Führen heute den Verein: Willi Lamm, Karl Böller und Hubert Steidle. foto: bb 140 Namen von gefallenen und vermissten Soldaten, die auf dem Kriegerdenkmal aufgeführt sind, zeugen von unsäglichem Leid.

jubiläum der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Indersdorf

Eine Festschrift mit 150 Jahren Geschichte

Eineinhalb Jahrhunderte. Die Soldaten- und Reservistenkameradschaft Indersdorf blickt auf eine lange Geschichte zurück. Zu diesem besonderen Jubiläum hat der Verein jetzt eine große Festschrift herausgegeben.

Indersdorf – Ganz bescheiden. So wird das Fest zum 150-jährigen Bestehen der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Indersdorf ausfallen. Es ist nicht mal ein richtiges eigenes Fest: Wenn am kommenden Sonntag, 16. September, die Reservistenkameradschaft Dachau-Land im Gasthaus Doll in Ried ihre Fahnensegnung feiert, hängt sich die Soldaten- und Reservistenkameradschaft Indersdorf mit ihrer 150-Jahr-Feier einfach an.

„Da an diesem Tag die Kriegervereine aus dem Landkreis in Ried zusammenkommen, bot es sich an, hier auch unser Jubiläum zu feiern“, erklärt der Vorsitzende des Indersdorfer Jubelvereins, Karl Böller. Zusammen mit seinen Vorstands-Kollegen Hubert Steidle und Willi Lamm hat er anlässlich des Jubiläums eine große Festschrift herausgegeben, die in Wort und Bild das Vereinsgeschehen im Laufe von 150 Jahren zeigt.

Los ging es 1868, nach dem deutschen Bruderkrieg 1866, in dem Bayern und Österreich gegen die Preußen kämpften. Auch in den umliegenden Orten wie in Niederroth und Arnbach fassten damals Kriegsheimkehrer den Entschluss, sich in Vereinen zusammenzuschließen. Die Gefallenen ehren, die Erinnerung an die Soldatenzeit pflegen sowie zum Frieden mahnen war Grundgedanke für die Vereinsgründungen.

Aus alten Unterlagen ist zu entnehmen, dass der Verein in Indersdorf im Gasthaus Herzog (Oberer Wirt) am Marktplatz gegründet wurde. Xaver Triebswetter war Vorsitzender und Hauptmann, Andrä Nissl der Kassier und Peter Widmann der Listenführer. Weitere Gründungsmitglieder waren Johann Pest, Michael Steiger, Josef Oppenrieder und Paul Böller. Schon zur Gründerzeit soll es eine Reihe festlicher Veranstaltungen gegeben haben. Die Weihnachtsfeier fand bereits damals – und so auch noch heute – immer am Stephani-Tag statt.

Vorbei mit dem Frieden war es nach Ausbruch des deutsch-französischen Krieges 1870/1871. Nach dessen Ende erfuhr der Verein durch die Kriegsheimkehrer großen Zuwachs.

Ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte war das 25-jährige Stiftungsfest 1894, bei dem die Fahnenweihe im Mittelpunkt stand. Diese Fahne ließ der Verein erst vor wenigen Jahren mit hohem Kostenaufwand restaurieren und von Pfarrer Dr. Stephan Hauptmann erneut segnen. Wegen des Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) starben viele Mitglieder, und die Not in dieser wirtschaftlich schweren Zeit war groß. 51 junge Männer kehrten nicht mehr aus dem Ersten Weltkrieg zurück. Trotz der harten Zeiten fanden sich immer Männer, die den Verein weiterführen wollten. Auf Anton Herzog folgten Max Dressl, und nach Kriegsende übernahm Josef Nissl die Vereinsführung.

1922 ließ die Gemeinde den Gefallenen ein würdiges Ehrenmal in Form eines farbigen Glasgemäldes im Vorraum der Klosterkirche sowie zwei große Steintafeln errichten. Das heute noch zu sehende Glasgemälde in der Klosterkirche zeigt einen sterbenden Soldaten. Die Finanzierung soll damals große Probleme bereitet haben. Erst mit dem Erlös eines aufgeführten Passionsspiels sei es gelungen, die Kosten weitgehend zu decken.

Der Zweite Weltkrieg brachte das Vereinsleben natürlich völlig zum Erliegen, alle wehrfähigen Männer wurden zum Kriegsdienst einberufen. Der blutige Krieg forderte viele Opfer: 140 Namen von gefallenen und vermissten Soldaten, die auf dem Kriegerdenkmal aufgeführt sind, zeugen von unsäglichem Leid in allen Familien.

