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Die neue Standesamtsleiterin Nadine Ostermeier im Indersdorfer Trauungssaal.

Ab 1. Mai hat Indersdorf eine neue Standesamtsleiterin: Nadine Ostermeier (23).

„Der Liebe kann so ein Virus nichts anhaben“

Ab 1. Mai hat Indersdorf eine neue Standesamtsleiterin. Die 23-jährige Indersdorferin Nadine Ostermeier. In einem Gespräch mit der Heimatzeitung erzählt sie Geschichten aus dem Trauungssaal.

Indersdorf– Seit zwei Jahren arbeitet Nadine Ostermeier bereits als Standesbeamtin, noch heuer hat sie ihre 100. Trauung vor sich. Im Interview erzählt sie von ihren schönsten Erlebnissen, und Hochzeiten in Zeiten von Corona.

Frau Ostermeier, was ist das Schönste am Standesbeamtin sein?

Ostermeier: Ganz klar, die Hochzeiten. Das ist jedes Mal etwas ganz Besonderes – natürlich auch für mich. Schließlich darf ich ein kleines Stückchen dabei mithelfen, dass dieser Tag wirklich einer der schönsten Tage im Leben des Brautpaars wird. Ich sage immer, schöne und wichtige Tage gibt es viele – aber die Hochzeit ist eben einer der schönsten Tage.

Was war das Rührendste, das Sie bei einer Trauung erlebt haben?

Vergangenen Mai habe ich meine beste Freundin getraut. Das war natürlich wahnsinnig emotional.

Mussten Sie mitweinen?mmmmmmm

Bei der Rede war es schon schwer, keine Freudentränen zu vergießen, aber ich hab’s geschafft – am Ende sind dann aber schon zwei Tränen geflossen.

Was hat Sie sonst noch bewegt?

Besonders schön ist es immer, wenn sich die Paare persönliche Eheversprechen geben. Mit eigenen Worten. Oder einmal war unser ganzes Foyer voll mit Freunden, die mit dem Paar feiern wollten. Es kommen zwar immer einige Leute – aber so viele... Sowas vergisst man nicht.

Schreiben Sie alle Ihre Reden ganz persönlich für die Brautpaare?

Selbstverständlich. Ich habe gelernt, dass ich alles, was ich dem Brautpaar mitgebe, auch so meinen muss. Und das kann ich nicht, wenn ich irgendwelche vorgefertigten Reden ablesen würde. Jedes Wort habe ich geschrieben. Jedes Wort mein’ ich auch so.

Wie gelingt es, eine ganz persönliche Rede zu schreiben?

Ich unterhalte mich mit dem Brautpaar, höre bei den Details wie der Kennenlerngeschichte oder gemeinsamen Hobbys gut zu. Diese kleinen, persönlichen Geschichten lasse ich dann in meine Rede einfließen. So wird jede Trauung ganz einzigartig.

Zum Beispiel?

Einmal hab’ ich den Bräutigam gefragt, was das Besondere an der Beziehung ist. Er sagte: „Einfach alles.“ Beim Heiratsantrag hatte er sich mächtig ins Zeug gelegt, ewig lange alles geplant. Bei der Trauung habe ich dem Paar dann gesagt: „Es sind die großen Sachen, aber auch die ganz kleinen Dinge, die, die jeden Tag passieren, die eine Beziehung und die Liebe ausmachen.“

Gab’s schon mal Pannen? Nur nette, versteht sich!

Manchmal klappt’s einfach nicht so recht, die Ringe anzustecken. Und einmal hatte ein Paar bereits ein kleines Kind. Das saß die ganze Zeit total brav auf dem Schoß der Oma. Und genau in dem Moment, als ich den Spatz in der Rede erwähnte, fing er ganz fest an zu Brabbeln. Das war sehr süß.

In Zeiten der Corona-Pandemie ändern sich auch Hochzeiten radikal. Was beobachten Sie?

Es gibt viele, die ihre Trauung absagen, weil Sie sagen, sie wollen eben mit all den Menschen feiern, die ihnen am Herzen liegen, das verstehen wir natürlich.

Haben Sie schon Paare getraut, seit die Corona-Beschränkungen gelten?

Ja, ein Paar. Da galten noch die ganz strengen Auflagen. Nur das Paar und die Trauzeugen waren im Saal erlaubt.

Ist das jetzt anders?

Ja, seit ganz Kurzem. Jetzt sind zehn Personen bei der Trauung erlaubt. Vor den Corona-Beschränkungen waren oft so um die 20 Leute im Saal. Aber auch manchmal nur das Paar und die Trauzeugen. Das ist auch sehr schön intim und besonders.

Haben Sie Ihre Rede irgendwie speziell verändert, um dem Paar einen besonders schönen Tag zu machen?

Nein. Die Rede ist sowieso sehr persönlich. Und ich wollte das Paar nicht auch noch dran erinnern, dass die Trauung vielleicht gerade anders ist, als es sich ursprünglich vorgestellt hat. Die Trauung war trotzdem sehr romantisch und sehr intim. Der Liebe kann so ein Virus eh nichts anhaben.

Das Interview führte:
Christiane Breitenberger

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