stofftiere kann man ja auch im Laden verkaufen“, so Anneliese Breitenberger. Das war vor 30 Jahren. Der Laden, das waren die Ausstellungsräume der Schreinerei von Alwin Breitenberger in der Ludwig-Thoma-Straße 27 in Indersdorf. Nur: Irgendwelches, billiges Zeug anbieten, ist nicht die Sache der Breitenbergers. „Es müssen individuelle Sachen sein, die uns gefallen“, sagt Anneliese Breitenberger (64). Stofftiere von guten Firmen und hervorragender Qualität.

Bald erweiterte das Ehepaar sein Sortiment. Tücher, Schmuck, reizende Figürchen, kleinere Möbel, Bilder, Einrichtungsgegenstände aller Art und und und sind bei den Breitenbergers bis heute zu haben. Nur Stofftiere gibt es längst nicht mehr. „Es sind individuelle Accessoires fürs schöne Wohnen“, so Alwin Breitenberger (77), der überdies Bilder rahmt. Individuell versteht sich. Er ist Spezialist darin. Zu ihm kommen Kunden bis aus Aichach oder Karlsfeld gefahren.

Doch nun wird bald Schluss sein. Zum 31. Oktober sperren die Breitenbergers ihr Geschäft zu. Für immer. Nun ist es so, dass in Sachen individuelle Wohn-Accessoires die Wünsche der Kunden einem ständigen Wandel unterliegen. „Die Geschmäcker verändern sich – und wir auch“, so Anneliese Breitenberger. Das Ehepaar hielt von Beginn an stets Augen und Ohren offen auf seiner Suche nach Neuem, Ausgefallenem, Trendigem, eben den schönen Dingen, die die Leute haben möchten. Zusammen mit Freundin Constanze Oberacher, die elf lange Jahre im Landen mitarbeitete, besuchten sie Messen, knüpften Kontakte zu Herstellern, Designern und Künstlern. Auf dem Tollwood-Festival in München beispielsweise lernten die Breitenbergers 1992 die bekannte Künstlerin Margit Grüner kennen, die dort große, bunte Tücher anbot. „Wir haben dann unsere Werkstatt komplett ausgeräumt und eine Ausstellung gemacht“, erinnert sich Alwin Breitenberger. Anderes Beispiel: ihr Stand beim Advent am Kloster in Indersdorf. „Dafür haben wir fast den ganzen Laden eingepackt“, sagt und lacht Anneliese Breitenberger.

Auf eine Liste von sage und schreibe 140 Lieferanten haben es die Breitenbergers im Laufe der Jahre und Jahrzehnte gebracht. Nur: Die Breitenbergers sind keine Großabnehmer wie Möbelhäuser oder Hotelketten. Sie bestellen nur in kleinen Mengen. „Da kam schon mal eine Firma und hat gesagt, ihr seid für uns nicht mehr interessant“, sagt Alwin Breitenberger. „Aber das war uns egal“, ergänzt seine Frau. Hauptsache, sie bekommen, was ihre Kunden wollen.

Und die wollten schon mal in aller letzter Minute ein Geschenk haben und klingelten etwa an Heilig Abend an der Ladentür in der Ludwig-Thoma-Straße. Denn sie wussten: Die Tür der Breitenbergers geht auch außerhalb der Öffnungszeiten auf. „Der Laden war immer schon ein Treffpunkt für die Indersdorfer, und sei es nur für einen Ratsch“, so Alwin Breitenberger. „Zu uns kommen Individualisten“, sagt Anneliese Breitenberger und stellt klar: „Wir haben kein Fußvolk“ – sprich, Laufkundschaft ist selten.

Die Breitenbergers schließen also zum 31. Oktober, ab sofort gibt es einen großen Ausverkauf mit vielen Prozenten. Es wird wieder ein Traditionsunternehmen weniger im Ort. So verschwanden in den vergangenen Jahren etwa der Gasthof Funk, Lebensmittel Moser, das Bekleidungshaus Regenbogen oder Auto Vogel.

Doch es gebe auch Hoffnung, meint Anneliese Breitenberger. Und die habe einen Namen: Heidi Fuß. Die Betreiberin des Modegeschäfts „due“ ist die Organisatorin des beliebten Candle-Light-Shoppings im Ort. Und sie hält Indersdorfs Gewerbetreibende zusammen. „Ohne sie wären noch ein paar Geschäfte weg“, so Anneliese Breitenberger.

Wer nun glaubt, bei Anneliese und Alwin Breitenberger ist die Stimmung getrübt, der irrt. „Es ist einfach die Zeit, aufzuhören – weil’s passt“, so Anneliese Breitenberger. Man sei schließlich im Rentenalter und da sei es schön, mal mit den Freundinnen was zu unternehmen und Tennis zu spielen. Oder, wie Alwin Breitenberger meint, „die verlorene Freizeit nachzuholen“. Zwar spielt er mit dem Gedanken, das Rahmen von Bildern weiter zu machen, weil „ein Schreiner nie aufhört zu arbeiten“, doch entschieden ist noch nichts. Die Zeit wird es weisen.

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