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Im April 2019 besuchte Myrian Bergeron Indersdorf. Jetzt ist sie verstorben.

Klosterkinder

Mirjannas letzter Wunsch

Mirjanna war nach dem Krieg eines der Indersdorfer Klosterkinder. Ihr Leben verbrachte sie später in den USA. Jetzt ist sie gestorben. Ihr letzter Wunsch: in Indersdorf beerdigt zu werden.

Indersdorf – Mirjanna Pass war zwei Jahre alt, als sie im Sommer 1945 ins Kinderheim der Vereinten Nationen ins Kloster Indersdorf kam. Das Mädchen kannte damals weder ihre Mutter noch ihren Vater. Jetzt ist Mirjanna in den USA gestorben. In Indersdorf findet sie ihre letzte Ruhe.

Als 75-jährige Amerikanerin namens Myrian Bergeron kam das Mädchen von damals im April wieder nach Indersdorf. Obwohl von schwerer Krankheit gezeichnet, wollte sie alles nur Erdenkliche über ihre Wurzeln, ihre frühe Kindheit und das Schicksal ihrer Eltern erfahren. „Konnte oder wollte sich meine Mutter nicht um mich kümmern?“

Bis zu ihrer Rückkehr nach Indersdorf hatte sie wenig aufklären können. Beim Studium der Gerichtsakten ihrer Mutter Alma Pass im Münchner Staatsarchiv und vor allem bei ihrem Besuch in Indersdorf hat sie dann viel erfahren, zum Beispiel, dass ihre Mutter als estnische Zwangsarbeiterin während des Nationalsozialismus nicht heiraten durfte, wer ihr Vater war und welche Anzeichen es gibt, dass dieser „es gut mit ihr meinte“. Kurz nach Mirjannas Geburt war ihre Mutter inhaftiert worden. Ihr Vater hatte vergeblich um ihre Freilassung gekämpft. Als Alma Pass im Mai 1945 aus dem Gefängnis entlassen wurde, war sie an Tuberkulose erkrankt, dem Vater ihres Kindes entfremdet und völlig mittellos, sodass sie Mirjanna erst 1947 wieder zu sich nehmen konnte.

70 Jahre später und kurz vor ihrem Tod hat sich die Tochter Myrian Bergeron schließlich mit ihren Eltern versöhnt. Bewegt hat sie beim Zeitzeugengespräch in Indersdorf davon erzählt.

Am 19. April 2019, kurz nach ihrer Rückkehr, ist Myrian Bergeron verstorben. Da es ihr letzter Wunsch war, in Indersdorf beerdigt zu werden, reisen ihre Verwandten mit der Urne aus den USA an. Auf dem Grabstein auf dem Bezirksfriedhof wird ihr Bild von 1945 aus dem Kloster Indersdorf zu sehen sein und darunter die Inschrift „Mirjanna has returned“ (Mirjanna ist zurückgekehrt).

Die öffentliche Trauerfeier findet am Sonntag, 20. Oktober, 11 Uhr, im Musiksaal des Klosters statt. (Einlass ab 10.30 Uhr, Tor in der Klostermauer am Wasserturmweg). Danach soll Myrian Bergeron auf ihrem letzten Weg durch die Felder begleitet werden, um schließlich auf dem alten Friedhof an der Maroldstraße ihre letzte Ruhe zu finden.

Im Kloster Indersdorf fanden Kinder von KZ-Überlebenden und Zwangsarbeitern nach dem Krieg eine erste Zuflucht (wir berichteten mehrfach). Die Indersdorfer Historikerin Anna Andlauer hat die Geschichte und Geschichten der Indersdorfer Klosterkinder rekonstruiert.  dn

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