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Im vergangenen Jahr fuhr ein Mann in Markt Indersdorf in das Haus seiner Ex-Freundin. 

Dreifacher versuchter Mord?

Mann rast mit VW-Bus in Haus seiner Ex: „Er wollte töten. Punkt, fertig, aus“

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Mit seinem VW-Bus ist ein 33-Jähriger im vergangenen Sommer ins Haus seiner Ex-Freundin in Indersdorf gerast. Jetzt ist ein Urteil gefallen.

München/Indersdorf – Vier Stunden blickte der Angeklagte starr zu Boden. Er wandte sich nicht um zu seinen beiden Verteidigern, er schaute nicht zum Richtertisch hinauf, und schon gar nicht drehte er sich hinüber in Richtung Zuhörerbänke. Erst als der Vorsitzende Richter am Landgericht, Thomas Bott, nach Schließung der Beweisaufnahme und teilweise flammenden Plädoyers dem 33-Jährigen das letzte Wort erteilte, hob der zum ersten Mal den Kopf, stand auf, drehte sich zum Publikum und blickte seiner Ex-Freundin sowie deren Lebensgefährten direkt in die Augen. Mit zitternder Stimme erklärte er dann, dass er sich entschuldigen wolle, dass es ihm leid tue, dass er niemanden verletzten, geschweige denn töten wollte. Fast schon flehend bat er darum, ihm zu „glauben, was ich sage“.

Mann raste mit VW-Bus in Haus seiner Ex-Freundin in Markt Indersdorf

Tatsächlich war es am Ende eine Glaubensfrage: Ist der 33-Jährige am Abend des 14. Juni 2018 mit seinem VW T4 durch die Hecke und den Zaun des Anwesens an der Sonnenstraße 22 in Indersdorf gefahren, um seine Ex-Freundin und deren neuen Freund zu töten? Oder wollte er die Frau einfach nur zu einem letzten, finalen Gespräch zwingen?

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Mit VW in Haus der Ex gefahren: „Er wollte töten. Punkt, fertig, aus.“

Staatsanwalt Maximilian Huprich beantwortete die Frage klar: „Er wollte töten. Punkt, fertig, aus.“ Wie sonst sei es zu erklären, dass der Angeklagte mit „Tempo 50 durch die Hecke blind ins Haus donnert“? Dass neben der Ex-Freundin und deren neuen Freund auch noch die im ersten Stock schlafende Tochter der Ex hätte zu Schaden kommen können, habe der Angeklagte zudem billigend in Kauf genommen: Bei einem Fertighaus sei es schließlich nicht unwahrscheinlich, dass „die Hütte einstürzt“, wenn man „voll in den Stützpfeiler fährt“. 

Weil der gebürtige Cottbusser zum neuen Freund auch „Ich bring dich um“ gesagt und die Ex-Freundin nach dem Autocrash ins Haus auch noch verfolgt und gepackt hatte, sah Staatsanwalt Huprich sogar mehrere Straftatbestände als erfüllt an: den des dreifachen versuchten Mordes, der Zerstörung von Bauwerken, der Körperverletzung und der Bedrohung. Nur „mit Bauchschmerzen“ fordere er dafür keine lebenslange, sondern nur eine elfjährige Haftstrafe.

Verteidigung: „Verbale Aufrüstung“ der An

Die Verteidigung dagegen sah den Fall – naturgemäß – anders. Rechtsanwältin Regina Rick beklagte in ihrem Plädoyer zunächst die „verbale Aufrüstung“ der Anklage: Aus einer anfänglichen Sachbeschädigung sei am Ende ein dreifacher versuchter Mord geworden. Genau wie ihr Kollege Klaus Wittmann konnte sie keinerlei Heimtücke, die ja als juristisches Mordmerkmal gilt, erkennen: Der Angeklagte habe doch gar nicht wissen können, ob sich die Ex-Freundin und deren Freund gerade auf der Terrasse befunden hätten, als er in den Garten fuhr. 

Was ihr Mandant aber sicher gewusst habe: Dass das Fertighaus, in dem er jahrelang mit seiner Ex-Freundin lebte, eben nicht einstürzt, wenn man eine Wand herausnimmt – dies sei nämlich beim Verkaufsgespräch des Hauses eindeutig gesagt worden! Zudem habe ein Sachverständiger explizit betont, dass das Auto nach dem Durchbrechen von Zaun und Hecke überhaupt nicht mehr steuerbar gewesen sei. Für Rechtsanwalt Wittmann war daher klar: „Man kann doch nicht unterstellen, dass er mit Mordgelüsten zum Haus gefahren und dann in die Terrasse gezirkelt ist!“ Seinem Mandanten seien schlicht „die „Sicherungen durchgebrannt“, er habe sich „nur bemerkbar machen“ und mit der 30-Jährigen reden wollen! Statt des versuchten Mordes sahen Rick und Wittmann allenfalls die Körperverletzung sowie die Gebäudezerstörung als gegeben an.

Mann rast mit Auto in Haus der Ex-Freundin: „Das war dein größter Fehler, ich bring dich um“

Die Kammer folgte nach langer Beratung aber der Argumentation der Staatsanwaltschaft. Der 33-jährige, gelernte Automechaniker habe um die Wucht seines 150 PS starken VW T4 wissen müssen, er habe die Örtlichkeit und die Gewohnheiten seiner Ex-Lebensgefährtin gekannt. Die letzten 100 Meter zum Haus sei er, so Richter Bott, „geradeaus, beschleunigend und in den dritten Gang hochschaltend“ gefahren – „wie am Lineal gezogen“. Auch dass er am Ende, als ihn der neue Freund seiner Ex bereits überwältigt hatte, noch brüllte „Das war dein größter Fehler, ich bring dich um“, konnte laut Kammer nur in eine Richtung deuten: dass der Angeklagte den Angriff mindestens mit einem bedingten Tötungsvorsatz gegen seine Ex-Freundin und deren Partner durchführte.

Die Strafe dafür ist hart: Der 33-Jährige muss für sieben Jahre in Haft. Zudem darf er vier Jahre, „wegen charakterlicher Ungeeignetheit“, nicht Auto fahren. Angesichts der Haftstrafe, so Bott, ist dies allerdings „eher akademischer Natur“.

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*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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