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Einst stolzes Haus, jetzt notdürftig verrammelt: Das Niederrother Lehrerhaus wird bald abgerissen.

Lehrerhaus wird abgerissen

Niederroth verliert ein einzigartiges Gebäude

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Bald wird es das alte Lehrerhaus in Niederroth nicht mehr geben. Die Gemeinde lässt es abreißen. Es mache keinen Sinn mehr, Geld in die Sanierung zu stecken. Die gute Nachricht: Die Gemeinde plant bereits ein neues Projekt. Doch der Ort verliert ein einzigartiges Haus.

Indersdorf– Wer durch Niederroth fährt, kennt es, das schmucke kleine gelbe Haus mit den weißen Ecken, nahe der Hauptstraße. Das Lehrerhaus prägt das Ortsbild, für viele gehört es einfach dazu. Jetzt sind seine Tage gezählt. Der Todesstoß fiel in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Gibt es bald nur noch auf Fotos: Das alte Lehrerhaus in Niederroth (links, 1927 gebaut) und das Schulhaus von 1869 (rechts, bereits abgerissen).

Die Sanierungsarbeiten, die im Rahmen eines angesehenen Schulprojekts liefen, ruhen seit Anfang des Jahres. Ein von der Gemeinde beauftragtes Ingenieurbüro stellte fest: Das Gebäude könne nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand erhalten werden. Die Kosten einer Sanierung (459 517 Euro) sind vergleichbar mit denen eines Neubaus (526 530 Euro). Probleme seien vor allem die fehlende Barrierefreiheit und der Brandschutz. Deshalb entschieden sich die Kommunalpolitiker einstimmig für einen Abriss, geplant ist ein Neubau, in dem Räume öffentlich genutzt werden können, aber auch Wohnungen entstehen sollen.

Seit Ende 1927 gehört das charakteristische Haus im Stadtvilla-Stil zum Ort. Als Niederroth noch nebenan eine Dorfschule hatte, diente das Haus den Lehrern als Wohnhaus, später, nachdem die Schule aufgelöst wurde und das Lehrerhaus seine Bestimmung verlor, mietete ein Niederrother Ehepaar das Haus. Nach dessen Auszug überlegte die Gemeinde: Was soll nun damit passieren?

Sammelten viele Erfahrungen: Indersdorfer Mittelschüler arbeiteten lange an der Sanierung des Hauses.

Bereits damals, 2010, überlegte die Gemeinde, das Haus abreißen zu lassen. Im Ort wurde eine Unterschriftenaktion gestartet, 350 Menschen sprachen sich für den Erhalt des alten Hauses aus. Auf Antrag von Gemeinderat Thomas Loderer (Bürgerblock Niederroth) entschieden sich die Kommunalpolitiker dann doch gegen einen Abriss. Die Diskussionen über eine mögliche Nutzung begann.

Einige Jahre stand das Haus leer, dann hat 2013 der frühere Mittelschulleiter Thomas Frey seinen Schülern darin ein einmaliges Projekt ermöglicht: Drei Jahre lang konnten die Mittelschüler im ehemaligen Lehrerhaus in Niederroth arbeiten und so im Rahmen der erweiterten vertieften Berufsorientierung beim Projekt „Schüler werden Bauherrn“ herausfinden, welche Berufe ihnen liegen. „Die Kinder konnten hier tolle Erfahrungen sammeln“, sagte Jugendreferent Paul Böller (Wählergruppe Umweltdenken) in der Sitzung. „Doch die Zahlen zeigen klar, dass es so nicht weitergehen kann.“ 100 000 Euro investierte die Gemeinde bisher in das Projekt. Jetzt ist das Haus in dem Zustand, in dem es die Schüler Anfang des Jahres verlassen haben, es ist nur notdürftig gesichert.

Thomas Loderer konnte sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung mit den neuen Plänen anfreunden: „Ich find’ den Gedanken eines Neubaus total gut. Hauptsache, die Horrorszenarien von früher, das Haus abzureißen und Wohnungen draufzubauen, wiederholen sich nicht.“ Es sei eine super Alternative, in einem Neubau „etwas für die Öffentlichkeit zu schaffen“. Für Hans Lachner von der CSU kommt der Abriss ohnehin Jahre zu spät: „Ich war damals der einzige, der sich sagen traute: ,Das Haus muss abgerissen werden‘. Wer rechnen kann, steckt in so ein Haus kein Geld mehr.“ Für die Schüler sei es allerdings ein gutes Projekt gewesen. Jetzt sei es Zeit: „Was Gscheits hinzubauen.“

Indersdorfs Bauamtsleiter Erich Weißer bedauert, dass das Haus verschwindet. „Es ist einzigartig für Niederroth. Von der Architektur her ist es im Ort herausragend“, sagte er auf Anfrage der Dachauer Nachrichten. Seit Jahrzehnten beobachtet der Bauamtsleiter, dass in Niederroth die alte Bausubstanz verloren geht. „Die Ortschaft verliert ihr Gesicht. Die neuen Bauten sind alle Einheitsbrei, austauschbar.“

Allerdings wird es dauern, bis dort wieder etwas entsteht. „Das wird nicht so schnell geplant. Das ist ein mittelfristiges Projekt“, erklärte Franz Obesser in der Sitzung. Wenn es darum geht, wie die Nutzung des neuen Gebäudes aussehen soll, könnte auch die Niederrother Öffentlichkeit beteiligt werden.

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