+
Das lag ihr am Herzen: Gabriele Koch (M.) wollte immer Kindern die Freude an Büchern näherbringen. Hier bei ihrer Verabschiedung mit Vorleser Johannes Hillreiner vor der Bücherei. 

Abschied von einer großen Bücherfreundin  

Indersdorfs Bücherleiterin Gabriele Koch hört auf

  • schließen

Für sie war es der schönste ehrenamtliche Job der Welt: 21 Jahre lang war Gabriele Koch (70) Indersdorfs Büchereileiterin. Jetzt ist es Zeit, aufzuhören. Hier erzählt sie, was für sie die schönsten Momente waren, und warum sie überzeugt ist, dass Leser nette Leute sind.

Indersdorf– Es war ein ganz spontaner Entschluss, damals vor 21 Jahren. Eigentlich war alles wie immer, Freitagsausleihe in der Indersdorfer Bücherei. Gabriele Koch saß hinter dem Tresen. Und plötzlich war ihr klar: „Ich mach’s“. Mites war gemeint, ehrenamtlich die Leitung der Indersdorfer Bücherei zu übernehmen. Ein spontaner Entschluss, den Gabriele Koch, heute 70 Jahre alt, bis jetzt nicht einen Tag lang bereut hat.

Für Gabriele Koch sind Bücher weit mehr, als nur Unterhaltung, sie haben etwas Magisches. Denn: „Mithilfe von Büchern kann man alles Erleben“, sagt sie. Kein Mensch kann, oder soll, wirklich alles in seinem Leben machen. „Aber dank Büchern geht das“, schwärmt Koch. Sie erweitern nicht nur den Horizont und die eigene Persönlichkeit. Mit ihnen kann man eintauchen in die Psyche eines Serienkillers, kann in den tiefsten Dschungel reisen oder den höchsten Berg besteigen.

Kein Wunder, dass Koch bereits von Anfang an, vor 40 Jahren, in der Bücherei mitarbeiten wollte, die auf Initiative der bereits verstorbenen Herren Hans Strixner, Max Schreiber und Josef Berghammer ins Leben gerufen wurde. Bereits damals hatte sie die Leidenschaft für Bücher gepackt. Deshalb gibt es wohl auch diese speziellen Momente, die zu Kochs liebsten Erlebnissen als Büchereileiterin gehören: Immer dann, wenn die Tür aufgeht, und die Grundschüler reinkommen, um sich mit neuem Lesestoff auszurüsten. „Die Kleinen kommen regelmäßig mit ihren Lehrern – es ist einfach zu goldig, wie sie sich gegenseitig ihre Lieblingsbücher empfehlen.“

Für Gabriele Koch steht fest, Leser müssen nette Menschen sein. „In den 40 Jahren, in denen ich in der Bücherei gearbeitet hab, sind mir keine drei unsympathischen Menschen begegnet.“ Auch, dass mal jemand ein Buch eingesteckt, oder reingekritzelt hätte, kam so gut wie nie vor.

Das eine, spezielle Buch, das jeder einmal in seinem Leben gelesen haben sollte, kann die Bücherliebhaberin nicht nennen. „Die Hauptsache ist, dass man überhaupt liest“, sagt sie.

Auch wenn sie die Zeit in der Bücherei sehr genossen hat, nun sei ein guter Zeitpunkt sich zurückzuziehen. „Ich bin immer gerne in die Bücherei gegangen, so wie damals als Lehrerin jeden Tag in die Schule – aber irgendwann ist es einfach Zeit aufzuhören.“ Doch das Aufhören fällt um einiges leichter, da sie weiß, dass eine tolle Nachfolgerin den Job übernimmt. Indersdorfs neue Büchereileiterin ist Claudia Schmeller. Auch ihr liegt die Bücherei schon seit Jahrzehnten am Herzen, „auch sie hat schon mitgearbeitet, da war sie noch ein Teenager“, erzählt Gabriele Koch. Auch bei Claudia Schmeller sei die Entscheidung, die Büchereileitung zu übernehmen, ganz spontan im Gespräch gefallen. Doch spontane Einfälle haben sich bisher für die Indersdorfer Bücherei als Glücksfälle herausgestellt.

Auch in Zukunft wird Gabriele Koch die Bücherei besuchen, aber eben nur auf der anderen Seite des Ausleihtresens – um sich ein neues Werk mit nach Hause zu nehmen. Denn auf eines freut sie sich jetzt sehr: Dass sie endlich viel Zeit hat, zu lesen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kopfprämie ausgesetzt
Mit verschiedenen Maßnahmen wollen die Helios Amper-Kliniken AG die Zufriedenheit der Patienten erhöhen. Mitarbeiter, die neue Pflegekräfte anwerben, sollen …
Kopfprämie ausgesetzt
Wohnhaus abermals abgelehnt
Die 11. Kammer des Bayerischen Verwaltungsgerichts hat entschieden: Es wird kein neues Wohnhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Wachturm der KZ-Gedenkstätte …
Wohnhaus abermals abgelehnt
Die App „Dahoam in Dachau“
Seit September ist die App „Dahoam in Dachau“ auf dem Markt. Verantwortlich dafür ist Kirsten Hermes (38), die in Dachau den Schmuck- und Uhrenladen Non Plus Ultra …
Die App „Dahoam in Dachau“
Unfall mit drei Lkw und drei Autos
Nach der Ausfahrt der Autobahnanschlussstelle Dachau/Fürstenfeldbruck ereignete sich heute früh auf der B 471 ein Unfall, bei dem drei Lkw und drei Autos beteiligt waren
Unfall mit drei Lkw und drei Autos

Kommentare