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Der „Weg des Erinnerns“ soll am Spazierweg zwischen Pfarrheim und Bezirksfriedhof entstehen. Auch am Wasserturm  wird eine Tafel aufgestellt. 

Weg des Erinnerns

Fünf Stationen für Indersdorfs Geschichte

  • vonChristiane Breitenberger
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Es soll ein Weg werden, der an einen wichtigen Teil der Indersdorfer Geschichte erinnern soll. Heimatforscherin Anna Andlauer will einen „Weg des Erinnerns“ ins Leben rufen – damit Geschichte gegenwärtig wird.

 

Indersdorf– Es ist ein weiterer wichtiger Schritt in Sachen Erinnerungsarbeit im Landkreis: Heimatforscherin Anna Andlauer möchte mit dem Heimatverein und in Abstimmung mit Kreisheimatpflegerin Dr. Birgitta Unger-Richter in Indersdorf einen „Weg des Erinnerns“ verwirklichen. Fünf Stationen soll er künftig haben. Und an den Teil der Indersdorfer Geschichte erinnern, der den Ort heute international bekannt gemacht hat. An die Klosterkinder. Von Juli 1945 bis September 1948 bot das Kloster Indersdorf über 1000 Kindern und Jugendlichen aus über 20 Nationen eine zeitweise und sichere Unterkunft. Doch das Projekt soll noch an mehr erinnern: an eine Geschichte, die längst nicht so bekannt ist, eine Geschichte, zu der es kaum noch Informationen und Zeitzeugen gibt. Die grausame Geschichte über die Kinderbaracke (Lokalseite 1).

Die geplanten Stationen mit den großen Erinnerungstafeln im Detail:

Station 1

Wer den geplanten Weg einmal entlang geht, findet die erste Doppeltafel am Kindergarten St. Vinzenz, gegenüber des Indersdorfer Pfarrheims. Genau dort, wo heute der Kindergarten steht, stand im letzten Kriegsjahr 1944 bis 1945 das „Ostarbeiter-Kinderheim Kloster Indersdorf“, die sogenannte Kinderbaracke. 63 Babys und Kleinkinder von osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen waren dort untergebracht, mindestens sind 35 an den Folgen der menschenverachtenden Zustände zu Tode gekommen. „Was genau passiert ist, wissen wir bis heute nicht“, sagt Anna Andlauer. Fest stehe, „dass Kinder dort völlig unterernährt waren, es gibt Gerüchte, dass den Babys Petroleum gespritzt wurde. Es wäre so unfassbar wertvoll, wenn wir noch Zeitzeugen finden könnten, die früher Informationen über die Baracke gehört haben“, betont die Heimatforscherin.

Eine Tafel soll an all die verstorbenen Kinder und ihre wenigen Lebenstage erinnern. Einer von ihnen ist Ilian. Darunter soll der Satz stehen: „Ein Kind, das stirbt, wird zum Mittelpunkt der Welt: Die Sterne und Gefilde sterben mit ihm.“

Andlauer war es wichtig, dass die Texte und Fotos der einzelnen Infotafeln nicht grausam oder angsteinflößend sind. Schließlich werden die Erinnerungsstationen an einem der beliebtesten Spazierwege in Indersdorf aufgestellt und sollen niemanden abschrecken, sondern zum Nachdenken und Innehalten motivieren. Andlauer hofft, dass zum Beispiel Schulklassen den Weg zusammen gehen. Jede Tafel bekommt auch einen QR-Code mit weiteren Infos und eine Frage, die zum Nachdenken anregen soll. Der große Vorteil an so einem Weg des Erinnerns ist: Jeder hat ganz einfach Zugang zu Geschichte. Keiner muss dazu extra in ein Museum gehen, weiß die Heimatforscherin.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs bot das Kloster über 1000 Kindern und Jugendlichen aus über 20 Nationen eine sichere Bleibe. Als rassisch, religiös oder politisch Verfolgte hatten sie schreckliche Dinge erlebt oder gesehen. Überlebende der Kinderbaracke, jüdische und nichtjüdische ausländische Kinder wurden im „Internationalen Kinderzentrum Kloster Indersdorf“ von UNRRA und Barmherzigen Schwestern betreut. Die folgenden Stationen des Gedenkwegs erinnern an sie.

Station 2

Wer also vom Pfarrheim weiter Richtung Wasserturm geht, wird auf die zweite Tafel stoßen. Sie erinnert dann daran, wie die Kinder und Jugendlichen, in der Landwirtschaft auf ihr späteres Leben im Kibbuz in Israel vorbereitet wurden.

Station 3 und 4

Oben angekommen, am Wasserturm, wird man die die dritte Tafel sehen. Auf ihr werden Fotos Jugendlicher neben dem Turm zu sehen sein. Das Thema: „Freizeit der Jugendlichen am Wasserturm“. Auch die vierte Tafel, die neben der Bank am Flurweg an der Kurve Richtung Krankenhaus und Bezirksfriedhof stehen soll, erinnert dann an Geschichten von Überlebenden, die als Kinder und Jugendliche nach dem Krieg im Indersdorfer Kloster gelebt haben.

Station 5

Geht man den Weg weiter Richtung Bezirksfriedhof an der Maroldstraße, wird man die letzte Tafel der fünf Stationen an der Bank vor dem Friedhof sehen – mit Infos zum Bezirksfriedhof und zu den Stelen, die an die Namen der Kinder erinnern, die in der Kinderbaracke gestorben sind.

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