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Waren beeindruckt von der Stimmung: Irmgard und Georg Weigl in Tel Aviv.

Interview zur Eröffnung

„In Indersdorf war kein Bewusstsein da“ - Georg und Irmgard Weigl über die Andlauer Ausstellung in Tel Aviv

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Die Indersdorfer Eheleute Georg und Irmgard Weigl berichten, wie sie die Eröffnung von Anna Andlauers Ausstellung in Israel erlebt haben.

Indersdorf/Tel Aviv – Die Zeitgeschichtsforscherin Anna Andlauer zeigt derzeit in Tel Aviv ihre Ausstellung über die ehemaligen Kinderzentren Kloster Indersdorf, die dokumentiert, wie schwer traumatisierte Kinder nach dem Holocaust zurück ins Leben fanden. Georg und Irmgard Weigl verfolgen die Arbeit von Anna Andlauer schon lange. Das Ehepaar kommt aus Indersdorf, ist interessiert an der Geschichte ihrer Heimat. Georg Weigl gehört als ÖDP-Kreisrat mit zur Delegation des Landkreises, die die Eröffnung der Ausstellung „HaChaim SheAchare“ begleitete.

Was hat es Ihnen bedeutet, bei der Ausstellungseröffnung in Tel Aviv dabei zu sein?

Georg Weigl: Mir ist wieder bewusst geworden, dass ein wesentlicher Teil der Geschichte von Indersdorf beinahe verloren gegangen wäre, wenn er von Anna Andlauer nicht erforscht worden wäre. Wir waren schon bei Treffen der Überlebenden in Indersdorf dabei, haben auch schon Gäste bei uns im Haus aufgenommen. Und als Bürger des Landkreises Dachau hat es ja durchaus eine zusätzliche Bedeutung, hierher zu kommen – weil der Name Dachau ja mit den Nazi-Gräuel-Taten eng verbunden ist.

Würdigung der Schicksale: Zeitgeschichtsforscherin Anna Andlauer (Zweite von rechts) war in Tel Aviv ein gefragter Gesprächspartner für die Ausstellungsbesucher.

Was wussten Sie als Indersdorfer von den Kinderzentren im Kloster – vor den Forschungen von Anna Andlauer?

Irmgard Weigl: In Indersdorf war kein Bewusstsein für dieses Stück Geschichte da. Laut Erzählungen von meiner Mutter wusste man zwar, dass Kinder von der UNRAA im Kloster betreut werden, aber die Bevölkerung konnte nicht genau das Aufgabengebiet erklären.
Georg Weigl: Jeder hat seine eigenen Sorgen nach dem Krieg gehabt. Und man hat über das KZ genauso wenig gesprochen wie über den positiven Teil der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte. Aber als ich vor etwa 20 Jahren, als das Internet in die Haushalte kam, das erste Mal „Indersdorf“ in die Suchmaschine eintippte, waren sechs von sieben Ergebnissen nur die Suche nach Überlebenden, die nach dem Krieg in den Kinderzentren untergebracht waren.

Was nehmen Sie von dieser Ausstellungseröffnung mit?

Irmgard Weigl: Ich war beeindruckt von der Stimmung unter den Überlebenden und Angehörigen, wie angestrengt und interessiert sie zugehört haben, wie wichtig es ihnen war, genannt zu werden. Dass ihr Schicksal jetzt hier gewürdigt wird, ist für die Überlebenden auch ein Stück Heilung, denke ich.

Interview: Nikola Obermeier

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