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Die Familie Gschwendtner: Käthi, Josef, Karl, Matthäu s und Theres (oben von links); und unten die Eltern mit Anton und Nesthäkchen Maria.

Stifterin Brigitte Gschwendtner über das Vermächtnis ihrer Familie

In Indersdorf eröffnet ein soziales Leuchtturmprojekt

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In Indersdorf wird am 27. September ein soziales Leuchtturmprojekt für die Gemeinde und den Landkreis eingeweiht. Caritas-Zentrum, Sozialwohnungen und Wohnungen für Senioren – alles in einem Gebäude. 

Markt Indersdorf - Möglich wurde dieses Projekt nur dank der Maria-Gschwendtner-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreis Dachau. Im Interview erinnert Stifterin Brigitte Gschwendtner (73) an ihre Tante und deren Familie und erklärt, wieso sie eine Stiftung ins Leben gerufen hat, die ortsnahes Wohnen für Senioren in Indersdorf möglich machen soll und sich für die Förderung psychisch Kranker einsetzt.

Frau Geschwendtner, Sie sind mit Ihrer Familie in Forchheim aufgewachsen. Ihr Vater – Maria Gschwendtners Bruder – arbeitete dort als Lehrer. Trotzdem waren Sie oft zu Besuch in Indersdorf. Welche Erinnerungen haben Sie an den Ort?

Die Familie Gschwendtner hatte in Indersdorf eine große Landwirtschaft, eine Gastwirtschaft und eine Metzgerei. Als ich noch ein Kind war, gab es das noch alles. Wir verbrachten die Ferien immer auf dem Hof. Dort war immer viel los. Die Onkels, die Tanten, der Betrieb, das gute Essen – das war eine schöne Zeit.

Steht das Gebäude noch, in dem die Gastwirtschaft war?

Nein, die Wirtschaft in der Freisinger Straße wurde vor etwa zehn Jahren abgerissen. Die Familie lebte, nachdem die Wirtschaft verpachtet wurde, am Hammerschmiedweg bei ihrer Gärtnerei.

Ihre Tante war die Jüngste in einer bedeutenden großen Indersdorfer Familie.

Meine Großeltern, Matthäus und Therese, hatten acht Kinder. Maria war das Nesthäkchen, sie kam 1916 in Indersdorf auf die Welt. Alle bis auf Maria wurden nicht besonders alt. Ernst starb noch als Kind, Anton fiel im Zweiten Weltkrieg. Josef, Theres, Käthi, Karl und Maria arbeiteten alle in Landwirtschaft, Gasthaus und Metzgerei mit. Der einzige der Geschwister, der heiratete und Kinder bekam, war mein Vater. Er war Gymnasiallehrer und später Schulleiter in Forchheim.

Stifterin Brigitte Gschwendtner.

Warum haben Sie mit dem Erbe Ihrer Tante eine Stiftung gegründet?

Ich habe von meiner Indersdorfer Familie zwei große Dinge gelernt: Großzügigkeit und Gastfreundschaft. Mein Onkel Josef gab früher zum Beispiel günstig Bauland für die Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg her, auch im Gasthof lebten Flüchtlinge. Eine meiner Tanten sagte immer zu mir: „Iss und trink und sei gern da.“ So waren die Gschwendtners.

Warum aber eine Stiftung, warum nicht einfach eine Spende an die Gemeinde – hatten Sie ein bestimmtes Ziel?

Ich wollte, dass etwas im Ort geschaffen wird, das Senioren und psychisch Kranken zu Gute kommt. Ein Projekt, das es ermöglicht, dass die Leute direkt im Ort, nicht irgendwo isoliert, leben können und falls nötig, schnell Hilfe bekommen können. Ganz ohne Angst haben zu müssen, dafür stigmatisiert zu werden. Zudem wollte ich, dass etwas von der Familie im Ort dauerhaft erhalten bleibt – etwas Gutes.

Ist das mit dem Maria-Gschwendtner-Haus gelungen?

In dem Haus sind 25 Sozialwohnungen entstanden, fünf davon sind aus der Stiftung vorrangig für Indersdorfer Senioren. Schön ist, dass die Menschen, die Hilfe brauchen, sie direkt im Erdgeschoss von der Caritas bekommen.

Wird im namensgleichen Haus verewigt: Maria Gschwendtner. 

Ihnen lag vor allem etwas daran, psychisch Kranke zu unterstützen, da Ihre Tante nicht so viel Glück im Leben hatte.

