Baugebiet von oben
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An der Holzhauser Straße entsteht ein neues Baugebiet für neuen Wohnraum. Die Kommunale Wohnanlage mit zehn Wohnungen soll ganz rechts entstehen.

Marktgemeinderat

Indersdorfs „Win-Win-Projekt“

  • vonChristiane Breitenberger
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Die Planungen an der ersten Kommunalen Wohnanlage in Indersdorf gehen weiter. Es ist ein Projekt, auf das alle Kommunalpolitiker stolz sind. Es sei ein „großer Gewinn für die Gemeinde“.

Indersdorf – Wenn die Herren Stefan Reith, Stefan Egenhofer und Alexander Gomula im Indersdorfer Gemeinderat zu Gast sind, dann ist die Stimmung gut. Die drei symbolisieren ein historisches Bauprojekt, das gerade in Indersdorf entsteht. Ein Projekt, auf das die Gemeinderäte so richtig stolz sind – neben dem neuen Marktplatz natürlich.

Die Gemeinde steigt in den kommunalen Wohnungsbau ein, und zwar mit einer Strategie, die bisher einmalig im Landkreis Dachau ist (wir haben ausführlich berichtet). Im neuen Baugebiet an der Holzhauser Straße wird eine Wohnanlage mit zehn Wohnungen entstehen – deren Miete unterhalb der ortsüblichen Miete liegen soll.

Bei dem Projekt ist die Wohnungsbaugesellschaft mbH im Landkreis Dachau (WLD) federführender Partner, sie tritt für die Gemeinde als Bauherr auf (siehe Infokasten). Stefan Reith und Stefan Egenhofer sind Geschäftsführer der WLD, Alexander Gomula ist vom Planungsbüro GHK Architekten. Reith, Egenhofer und Gomula haben bereits im Juni einen ersten Entwurf von Indersdorfs erster Kommunaler Wohnanlage im Gemeinderat vorgestellt. Damals betonte Reith: „Auf Initiative des Bürgermeisters ist es möglich, dass wir jetzt auch für die Gemeinden bauen.“ Bürgermeister Franz Obesser machte jetzt, im November, noch einmal deutlich: „Es ist das erste Projekt, das in dieser Art zusammen mit der WLD entsteht. Es freut uns natürlich sehr, dass wir hier die Vorreiterrolle spielen können!“

In der jüngsten Sitzung ging es um die Finanzierung des Projekts und kleine Anpassungen. Auf dem Grundstück entsteht eine Wohnanlage mit zehn Wohnungen. Es wird dort vier Vierzimmerwohnungen, drei Dreizimmerwohnungen und drei Zweizimmerwohnungen geben. Die Anlage wird komplett barrierefrei errichtet. Das Ziel der Gemeinde: Die Mietpreise dieser Wohnungen sollen deutlich unter den ortsüblichen Mieten liegen. Rund elf Euro pro Quadratmeter sind angedacht, hieß es jetzt in der Sitzung. Das Internet-Portal www.wohnungsboerse.net gibt, Stand vergangener Donnerstag, einen durchschnittlichen Mietpreis in Indersdorf von 12,12 Euro pro Quadratmeter an.

Wie Egenhofer in der Sitzung zeigte, liegt das Projekt im Zeitplan. Geplanter Baubeginn ist März/April 2021, nur eineinhalb Jahre später könnte die Wohnanlage fertig sein, nach zwei Jahren, so wünschen es sich die Planer, ist das Gebäude bereits bezogen und vermietet.

Für das Projekt gibt es einen Baukostenzuschuss in Höhe von 1,3 Millionen Euro, für die restlichen Kosten muss die Gemeinde aus Fördergründen ein Darlehen bei der Bayerischen Landesbank in Höhe von 2,1 Millionen Euro aufnehmen, wie Gemeinde-Geschäftsleiter Klaus Mayershofer erklärte. Geplant ist, dass die Rückflüsse, also die Mieteinnahmen, das Darlehen zurückbringen. „Das läuft von alleine. In gut 20 Jahren ist das abbezahlt und hat sich amortisiert“, so Mayershofer. In 20 Jahren habe der Markt also eine „gute Immobilie. Was die nächste Generation dann damit machen möchte, da sind die Möglichkeiten offen“ – und das alles ohne „öffentliche Mittel fließen zu lassen“, freut sich der Geschäftsleiter. Auch die Mitglieder des Marktgemeinderats sind glücklich.

Bürgermeister Franz Obesser (CSU) beschreibt die „Win-Win-Situation“, wie er sie nennt, für die Gemeinde so: „Wir haben ein Grundstück, ein zinsloses Darlehen, einen guten Partner, bekommen über eine Million an Fördergeldern, können vergünstigt Wohnraum zur Verfügung stellen und: schaffen gleichzeitig Werte für die Gemeinde!“

Die Vorteile des Generalübernehmervertrags mit der WLD

Bürgermeister Franz Obesser erklärte bereits im Juni die Vorteile damit, dass die WLD für die Gemeinde als Bauherr auftritt. Hier noch einmal die Zusammenfassung: „Wenn das Ganze über die WLD läuft, entfällt die öffentliche Ausschreibung, weil wir unter einem bestimmten Wert bleiben.“ Also kann man mit Betrieben aus der Region zusammenarbeiten. „Das ist zum einen super, weil die ja auch hier ihre Steuern zahlen, aber auch, weil die schnell vor Ort sein können, wenn es etwas zum Reparieren gibt.“ Der zweite Vorteil ist, dass „die bei der WLD absolute Profis in Sachen Förderung“ sind. Wenn das Projekt nach den Kriterien des sogenannten „KommWFP“-Förderprogramms umgesetzt würde, „können wir die Wohnungen so vergeben, wie wir wollen. Kein anderer gibt uns Kriterien vor, kein Berechtigungsschein ist nötig.“ Zudem habe die WLD eine sehr disziplinierte Kosten- und Zeittreue. Geschätzte Kosten seien sogar meistens unterschritten worden. Ein weiteres Argument für Obesser,mit der WLD zusammenzuarbeiten, zeigt sich, wenn der Bau mal steht: „Die WLD kümmert sich um die Vermietung von rund 450 eigenen Wohnungen, es sind also auch Profis auf diesem Gebiet und könnten das für uns übernehmen.“ Obesser ist begeistert: „ Alles aus einer Hand von Profis.“ cb

Auch Parteikollege Hans Lachner ist hin und weg von dem Projekt: „So ein Angebot ist eine super Sache, besser kann’s nicht laufen. Das ist ein großer Gewinn für die Gemeinde, das kann man nicht oft genug sagen.“

Hubert Böck (SPD) regte an, die Wohnungen auch an Mitarbeiter der Gemeinde zu vermieten. Zudem würde er gerne noch weiter mit der Miete „runtergehen“.

Franz Obesser versprach, die Vorschläge aufzugreifen, betonte aber, die Preise „müssen realistisch sein, auch für die Regierung“ – das hänge mit der Förderung des Projekts zusammen.

Auf eine Nachfrage von Hans Wessner (Umweltdenken) erklärten die Experten, dass in der Anlage definitiv regenerative Energien eingesetzt werden sollen, wie mit einer Luftwärmepumpe und eventuell mit einer Solaranlage auf dem Dach.

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