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Krönender Abschluss: Die Delegation aus dem Landkreis Dachau singt mit Lehrerin Antje Prigge (Gitarre) das Greta-Fischer-Lied.

Festakt zur Ernennung durch Bürgermeister Obesser in Jerusalem

Greta Fischer ist jetzt Indersdorfer Ehrenbürgerin

An ihrem 110. Geburtstag wurde Greta Fischer posthum die Ehrenbürgerwürde von Markt Indersdorf verliehen. Die Ernennung durch Bürgermeister Franz Obesser am 19. Januar fand in feierlichem Rahmen im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem statt.

VON OLIVER VRANKOVIC

Jerusalem– Greta Fischer war sozialpädagogische Leiterin des von der amerikanischen Militärverwaltung im Juni 1945 gegründeten Kinderzentrums im Kloster Indersdorf. Dort wurde den jüngsten Opfern des Holocaust geholfen, den Verlust ihrer Familien und ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten und Kraft für ihr zukünftiges Leben zu schöpfen. Die Geschichte des Kloster Indersdorf ist in der Fotoausstellung „Ha Chaim She Achare“ (Das Leben danach) festgehalten, die vor einem Jahr in der Universität in Tel Aviv eröffnet worden war und seitdem an verschiedenen Orten in Israel gezeigt wurde.

Ein Jahr nach der Eröffnung kam die Wanderausstellung, die sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, im Hauptgebäude des Hadassah-Krankenhaus an. Initiatorin der Ausstellung ist Anna Andlauer. Die Zeitgeschichtsforscherin ist Autorin des Buchs „Zurück ins Leben“ über die Holocaust-Überlebenden aus dem Kloster Indersdorf. Teil der Ausstellung sind Schwarz-weiß-Aufnahmen junger Menschen, die im Kloster Indersdorf gemacht wurden, um Verwandte zu finden. Anna Andlauer schaffte es mit Hilfe dieser Bilder und unermüdlichem Engagement, an über 100 Überlebende zu gelangen, die nach dem Krieg im Kloster Indersdorf waren. Zwei der Überlebenden, die auf den Bildern zu sehen sind, Chaim Rechter und Martin Hecht, wohnten den Feierlichkeiten zu Greta Fischers 110. Geburtstag als Ehrengäste bei.

Ende 1948 brachte Greta Fischer eine Gruppe von 100 Kindern nach Kanada, wo sie sich fünf Jahre lang um deren Integration kümmerte. Nach weiteren Tätigkeiten mit Kindern in Kanada und Marokko gelangte Greta Fischer 1964 nach Israel, wo sie die Abteilung für Sozialarbeit am Hadassah-Krankenhaus gründete. Die Eckpunkte ihrer Auffassung von Sozialarbeit waren eine ganzheitliche Sicht auf den Patienten und eine Orientierung an den persönlichen Bedürfnissen und Ressourcen. Greta Fischer erwirkte ein Zusammenarbeiten von Medizinern, Therapeuten und Sozialarbeiterinnen bei der Behandlung und schuf damit eine frühe Form des interdisziplinären Ansatzes.

Sie leitete die von ihr aufgebaute Abteilung für Sozialarbeit bis 1981, etablierte die Sozialarbeit im klinischen Bereich und wurde zur gefragten Beraterin. 1988 verstarb Greta Fischer auf dem Weg zur Familie ihres Neffen Micha Plaschkes, zu der sie die engste verwandtschaftliche Bindung im Land hatte.

Vor dem offiziellen Festakt traf die 30-köpfige deutsche Delegation im Restaurant des Besucherhotels des Krankenhauses auf ehemalige Kolleginnen von Greta Fischer, die sich daran erinnerten, dass die Pionierin der israelischen Sozialarbeit schnell lief und schnell dachte und es schwer war, mit ihr Schritt zu halten.

Neben den Sozialarbeiterinnen trafen die deutschen Gäste auch Micha Plaschkes und Louise Roskies Goldstein, eine Weggefährtin von Greta Fischer aus Kanada.

Beim Festakt wies Bürgermeister Obesser darauf hin, dass eine Ehrenbürgerschaft in Markt Indersdorf sehr selten und im Fall der jüdischen Sozialarbeiterin zum ersten Mal überhaupt posthum vergeben wurde. Die stellvertretende Direktorin des Hadassah Capus am Scopus Berg bezeichnete Greta Fischer als Sonnenstrahl und ihre Arbeit in Israel als bahnbrechend. Greta Fischer, so wurde deutlich, ist nicht vergessen – nicht in Jerusalem und nicht in Indersdorf.

Die oberpfälzer Landtagsabgeordnete Kerstin Radler (Freie Wähler), die dem Arbeitskreis Erinnerungskultur des Landtags angehört, betonte die Bedeutung der Erinnerung und Aufarbeitung der Geschichte in einer Zeit der spalterischen, rechtsradikalen und antisemitischen Tendenzen.

Zur Pflege des Andenkens an Greta Fischer gehört das nach ihr benannte sonderpädagogische Förderzentrum in Dachau – die Greta-Fischer-Schule. Deren Schulleiterin Viktoria Spitzauer überreichte dem Hadassah-Krankenhaus ein Portrait der legendären Sozialarbeiterin. Die ehemalige stellvertretende Schulleiterin, Irma Wilfurt, machte in ihrer Rede deutlich, wie das humanitäre und pädagogische Vermächtnis Greta Fischers in die Arbeit am Förderzentrum eingewoben ist. Korrespondierend dazu legte die heutige Leiterin der Abteilung für Sozialarbeit am Hadassah, Estelle Rubinstein, dar, wie der Geist von Greta Fischer noch heute die Arbeit im Krankenhaus beseelt.

Anna Andlauer rekapitulierte für die Besucherinnen das außergewöhnliche Wirken von Greta Fischer in Indersdorf und spielte ein historisches Interview ein, das die gefeierte Protagonistin des Tages selbst zu Wort kommen ließ.

Am Rande des Festaktes bestätigten alle Mitglieder der deutschen Delegation, dass die Geschichte des Kinderzentrums Indersdorf ohne Anna Andlauer verloren gegangen wäre. So auch Gemeinderat Olaf Schellenberger, dem es ein Anliegen ist, das Andenken an das Engagement von Greta Fischer weiter zu fördern.

Als krönenden Abschluss der rundum gelungenen und sehr bewegenden Veranstaltung präsentierte die deutsche Delegation das von der Lehrerin Antje Prigge verfasste Greta-Fischer-Lied, in dessen Refrain dann alle BesucherInnen der Veranstaltung einstimmten.

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