Meine Tante hatte schon immer mit psychischen Problemen zu kämpfen. Dabei hatte sie sehr gute Phasen – sie arbeitete voll in der Gast- und Landwirtschaft mit, war eine herausragende Köchin und schmiss später den Haushalt für die Familie. Doch es gab auch schlechte Phasen – ausgelöst durch bestimmte Schübe, wenn zum Beispiel jemand aus der Familie starb. Sie war auch immer wieder in Kliniken – das war sehr schlimm.

Ja, früher gab es leider viele Angebote nicht, die wir heute haben. Psychisch Kranke wurden oft nicht gut behandelt.

Genau. Meine Tante konnte zum Beispiel keine Kinder bekommen, wurde zwangssterilisiert. Sie hat sehr gelitten, wenn sie in der Klinik sein musste. Angebote wie es sie heute gibt, existierten damals nicht. Wohngruppen, leichtere Medikamente oder unterstützende Beratungen – all das gab es früher nicht. In den 30er Jahren war es brandgefährlich, psychisch krank zu sein. Die Familie musste sehr aufpassen, dass Maria nicht in ein Euthanasieprogramm kam. Bis zur Psychiatriereform in den 70er-Jahren waren die Zustände in den Kliniken ziemlich hart. Später, als ich bereits erwachsen war, habe ich im Zusammenhang mit meiner Tante sehr gute Erfahrungen mit dem sozialpsychiatrischen Fachdienst der Caritas gemacht. Auch deshalb ist es schön, dass jetzt eine Beratungsstelle für psychische Gesundheit im Maria-Gschwendtner-Haus untergebracht ist.

Seit der Stiftungsgründung sind 16 Jahre vergangen, bis endlich ein Projekt realisiert werden konnte (siehe Infokasten). Hat Sie die lange Wartezeit frustriert?

Selbstverständlich. Zwischenzeitlich war ich sogar soweit, dass ich mich gefragt habe: „Ja, wollen das die Indersdorfer denn überhaupt?“ Ich hatte mich sogar schon anderweitig bei mir zu Hause in Nürnberg umgehört, welche Projekte es hier so gibt. Man kann eine Stiftung natürlich auch durchaus wieder auflösen.

Sind Sie trotzdem froh, dass Sie durchgehalten haben, so lange zu warten, bis das Projekt in Indersdorf realisiert werden kann?
Ja, Josef Kreitmeir hat sich da reingekniet und das Projekt zu seiner Sache gemacht. Er und die Mitglieder des Stiftungsrates haben mich stets gut unterstützt – jetzt bin ich sehr froh, das Warten hat sich gelohnt. Es ist ein tolles Projekt entstanden!

Maria Gschwendtner konnte nicht in Indersdorf bleiben, als es ihr gesundheitlich nicht mehr so gut ging – sie musste in ein Seniorenwohnheim nach Altomünster umziehen. Denken Sie, Ihr hätte gefallen, was Sie mit ihrem Erbe gemacht haben? Hätte Sie das Haus gemocht?

Hätte es damals für meine Tante eine Möglichkeit gegeben, in Indersdorf wohnen zu bleiben, wo sie die Menschen und ihren Kirchweg gekannt hat – das wäre sicher für sie leichter gewesen. Ich denke, das Haus wäre nach ihrem Geschmack. Ein Haus, in dem sich was rührt, in dem man sich austauschen und ratschen kann, das hätte ihr gefallen. Ein Ort, an dem es niederschwellige Angebote gibt, an dem sich keiner stigmatisiert fühlen muss – das ist im Sinne meiner Tante.

Unterstützer

Wer Zustifter/Spender der Maria-Gschwendtner-Stiftung werden will, kann seine Zustiftung/Spende an das folgende Konto überweisen: Maria-Gschwendtner-Stiftung IBAN: DE63 7005 1540 0000 5907 86 BIC: BYLADEM1DAH Institut: Sparkasse Dachau Verwendungszweck: Zustiftung bzw. Spende. Weitere Infos erteilt im Rathaus Philipp Blumenschein (08136/934-209).

Das Haus im Überblick

Im neuen Caritas-Zentrum in Indersdorf (Am Bahnhof 2) sind neben Räumen für Begegnung, Austausch und Veranstaltungen einige Beratungsstellen zu finden: die Jugend- und Elternberatung, die Beratungsstelle für psychische Gesundheit, die Suchtberatung, die Kontaktstelle für Menschen mit Behinderung, die Allgemeine Soziale Beratung, die Schuldner- und Insolvenzberatung sowie die Migrationsberatung. Auf den weiteren drei Etagen baute die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises Dachau 20 Sozialwohnungen und die Maria-Gschwendtner-Stiftung weitere fünf Wohnungen für Indersdorfer, vorrangig für Senioren. Das Haus wird am Freitag, 27. September, bei einem Tag der offenen Tür von 14 bis 17 Uhr eingeweiht.

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