Keine Nachfolger für die Ärzte

Das Ende des MVZ Indersdorf

Immer weniger Ärzte wollen aufs Land. Mit diesem Problem hat auch Indersdorf zu kämpfen. Denn das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) am Amper-Klinikum wird nach Dachau verlegt, weil Hausarzt Christian Seufert keinen Nachfolger findet – und weil ein Chirurg fehlt.

Dachau/Indersdorf – Der Hausarzt auf dem Land ist immer erreichbar, man kennt ihn seit zig Jahren, und im Notfall kommt er nachts ans Krankenbett: So ist das Klischee von Landärzten – doch viele Mediziner schreckt das ab. Und so gibt es immer weniger Landärzte: Bis 2020 gehen in Deutschland rund 50 000 niedergelassene Ärzte in den Ruhestand. Auch Indersdorf hat ab 1. November einen Hausarzt weniger: Christian Seufert muss nach nicht einmal zwei Jahren im Medizinischen Versorgungszentrum in der Amper-Klinik Indersdorf nach Dachau umziehen.

Landarzt Christian Seufert

Denn in einem MVZ müssen immer mindestens zwei Ärzte praktizieren, so die Bedingung der Kassenärztlichen Vereinigung. Seufert war die vergangenen sechs Monate aber alleine im MVZ. Sein Kollege, der Chirurg Eric J. W. Langkau, hörte im März auf – die Suche nach einem Nachfolger blieb erfolglos. Die Vereinigung setzte dem Amper-Klinikum als Betreiber eine Frist von sechs Monaten, um einen Nachfolger zu finden, aber: „Man konnte keinen Interessenten für Indersdorf finden“, sagt die Pressesprecherin des Klinikums, Katharina Mathern. Es hätte aber zur umfangreicheren Versorgung der Patienten wieder ein Chirurg sein müssen, so die Bedingung der Vereinigung.

Nun schließt das MVZ in Indersdorf und zieht nach Dachau – mit Christian Seufert. Sich eine Praxis in Indersdorf zu suchen, war für ihn keine Alternative: „Ich wohne in München, deswegen hätte ich mir eher da was gesucht“, sagt er. Bei Seuferts Patienten flattern derzeit Briefe ein: „Leider ist es uns trotz intensiver Suche nicht gelungen, einen Interessenten (...) für Markt Indersdorf zu gewinnen“, schreibt das MVZ darin.

Schon der Vorgänger von Seufert, Hausarzt Bruno Wiescher, hatte Probleme, einen Nachfolger für seine Praxis zu finden. „Indersdorf scheint für einige Ärzte wohl nicht so attraktiv zu klingen“, sagt Hans-Ulrich Braun, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes Dachau. Immer mehr Ärzte zieht es in die Großstädte. Braun ist selbst Allgemeinarzt in Karlsfeld und kennt die Gründe: „Indersdorf ist halt nicht München.“ Viele hätten Angst, dass es nur wenige Freizeitmöglichkeiten gibt und, „dass sie die Arbeit als Hausarzt auf dem Land völlig vereinnahmt“. Zudem befürchten junge Mediziner, dass sie als Landarzt nicht das gleiche Geld wie in einem Krankenhaus verdienen können. In Indersdorf blieb die Chirurgenstelle jedenfalls unbesetzt.

Das Klinikum spricht aber nicht von einer Schließung des MVZ, sondern einer Verlegung in das neue Amper- MVZ Dachau, so Mathern.

Für die Patienten von Hausarzt Seufert bedeutet sein Umzug nach Dachau einen Umweg: Bei einer Erkältung oder Grippe müssen sie 15 Kilometer mehr fahren, wenn sie bei ihrem Hausarzt bleiben wollen. Ansonsten müssen sie sich einen neuen Arzt suchen. Seufert arbeitet nun als angestellter Arzt im MVZ Dachau weiter. Auch seine Mitarbeiter sollen laut Mathern nach Dachau umziehen.

Anna Schwarz

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