In den kommunalen Wohnungsbau an der Holzhauser Straße investiert die Gemeinde Millionen. archiv: cf
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In den kommunalen Wohnungsbau an der Holzhauser Straße investiert die Gemeinde Millionen. archiv: cf

Große Investitionen und große Unsicherheit

Indersdorfs Rekordhaushalt trotz Pandemie

  • vonChristiane Breitenberger
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Der Indersdorfer Haushalt ist heuer von großen Investitionsmaßnahmen und gleichzeitig großer Unsicherheit geprägt. Auch im ersten Jahr nach Beginn der Pandemie ist es wieder ein Rekordhaushalt. Kämmerer und Bürgermeister versuchen sich trotz aller Schwierigkeiten optimistisch zu geben.

Indersdorf – Bürgermeister Franz Obesser ist kein Pessimist, Schwarzmalerei ist nicht sein Ding. Deshalb schaffte er es am vergangenen Mittwoch in der Gemeinderatssitzung auch, dass sich seine Rede zum Haushalt für das Jahr 2021 positiv anhörte – trotz eines Defizits in Millionenhöhe.

Indersdorfs Gesamthaushaltsvolumen ist auch heuer wieder gestiegen und umfasst 38 012 800 Euro – das ist um 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir haben auch in 2021 wieder einen Rekordhaushalt – er ist sehr stark geprägt von großen Investitionen, was sich mit 17 Millionen im Vermögenshaushalt niederschlägt“, erklärte der Bürgermeister.

Obesser konzentriert sich auf das Positive: „Trotz der schwierigen Vorzeichen schaffen wir auch heuer eine Zuführung zum Vermögenshaushalt in Höhe von 723 000 Euro.“ Das sei sehr, sehr erfreulich, längst nicht mehr alle Kommunen würden das schaffen. „Das stimmt mich sehr optimistisch und sehr glücklich, dass wir das mit dem Haushalt hinbekommen“, sagte Obesser.

Er ist zudem froh, dass die Gemeinde bereits in den vergangenen Jahren finanzstarke Projekte realisieren konnte, wie Marktplatz, Glasfaser, Turnhalle und bestimmte Straßen. Doch er gab zu bedenken: „Dennoch stehen auch teuere, notwendige Investitionen für 2021 an – wie der kommunale Wohnungsbau, die Kläranlage und mehr (siehe Infokasten).

Ebenfalls ist Obesser froh, „dass wir auch unsere freiwilligen Leistungen weiterführen können und insbesondere die Vereine weiter unterstützen können, die wegen Corona zu kämpfen haben“. Der Gemeinde gehe es noch so gut, dass sie nicht auf unbeliebte Mittel zurückgreifen müsse. „Alle Steuersätze können wir gleich halten – denn alle haben mit Corona zu kämpfen und glücklicherweise müssen wir nicht, wie manch andere Kommunen, auf dieses Mittel der Hebesatzerhöhung zurückgreifen“, erklärte Obesser.

Selbstredend, dass der Haushalt für 2021 unter keinen leichten Vorzeichen stand, die Pandemie und andere Umstände rissen ein Loch in die Kassen. Die schwierigen Vorzeichen, die Obesser angesprochen hatte, sind die schwierige Einnahmensituation, aber auch eine gestiegene Kreisumlage bei gleichzeitig geringerer Schlüsselzuweisung. Obesser erläuterte, mit dem Rekordjahr 2019 dürfe man die Zahlen nicht vergleichen, da „tränen einem die Augen“ – aber allein der Vergleich mit 2020 zeigt: „Es sind etwa 700 000 Euro weniger Schlüsselzuweisung, allein aus der Einkommens- und Gewerbesteuer wird uns mindestens eine Million abgehen – Entwicklung offen. Und wir zahlen 900 000 Euro mehr an Kreisumlage. Allein in diesen Bereich zeigt sich ein Defizit von 2,6 Millionen Euro. Das heißt 2,6 Millionen Euro weniger Mittel, die uns für den Haushalt 2021 zur Verfügung stehen.“

Die Gemeinderäte hatten bereits im Dezember im Hauptausschuss über den Haushaltsvorbericht beraten, den Kämmerer Philipp Blumenschein jetzt im Gemeinderat vorstellte. Auch er gibt sich optimistisch: „Es schaut gar nicht so schlecht aus, wie man meinen würde!“ Blumenschein weiß aber auch: Die Auswirkungen von Krisen zeigen sich verzögert. Die historische Finanzkrise ging 2007 los, 2008 folgte die Pleite der Lehman Brothers, aber: „Die Auswirkungen waren 2009 am schlimmsten.“

