Gratulation: Herausforderer Hubertus Schulz schüttelt Franz Obesser nach der Auszählung die Hand.

Erdrutschsieg in Indersdorf für Franz Obesser

  • vonChristiane Breitenberger
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Er kann die Zahlen kaum glauben: Franz Obesser (CSU) hat die Wahl zum Bürgermeister mit 84,36 Prozent der Stimmen gegen seinen Herausforderer Hubertus Schulz gewonnen.  

Indersdorf– Ähnlich wie vor sechs Jahren starrt Franz Obesser ungläubig auf die Zahlen. Diesmal allerdings auf seinem Handy, denn die Auszählungsergebnisse werden wegen eines technischen Defekts nicht an die Monitore im Rathaus übertragen. Obesser kann schlicht nicht glauben, was er da sieht. 84 Prozent steht bei dem Balken mit seinem Namen. Plötzlich reißt es ihn, er jubelt. Umarmt seine Frau Angela.

Erleichterung: Franz Obesser freut sich mit seiner Frau Angela über das gute Wahlergebnis.

Franz Obesser (CSU) hat die Wahl zum Bürgermeister mit 84,36 Prozent der Stimmen gegen seinen Herausforderer Hubertus Schulz gewonnen. Er ringt um Fassung, grinst und grinst und grinst. Irgendwo zwischen dieser totalen Fassungslosigkeit schafft er es, zu sagen: „Bin begeistert, das freut mich narrisch!“ Es gibt ja diese floskelhaft verwendete Last, die einem von den Schultern fällt – Franz Obesser wirkt so, als wäre er grade einen Sack Zement losgeworden. Als ihm ein Gratulant zuraunt: „Aber des war doch klar“, sagt Obesser: „Wahl ist Wahl.“ Was soviel heißen soll, wie: Man weiß ja nie. Jetzt bringt er mit gerührter Stimme nur heraus: „Ich freue mich wahnsinnig, dass es jetzt weitergeht. Und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit einem wieder sicherlich tollen Gemeinderat.“ Das Feiern muss allerdings ausfallen – wegen des Coronavirus. „Wir wollen vernünftig sein und mit gutem Beispiel vorrangehen. Wir müssen uns jetzt alle zurücknehmen“, betont Obesser.

Die Wahlbeteiligung lag in Indersdorf bei 62,06 Prozent. 15,64 Prozent der Stimmen gingen an Obessers Herausforderer Hubertus Schulz von den Grünen. Der gibt sich sportlich. „Ich bin ein Allgäuer Sturkopf.“ Jetzt einfach aufhören, ist nicht sein Ding. „Natürlich will ich jetzt dabei bleiben, mich weiter engagieren“, sagte er gestern im Rathaus nach der Auszählung. Seine Kandidatur sei keine einmalige Sache gewesen, er „will Dinge bewirken.“ Enttäuscht über das Ergebnis ist er nicht. Vor ein paar Monaten „gab es uns noch nicht mal, dafür bin ich sogar recht zufrieden“. Dass Schulz gut zur Einstellung des bisherigen Gemeinderats passen würde, zeigte sich beim Gratulieren: Schulz schüttelte – Coronavirus hin oder her – Obesser die Hand und betonte, dass er sich für ihn freue. Mit Blick auf die Coronavirus bedingte Situation bot er Obesser an: „Wenn Sie irgendwas brauchen, was wir tun können. Wir sind da. Wir helfen gerne.“ Obesser weiß, wie wichtig solche Angebote jetzt sind. Trotz Wahlsieg wird sein Blick ernst: „Wir müssen jetzt einfach alle zusammenhelfen!“

Kommentar:

Bürgermeister sein, wäre für ihn eine Herzenssache. Das hatte Franz Obesser vor der Wahl vor sechs Jahren mal gesagt. Was kitschig und nach billigem Wahlkampfslogan klingt, war Obessers voller Ernst. Wie sehr, hat er seinen Wählern in seiner ersten Amtsperiode bewiesen. Er hat auf eigene Initiative, oder nach der ein oder anderen Inspiration, Neuerungen in die Gemeinde gebracht, die Menschen näher zusammenbringen und Indersdorf bereichern. Vereinfacht: Neuerungen für den Kopf und fürs Herz, die sicht- und spürbar sind. Ohne Franz Obesser gäbe es keine Jungbürger- oder Seniorenbürgerversammlung, es gäbe keinen Neubürgerempfang und es gäbe kein Sommer-Festival. Er schafft es, seine Gemeinderäte so zu einen, dass es in Indersdorf keine Parteipolitik gibt, sondern Projekte entschieden werden, die den Ort weiterbringen. So zum Beispiel auch die eigene Buslinie, für die Franz Obesser der Ideengeber war. Sein Engagement haben ihm die Wähler nun mit einem überdeutlichen Wahlergebnis gedankt. 84,36 Prozent holt in anderen Gemeinden schon mal ein Kandidat, der gar keinen Herausforderer hat. Und dank Hubertus Schulz ist dieser Sieg noch viel wertvoller. Denn auch, wenn es ein großer Vertrauensbeweis ist, wenn andere Parteien keinen Gegenkandidaten aufstellen – dem Wähler kostet das die Wahl. Dank Hubertus Schulz war jedes Kreuz für Franz Obesser ein bewusstes. Bleibt zu hoffen, dass Franz Obesser Indersdorf weiterhin kreativ mit seinen Ideen bereichert.

 

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