Nach anfänglichem Zögern gelang es 1948 aber erneut, die Soldaten- und Reservistenkameradschaft zu beleben. Der Veitbauer aus Ottmarshart, Georg Krimmer, stellte sich als Vorsitzender zur Verfügung. Ein großes Anliegen der Vereinsmitglieder war es, den im Feld gebliebenen Kameraden ein würdiges Denkmal zu errichten. Dafür fand man einen Platz an der Friedhofsmauer vor der Pfarrkirche. Noch gut erinnern sich die älteren Mitglieder an das Fest zum 100-jährigen Bestehen 1968. Der damalige Landrat Dr. Hubert Pestenhofer übernahm damals die Schirmherrschaft, und ein großer Heimatabend begeisterte die vielen Gäste.

Michael Wackerl aus Ried folgte als Vorsitzender auf Georg Krimmer, und 1984 wurde Wackerl von Anton Scharl aus Glonn abgelöst. Damals zählte Indersdorf mit 360 Mitgliedern zu den stärksten Vereinen im Kreisverband.

Mit Karl Böller übernahm 1999 erstmals ein Nicht-Kriegsteilnehmer das Amt des Vorsitzenden. Ihm ist bewusst, dass die Kriegervereine in der heutigen Zeit nicht mehr die Aktualität haben, wie das in den Jahrzehnten nach dem letzten Krieg der Fall war. Trotzdem „muss es das Bestreben der Gesellschaft sein, die Tradition hochzuhalten, ein ehrliches Bekenntnis zur Geschichte abzulegen, an die Schrecken der Kriege zu erinnern und dabei immer wieder der gefallenen und vermissten Kameraden zu gedenken“, betont Böller. In der Festschrift zum Jubiläum untermauert auch Bürgermeister Franz Obesser: „Gott sei Dank kennt die heutige Generation in Deutschland die Schrecken des Krieges nur noch aus den Geschichtsbüchern. Daher ist es umso wichtiger, dass es Vereine und Institutionen gibt, die uns immer wieder vor Augen führen, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeit sind, und es sich lohnt, für den Erhalt der Demokratie immer wieder aufs Neue einzusetzen“. Der Kreisvorsitzende der Krieger-, Soldaten- und Reservistenvereine, Peter Niedermair, betont: „Wer den Frieden unserer Zeit in Frage stellt, sollte die Soldatenfriedhöfe des vergangenen Jahrhunderts besuchen.“

Das Festprogramm

am kommenden Samstag im Gasthaus Doll: 8 Uhr: Eintreffen der Vereine und Weißwurstfrühstück; 9.30 Uhr: Aufstellung zum Kirchenzug; 10 Uhr: Festgottesdienst mit Fahnensegnung auf der Wiese hinter dem Gasthaus; 11 Uhr: Ehrendes Gedenken mit Böllerschießen, anschließend im Saal Festansprachen und Mittagessen; am Nachmittag gibt es Kaffee und Kuchen.

Josef Ostermair

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Eine grandiose Veranstaltung
In Petershausen hat der Kulturförderkreis sein 40-jähriges Bestehen mit einem tollen Konzert gefeiert
Eine grandiose Veranstaltung
Neues Baugebiet geplant: Altomünsterer machen der Gemeindeverwaltung schwere Vorwürfe
Die Idylle einiger Anlieger am Vogelgarten in Altomünster und einer benachbarten Straße ist getrübt. Grund ist ein Bebauungsplan, der dort Geschosswohnungsbau vorsieht. …
Neues Baugebiet geplant: Altomünsterer machen der Gemeindeverwaltung schwere Vorwürfe
In der Welt der Götter und Sagen
Am Samstag um 20 Uhr gibt es im Hoftheater Bergkirchen eine Uraufführung, denn Ansgar Wilk erzählt die „Geschichte der Odyssee“.
In der Welt der Götter und Sagen
Bahn-Mitarbeiter schubst 16-Jährigen in S-Bahn - Situation eskaliert sofort
Am Münchner Hauptbahnhof blockierte ein 16-Jähriger eine S-Bahn. Ein Bahn-Mitarbeiter schubste den Jugendlichen deshalb - die Situation eskalierte daraufhin.
Bahn-Mitarbeiter schubst 16-Jährigen in S-Bahn - Situation eskaliert sofort

Kommentare