Auf einigen Äckern werden bereits Bodenproben für die neue Stromleitung genommen. Foto: Bayernwerk AG

Grundstücksbesitzer wollen unterirdische Hochspannungsleitung verhindern

Gegen die Ökostrom-Autobahn

  • schließen

Nicht alle Grundstücksbesitzer wollen die unterirdische Hochspannungsleitung, die das Bayernwerk zwischen Kleinschwabhausen und Oberbachern plant. 

Indersdorf/Bergkirchen – Es ist grundsätzlich eine erfreuliche Entwicklung: Im Landkreis gibt es immer mehr Photovoltaikanlagen, Windräder und Biogasanlagen. Aber das bringt auch die Herausforderung mit sich, dass der produzierte Strom transportiert werden muss. Dazu plant das Bayernwerk nun eine rund 19 Kilometer lange Hochspannungsleitung zwischen dem neuen Umspannwerk Kleinschwabhausen und dem Umspannwerk in Oberbachern.

Das Kabel soll in der Erde verlegt werden, doch nicht alle betroffenen Grundstückseigentümer und Pächter sind bis jetzt bereit, ihre Flächen dafür zur Verfügung zu stellen. Deshalb wird es jetzt ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren geben: Dabei handelt es sich um ein Genehmigungsverfahren für größere Vorhaben in der Infrastruktur, an dessen Ende der Planfeststellungsbeschluss und damit auch die finale Baugenehmigung steht. Für die bislang widerspenstigen Grundstücksbesitzer bedeutet dies: Sie könnten durch den Beschluss auch zur Übergabe ihrer Flächen gezwungen werden.


Lesen Sie dazu auch: Für neuen TSV-Sportpark: Hochspannungsleitung kommt unter die Erde


„Wir haben versucht, mit allen Eigentümern und Pächtern Einzelvereinbarungen abzuschließen“, erklärt Christian Martens von der Bayernwerk AG. Mit knapp 70 Personen hätte man Verhandlungen geführt, „mit ungefähr 95 Prozent sind wir uns einig geworden“. Rund fünf Prozent hätten sich jedoch gegen das Projekt gewandt. „Wir haben auch nicht überall die Erlaubnis, die Privatgrundstücke zu betreten, um Bodenproben zu nehmen“, erklärt Martens.

Zirka 150 Proben müssen entnommen werden, um den Boden zum Beispiel auf Feuchtigkeit, Trockenheit oder Gestein zu untersuchen. „Das ist wichtig für die Bauplanung und um den genauen Trassenverlauf zu bestimmen“, erklärt der Bayernwerk-Vertreter. Bis jetzt stünde erst eine grobe Route fest. Sie soll vom Umspannwerk Kleinschwabhausen nach Süden verlaufen und westlich an Langenpettenbach und Westerholzhausen sowie östlich an Hirtlbach vorbeiführen. Weiter geht es an Arnbach vorbei und über Rienshofen und Edenholzhausen Richtung Schwabhausen und schließlich ans Umspannwerk Oberbachern. „Uns ist es wichtig, eine möglichst kurze und kostengünstigste Strecke zu finden“, betont Martens.

Die Gründe, weshalb Landwirte einer Verlegung von Leitungen in ihrem Boden zunächst skeptisch gegenüber stünden, seien vielfältig, erklärt Franz Sedlmeier vom Bayerischen Bauernverband (BBV). Manche hätten schon negative Erfahrungen mit dem Leitungsbau gemacht, weil Folgeschäden entstanden seien. „Noch 15 Jahre später kann es dann Mindererträge von zehn bis 15 Prozent geben“, weiß Sedlmeier. Ein weiterer Aspekt sei, dass die Fläche im Leitungsbereich nicht mehr mit Gebäuden bebaubar sei, vor allem im ortsnahen Bereich sei das „ein wichtiger Aspekt“. Außerdem sei die Frage der Entschädigung noch ungeklärt.

Der BBV habe bereits zwei Verhandlungen für einen Rahmenvertrag mit dem Bayernwerk geführt. „Wir hätten schon gedacht, dass man sich einig wird“, so Sedlmeier. Doch Christian Martens findet, dass es für einen Rahmenvertrag noch zu früh sei: „Da sind wir noch zu weit vom Baubeginn entfernt“, sagt er. Über die Höhe der Entschädigung zu verhandeln mache erst Sinn, wenn man wisse, wie hoch der Bodenwert bei der Umsetzung der Maßnahme sei. Grundsätzlich, so Martens, strebe Bayernwerk aber weiterhin eine einheitliche Regelung an. „Jeder Landwirt wird in gleicher Höhe entschädigt.“

Martens betont außerdem, dass bei der Verlegung der Leitung sorgfältig vorgegangen würde. „Der Boden nimmt keinen dauerhaften Schaden“, verspricht er. Außerdem werde es drei Jahre nach der Leitungsverlegung eine bodenkundliche Baubegleitung geben, bei der überprüft werde, ob alles in Ordnung sei.

Die Verlegungsarbeiten selbst sollen in einer 200 bis 300 Meter langen Wanderbaustelle erfolgen. Bis es losgeht, dauert es aber: Bis Mitte nächsten Jahres wird die Bayernwerk AG die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren bei der Regierung von Oberbayern einreichen. Parallel dazu gibt es weitere Gespräche mit allen Beteiligten. Sollte die Regierung in dem Verfahren zu dem Schluss kommen, dass das allgemeine Interesse an der Leitung höher wiegt als das Interesse einzelner Grundstückseigentümer, dann kann das Kabel auch ohne deren Einverständnis verlegt werden. „Das ist aber wirklich der letzte Schritt“, sagt Christian Martens. Er betont, wie wichtig die Leitung sei: „Die Trasse ist notwendig für die Stabilität des Netzes. Ohne sie können wir nicht alle regenerativen Energien aufnehmen.“

Die Bayernwerk AG investiert 14 Millionen Euro in die Kabelverbindung, Baubeginn wird frühestens in der ersten Jahreshälfte 2021 sein.

Den genauen Verlauf

der geplanten Stromleitung kann man im Internet unter www.bayernwerk-netz.de einsehen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dachaus Straßen werden leiser
Das Pilotprojekt, einen Teilabschnitt der Schleißheimer Straße mit einer geräuschmindernden Deckenschicht zu versehen, ist gelungen. Ein Gutachten bescheinigt der …
Dachaus Straßen werden leiser
Karlsfelder Kornelius-Kindergarten feiert 50-jähriges Bestehen
Auf fünf Jahrzehnte konnte der evangelische Kornelius-Kindergarten am Samstag zurückblicken. Und der Rückblick zeigte: Kindergärten sind immer ein Spiegel ihrer Zeit.
Karlsfelder Kornelius-Kindergarten feiert 50-jähriges Bestehen
Mondscheinbaden bis 4 Uhr Früh
Eine Mega-Party ist die Caribic-Night im Freibad Ainhofen: Dank des herrlichen Hochsommerwetters bescherte sie 2400 Besuchern Feierspaß und Badevergnügen bei Mondschein …
Mondscheinbaden bis 4 Uhr Früh
Eine Feier nach allen Regeln der Kunst
Die Dachauer Realschule hat ihre Absolventen verabschiedet. Es wurde eine wehmütige Feier.
Eine Feier nach allen Regeln der Kunst

Kommentare