Blumenschein erklärte zudem die Gründe für die höhere Kreisumlage und niedrigere Schlüsselzuweisung: „Im Jahr 2019 konnte der Markt mit 4,75 Millionen Euro die bisher höchsten Gewerbesteuereinnahmen in seiner Geschichte verzeichnen.“ Die Schlüsselzuweisung gleiche die fehlende Eigensteuer-, bzw. Umlagekraft der Gemeinden aus. „2020 erhielt die Gemeinde noch eine „sehr hohe Schlüsselzuweisung, das ist jetzt ganz deutlich weniger geworden“. Für 2021 beträgt die Schlüsselzuweisung – da der Wert am Jahr 2019 gemessen wird – 774 000 Euro. Im Vergleich: 2020 waren es noch 1 504 304 Euro. Auch der Sprung bei der Kreisumlage ist enorm: Für das Jahr 2020 muss der Markt laut Hochrechnung 5 642 674 Euro bezahlen, für 2021 sollen es, unter anderem wegen des gestiegenen Hebesatzes, 6 545 800 Euro sein.

Der Kämmerer gab auch einen Überblick über Schulden- und Rücklagenstand. Zu Beginn des Haushaltsjahres beträgt der Stand der allgemeinen Rücklagen etwa 7,55 Millionen Euro. Heuer ist eine Entnahme in Höhe von rund 6,76 Millionen Euro geplant. „Gemäß der Finanzplanung erfolgen in 2022 eine weitere Rücklagenentnahme bis auf den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbetrag.“ Somit ist laut Blumenschein voraussichtlich Ende 2022 die allgemeine Rücklage bis auf rund 206 000 Euro aufgebraucht.

Für 2021 ist eine Kreditaufnahme in Höhe von 2,13 Millionen Euro zur Finanzierung des kommunalen Wohnbaus in der Holzhauser Straße geplant. Ein Blick auf die Verschuldung zeigt: Der Schuldenstand liegt zu Beginn des Planungszeitraums bei etwa 3,62 Million Euro, Blumenschein betonte jedoch: „Dem steht aber eine Rücklage in Höhe von etwa 7,55 Millionen Euro gegenüber.“ Davon werden heuer 153 000 Euro getilgt. Mit der geplanten Neuverschuldung von 2,13 Millionen Euro für den kommunalen Wohnbau wird der Schuldenstand zum Jahresende bei etwa 5,60 Millionen Euro liegen. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt somit am Ende des Jahres bei etwa 532 Euro. „Also haben wir quasi keine Schulden“, so der Kämmerer.

Franz Obesser sieht dem Jahr 2021 trotz allem „optimistisch entgegen, auch wenn uns in den Folgejahren anstrengende Haushalte erwarten“. Es sei nicht abzusehen, was Corona und der Brexit noch bringen, aber als Optimist, wie Obesser ist, schloss er die Sitzung mit einem Zitat: „ Am Ende wird alles gut, und ist es nicht gut, so ist es auch nicht zu Ende.“

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

-Haushaltsvolumen

Verwaltungshaushalt: 20 891 300 Euro; Vermögenshaushalt: 17 121 500 Euro;

Gesamthaushalt: 38 012 800 Euro

.-Personalkosten

Die Gesamtpersonalkosten betragen im Jahr 2021 voraussichtlich 6 040 000 Euro. Der diesjährige Haushaltsansatz liegt um 323 800 Euro oder 5,7 Prozent über dem Vorjahresansatz. Der Stellenansatz 2021 erhöht sich gegenüber dem Ansatz 2020 um 6,79 Stellen und weist nunmehr 108,47 Planstellen aus.

Investitionen

-Feuerwehren: Für einen Tragkraftspritzenanhänger für die Feuerwehr Glonn sind 34 000 Euro eingeplant.

-Spielgeräte für diverse Kinderspielplätze 30 000 Euro; insbesondere für den Spielplatz in Karpfhofen nördlich der Bahn

.-Erwerb von Grundstücken: 796 000 Euro

-Kindergarten Niederroth: Erweiterung um zwei Gruppen: 400 000 Euro

-Friedhöfe: Für eine weitere Urnenwand (Niederroth) sowie mehrere kleinere Maßnahmen: 100 000 Euro

.-Kommunaler Wohnbau: Für das Projekt in der Holzhauser Straße sind in 2021 2 600 000 Euro und in 2022 863 000 Euro eingeplant. Für das Grundstück am Wasserturmweg in 2022/2023 insgesamt 1 600 000 Euro.

- Marktplatzneugestaltung: 450 000 Euro.

-Gemeindestraßen: Für die Generalsanierung von Gemeindestraßen sind 1 570 000 Euro eingeplant. Davon sind 1 320 000 Euro für die Cyclostraße vorgesehen. Für Geh- und Radwegebau sind in 2021 20 000 Euro eingeplant

-Kanalisation/Kläranlage: 2 400 000/2 800 000 Euro in 2021/2022 für die Kläranlage Indersdorf Abschnitt 2b; 800 000 Euro für die Kostenbeteiligung Anschluss Hirtlbach/Arnbach; 3 900 000 Euro für die Pumpleitung zum Anschluss von Niederroth

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