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In diesen beiden Sonderzonen am Marktplatz (l.) und im Bereich Kloster (r.) gilt künftig: Gastronomie und Handel müssen nur noch die Hälfte der Stellplätze ablösen.

Beschluss des Indersdorfer Gemeinderats zur Stellplatzsatzung

Gemeinde will Ortskerne beleben

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Die Gemeinde Indersdorf hat sich nach rund 20 Jahren eine neue Stellplatzsatzung gegeben. Die interessanteste Neuerung dabei: Die Gemeinderäte haben beschlossen, zwei Sonderzonen einzurichten.

Indersdorf – Eine im Bereich Kloster, eine im Bereich Marktplatz. In diesen beiden Zonen gelten für Gastronomie und Handel künftig andere Regeln: Hier müssen nur noch die Hälfte der vorgeschriebenen Stellplätze nachgewiesen werden. Eigentlich wollte der Gemeinderat in diesen Bereichen einfach die Ablösesumme für Stellplatze verringern – doch das wäre rechtlich nicht zulässig, wie Bauamtsleiter Erich Weisser in der Sitzung erklärte. Deshalb hat sich die Verwaltung zusammen mit einem Anwalt eine andere Lösung überlegt: Für Betriebe und Gastronomie werden künftig „einfach weniger Stellplätze gefordert“, erklärte Weisser. Nämlich: die Hälfte der vorgeschriebenen Anzahl.

Hintergrund des Ganzen war, dass es die Gemeinderäte künftig finanziell etwas leichter machen wollen, wenn jemand etwas zur Belebung dieser Plätze im Ort etwas beitragen will. Bauamtsleiter Erich Weisser erklärte in der Sitzung: „Wir wollen die Belebung der zentralen Stellen im Ort fördern!“ Denn wenn jemand schon hunderttausende Euro für die Stellplatzablöse ausgeben müsse, überlege er sich das Vorhaben vielleicht nochmal.

Das Problem, wenn es um das Thema nachhaltige Verdichtung geht: Geschäfts- oder Gastronomiebetreiber haben oft keine Möglichkeit, die vorgeschriebene Zahl an Stellplätzen zu schaffen – es fehlt schlichtweg am Platz. Die einzige Lösung in so einem Fall: die Stellplätze abzulösen. Das wird künftig teurer: Eine Stellplatzablöse kostet mit der neuen Satzung künftig statt 5000 Euro 15 000 Euro. Ein, laut Weisser, immer noch günstig kalkulierter Preis.

In zwei besonderen Zonen müssen Betroffene eben nur noch die Hälfte der geforderten Plätze ablösen. Erich Weisser erklärt: „In diesen Bereichen haben wir sehr viel Altbestand, sehr viel Denkmalschutz, da ist es schwer bis unmöglich, die geforderten Stellplätze zu schaffen“. Er ergänzt: „Mit der neuen Regel wollen wir Anreize schaffen, im Ort wieder was zu machen.“ Probleme wegen einer zu geringen Parkplatzzahl sieht er nicht: „Bei Geschäften oder Gastronomie gibt es eine hohe Fluktuation.“ Wichtig: Die neuen Regeln gelten nicht für Wohnungen oder Wohnhäuser, hier gilt weiterhin der reguläre Stellplatzschlüssel. Nur „kleiner Einzelhandel oder Gastronomie“, wie Weisser sagt, müssen künftig in den zwei Zonen nur die Hälfte der Stellplätze ablösen.

Hans Lachner ist klar, dass die finanzielle Belastung trotz der Sonderregelung trotzdem noch hoch ist. „Das ist immer noch ein Haufen Geld zum Ablösen.“ Trotzdem denkt er, die Regelung könnte Anreize schaffen. „Wir sollen es auf alle Fälle probieren.“ Er sieht die neue Regel wie der Bauamtsleiter als eine Art Testlauf. „Wenn’s uns aus dem Ruder läuft, ändern wir es eben wieder“, sagt er. Erich Weisser hält fest: „Wir schauen uns das jetzt einfach eine Weile an und können immer noch gegebenenfalls nachjustieren.“

CHRISTIANE BREITENBERGER

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