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Zurück zur Natur: Auf der Ausgleichsfläche zwischen der Staatsstraße Indersdorf/Langenpettenbach (2050) will die Gemeinde künftig den Gittersbach öffnen (hellblau), der derzeit verrohrt gerade zur Glonn läuft (dunkelblau). Der weiße Bereich dient als Überlauf bei Starkregen.

Ausgleichsfläche für den sozialen Wohnungsbau - kleines neues Erhohlungsgebiet

Gemeinde will Gittersbach öffnen

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Für Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser ist es wie: ein Sechser im Lotto. Mit einer Maßnahme tut die Gemeinde etwas für den Hochwasserschutz, für die Umwelt und schafft ein kleines neues Erholungsgebiet.

Indersdorf– Am Bahnhof wird mit der Wohnbaugesellschaft des Landkreises und in Absprache mit Caritas und Maria-Gschwendtner-Stiftung ein Komplex mit Sozialwohnungen gebaut. In den oberen Geschossen sollen 16 behindertengerechte Sozialwohnungen entstehen. Unten will die Caritas in das Gebäude einziehen (wir haben mehrfach berichtet). Für diese Baumaßnahme schafft die Gemeinde auf einer anderen Fläche Ausgleich, was das Thema Naturschutz betrifft. Vereinfacht gesagt: Wird ein Baum gefällt, muss die Gemeinde dort etwas gleichwertiges nachpflanzen. Doch die Gemeinde hat sich für diese Fläche noch etwas besonderes überlegt: Sie will den Gittersbach wieder öffnen.

Mit dieser Maßnahme ergeben sich gleich mehrere Vorteile: Die Gemeinde tut was für den Hochwasserschutz, etwas für den Naturschutz, denn der Bach wird aus seiner unnatürlichen Begrenzung befreit, und etwas für die Leute vor Ort, denn: Hier könnte ein „nettes Fleckchen zur Erholung entstehen“, sagt Indersdorfs Bauamtsleiter Erich Weisser.

Zeit für eine kleine Geschichtsstunde: In den 70er Jahren stand die Freisinger Straße bei Starkregen öfter unter Wasser, man entschied sich nach bestem Wissen und Gewissen, den Gittersbach, der damals bis zum Schuhhaus Nißl offen gelaufen war, zu verrohren. Doch das ganze blieb ein riesen hydraulisches Problem. Die Verrohrung schafft nicht das weg, was sie eigentlich sollte, erklärt der Bauamtsleiter. „In der Freisinger Straße steht trotztem immer wieder das Wasser. Zudem ist die Verrohrung ein ökologisches Problem. “

Und hier kommt das Glück mit dem Ausgleichsgrundstück für den sozialen Wohnungsbau am Bahnhof ins Spiel. Die Fläche liegt zwischen Staatsstaße Indersdorf/Langenpettenbach (2050) und der Glonn, bereits 2015 hatte Brigitte Gschwendtner der Gemeinde die Fläche unentgeltlich zur Verfügung gestellt, mit der Bedingung, dass der Bau am Bahnhof realisiert wird. Unter dieser Fläche verläuft auch ein Teil des verrohrten Gittersbaches bis zur Glonn. Und diesen Teil will die Gemeinde jetzt wieder öffnen.

Das hat viele Vorteile, erklärt Erich Weisser. Das Wasser kann hier bei Starkregen über die Ufer treten und in einer Überlaufsfläche versickern. Was das Hochwasser betrifft, dürfte man das an der Freisinger Straße auf alle Fälle merken, so der Bauamtsleiter. Zudem könnte mit dem offenen Bachlauf ein Stück „erlebbare Natur ganz nah am Ort geschaffen werden. Das ist sicher schön. Vielleicht wird’s auch eine Art Naturlehrpfad“. Es gibt sogar eine wegemäßige Anbindung. Ein Naturbad oder dergleichen wird dort alledings nicht entstehen. „Es ist einfach zu teuer, die Wasserqualität dauerhaft entsprechend zu gewährleisten“, erklärt Bürgermeister Franz Obesser.

Für ihn sind das Gebiet und diese Lösung wie „ein Sechser im Lotto“. „Wir tun was für die Natur, für den Hochwasserschutz und die Menschen“. Der Bach komme endlich aus dieser unnatürlichen Begrenzung heraus. Auch in Weichs würde man merken, dass das Hochwasser künftig erst später ankommt.

Doch es dürfte auch Gegner der Maßnahme geben. „Für die Landwirte ist es immer schlecht, wenn immer weniger Flächen für sie zur Verfügung stehen. Zudem werden die Flächen für sie immer teurer“, räumt Weisser ein.

Trotzdem sind Bauamtsleiter und Bürgermeister sehr angetan von der Planung. „In der Gesamtzusammenschau kann ich nur Vorteile sehen“, sagt Franz Obesser, und: „Das wertet den Ortseingang auf.“

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