Ein Hoch auf die 100-jährige Mia Lachmann (Vierte v.l.): Landrat Stefan Löwl, Stefan und Erika Moor vom VdK, Bürgermeister Franz Obesser und Julia Wechslberger von der Sparkasse (v.l.) gratulierten. 
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Ein Hoch auf die 100-jährige Mia Lachmann (Vierte v.l.): Landrat Stefan Löwl, Stefan und Erika Moor vom VdK, Bürgermeister Franz Obesser und Julia Wechslberger von der Sparkasse (v.l.) gratulierten. 

Sie feierte mit der Familie

Mia Lachmann feiert 100. Geburtstag - Sie arbeitete einst für einen Baron

  • vonJosef Ostermair
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Die Indersdorferin Mia Lachmann hat ihren 100. Geburstag gefeiert. Ihr Leben war von vielen Schicksalsschlägen durchbeutelt, doch sie hat nie aufgegeben. 

Indersdorf– Bei guter Gesundheit hat Mia Lachmann aus dem Indersdorfer Gemeindeteil Karpfhofen ihren 100. Geburtstag gefeiert. Zum Gratulieren kamen unter anderem Landrat Stefan Löwl und Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser. Auch Erika und Stefan Moor vom VdK-Ortsverband Indersdorf wünschte dem ältesten Mitglied alles Gute. Sie alle staunten, was die Jubilarin über ihr Leben mit vielen Schicksalsschlägen zu erzählen hatte. Dennoch hat sie nie ihren Humor und ihre Fröhlichkeit verloren.

Mia Lachmann kam als sechstes von acht Kindern in Niederschlesien zur Welt. Hier arbeitete sie auf dem elterlichen Hof, bevor sie 1940 eine Stelle als Hausangestellte bei einem Spengler-und Dachdeckerbetrieb antreten durfte und so ihr erstes Geld verdiente. Mangels männlicher Arbeitskräfte, die alle im Krieg waren, musste sie schwerste Arbeit übernehmen und mit Pferdefuhrwerken verschiedene Baustellen mit Material beliefern. Sicher keine leichte Arbeit für eine junge Frau.

Sie feiert 100. Geburtstag: Mia Lachmann arbeitete einst bei einem Baron

1941 fand sie dann eine Stelle in einer Gastwirtschaft, wo sie sich ihren Traum vom Kochen erfüllen durfte. Ein Jahr später bekam sie eine, für damalige Verhältnisse, besonders herausragende Stelle als Hauswirtschafterin im Schloss Lichtenau. Ihr Arbeitgeber war ein Baron, der ihr die Arbeit in der Organisation des Hauses anvertraute und auch ihre Fähigkeiten als Kutscherin schätzte. Noch gut erinnert sich Mia Lachmann auch an die damalige Verpflegung der im Schloss als Helfer abgestellten Kriegsgefangenen.

1942 lernte sie ihren späteren Mann Heinz kennen, den sie an ihren 24. Geburtstag in Walddorf heiratete, anschließend aber nur sah, wenn er Fronturlaub hatte. Nach Kriegsende war ganz Schlesien unter polnischer Verwaltung und Mia Lachmann, die zwei kleine Kinder zu versorgen hatte, auf sich alleine gestellt.

Mia Lachmann musste mit ihren beiden Kindern nach dem Krieg nach Wirdum

Nicht vergessen kann sie den Tag im Juli 1946 an dem sie, wie alle anderen Bewohnern im Ort Lichtenau aufgefordert wurde, mit ihren beiden kleinen Töchtern sich morgens um 8 Uhr an der Straße mit höchstens 20 Kilo Gepäck einzufinden. Von da aus ging es zu Fuß zum fünf Kilometer entfernten Bahnhof in Lauban. Dort waren englische Soldaten zuständig, die Heimatvertriebenen in Güter- und Viehwaggons nach vielen Stunden Bahnfahrt nach Wirdum zu bringen. Die Angst des Krieges und die Bedrohung der polnischen Milizen waren ständige Begleiter.

Ihr Mann Heinz, der nach der amerikanischen Kriegsgefangenschaft in München und Dachau eine Ausbildung bei der Polizei absolvierte, wurde bei der Landpolizei in Schwabhausen stationiert. So gingen Briefe von Ostfriesland und Bayern hin und her, denn der Ehemann wollte so schnell wie möglich seine Familie nachholen. Er hatte seine 1945 geborene zweite Tochter Dagmar noch nicht gesehen. 1946 erhielt Mia Lachmann im Sommer einen Brief von ihrem Gatten, in dem es hieß: „Einen Strohsack hab ich schon.“ Dieser Brief beschreibt deutlich die Armut, aber zugleich auch die Zuversicht auf eine Besserung der Lebensumstände. Im Spätsommer 1946 glückte schließlich die Familienzusammenführung in Schwabhausen.

Die Familie Lachmann musste oft umziehen

Leider folgten, bedingt durch den Polizeidienst ihres Mannes, weitere Umzüge nach Odelzhausen und Dachau, bis es endlich für die Eheleute mit ihren mittlerweile vier Mädchen und vier Buben eine größere Wohnung gab. 1968 suchten die Lachmanns ein letztes Mal ein neues Zuhause und fanden dieses in Karpfhofen. Dort wurde 1980 das alte Haus abgerissen und ein Reihenhaus gebaut. Hier haben die Lachmanns über Jahre ihren Gemüsegarten gepflegt.

Leider ist Ehemann Heinz schon 2008 verstorben. Das war der zweite Schicksalsschlag, den Mia Lachmann verkraften musste, denn sie hat bereits ihre 35-jährige Tochter Dagmar verloren.

Der Garten ist Mia Lachmanns Lebenselixier

Auch mit 99 war der Garten noch ihr Lebenselixier. Was ihr als 100-Jährige immer noch große Freude macht, ist das Singen und dem Zwitschern der Vögel in der Natur zuzuhören.

Wie von einer Schwiegertochter zu erfahren war, ist die 100-Jährige, die auch gerne mal ein Schnäpschen trinkt, auch noch eitel, wenn es ums Anziehen geht. Auf ihren besonderen Wunsch hin kamen die sieben Kinder, 13 Enkel, zwölf Urenkel und zwei Ururenkel zu einer großen Familienfeier im Gasthof Göttler in Rumeltshausen zusammen. Dort spielte der Jubilarin zu Ehren die Blaskapelle Schwabhausen auf, in der Sohn Sigi der Sänger ist. Seiner Mutter zu Ehren wurde zuvor fleißig für das gewünschte Lied „Hohe Tannen“, das insbesondere die Heimatvertriebenen gerne singen, geprobt.

ost

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