Schwerer Unfall in Gmund - Rettungshubschrauber im Anflug - Einsatz läuft

Schwerer Unfall in Gmund - Rettungshubschrauber im Anflug - Einsatz läuft

Nach vier Jahren Erfolgsgeschichte

Indersdorf verkauft das eigene Glasfasernetz

  • schließen

Vor vier Jahren hat die Gemeinde ein einmaliges Projekt realisiert. Sie hat ein eigenes Glasfasernetz gebaut und jeden, der es wollte, daran angeschlossen – egal, ob Einödhof oder Weiler. Völlig ohne Förderung. Jetzt wird sie das Netz verkaufen.

VON CHRISTIANE BREITENBERGER

Indersdorf– Es war ein denkwürdiger Tag, der 26. Februar 2015. Indersdorf feierte Spatenstich für das größte Bauprojekt in der Gemeinde. Jahrelang hatten die Kommunalpolitiker überlegt, wie es gelingen könnte, dass wirklich alle, die es in der Gemeinde möchten, Zugang zu schnellem Internet bekämen. Da kein Unternehmen bereit war, auch wirklich jeden Weiler anzuschließen, entschied sich die Kommune zu einem landkreisweit einzigartigen Schritt: Sie baute ihr eigenes Netz, schloss wirklich jeden, der es wollte, daran an. Wer sich innerhalb einer bestimmten Frist entschied: kostenlos! Rund Zehn Millionen Euro nahm die Gemeinde dafür in die Hand.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung am Mittwochabend haben die Kommunalpolitiker nun einstimmig beschlossen, ihr Netz zu verkaufen. Nichtöffentliche Diskussionen gabt es dazu seit vielen Monaten. Das dürfte viele Indersdorfer überraschen. Als das Projekt realisiert wurde, war die Idee dahinter, das eigene Netz an einen Betreiber zu verpachten. Aus den Pachteinnahmen sollten zuerst Schulden getilgt, Jahrzehnte später damit Gewinne generiert werden.

Gemeinde hat ihr Ziel erreicht

Doch jetzt kamen die Kommunalpolitiker zu dem Schluss, es sei das Beste, das Netz zu verkaufen. Die Gründe für den Entschluss sind vielfältig. Bürgermeister Franz Obesser betonte in der Sitzung: „Wir hatten mit diesem Projekt ein Ziel, und das haben wir erreicht: Wir wollten, dass jeder hier Zugang zu schnellem Internet hat. Das haben wir erreicht. Hätten wir das als Gemeinde damals nicht gemacht, hätten wir immer noch nicht flächendeckend Glasfaser in der Gemeinde.“ Derzeit gibt es viele Interessenten, die das Indersdorfer Netz kaufen wollen – die Indersdorfer sind allerdings in einer guten Position: „Wir haben keine Not, dass wir es jetzt verkaufen müssen, wir schreiben damit schwarze Zahlen, nehmen damit mehr ein, als anfangs gedacht,“ erklärt Indersdorfs Geschäftsleiter tags darauf. Heißt: Indersdorf kann warten, dass es so viel Geld für das Netz bekommt, wie es sich erhofft. „Wir wollen da mit einer schwarzen Null rausgehen“, sagte Obesser. „Natürlich bleibt im besten Fall noch etwas übrig!“

Ein weiterer entscheidender Punkt ist: Die Gemeinde ist kein Telekommunikationsunternehmen, verfügt dementsprechend nicht über die Menge an Fachpersonal, die nötig ist, so ein Netz dauerhaft optimal zu betreiben. „Wir müssten sonst zusätzlich Fachkräfte einstellen“, erklärte Obesser. „Das ist bei einem Verkauf nicht nötig.“ Seine Mitarbeiter könnten sich so auf ihre eigentlichen gemeindebezogenen Aufgaben konzentrieren.

Für die Kunden ändere sich nichts, betonte Obesser: „Den Vertrag mit Pyur muss der Käufer mit übernehmen, das heißt, bis 2036 bleibt alles, wie es ist.“ Derzeit gibt es 2750 Anschlüsse, das bedeutet für die Gemeinde eine Quote von 75 Prozent. Klaus Mayershofer betonte auf Nachfrage: „Keiner muss sich verunsichert fühlen. Sicherheit für die Bürger steht für uns ganz oben. An der Versorgung wird sich nichts ändern. Auch nicht nach 2036. Alle werden weiterhin Zugang zu ihrem schnellen Netz haben!“ Zudem will die Gemeinde nicht an irgendeinen Investor verkaufen, sondern an ein seriöses Unternehmen, betonte Mayershofer.

Zehn Millionen Euro Schulden zu machen, für ein völlig neues Projekt – dazu gehörte damals Mut. „Das hab’ ich auch immer wieder bei Treffen mit anderen Bürgermeistern gehört“, sagte Hans Lachner (CSU) in der Sitzung. Mut, der sich gelohnt hat. Das Projekt war den Gemeinderäten eine Herzensangelegenheit, der Verkauf fiel nicht allen sofort leicht, auch wenn sie jetzt voll dahinter stehen. Viele hielten in der Sitzung beinahe kleine Abschiedsreden – war das Projekt doch viele Jahre das Baby der Gemeinde.

Andreas Geier (Bürgerblock Niederroth) war damals Mitinitiator der Bürgerinitiative Glasfaser und ist heute zufrieden: „Wir haben ein Bürgernetz für alle geschaffen, es gibt keine Zwei-Klassengesellschaft mehr.“

Als beispiellos bezeichnete Hans Lachner das Projekt. „Noch mehr kann eine Gemeinde nicht für ihre Bürger tun. Wir haben alle, die wollten, kostenlos angeschlossen, so was gibt’s sonst nirgends! Ohne uns wären die im Außenbereich immer noch nicht versorgt.“ Er appellierte für den Verkauf: „Wir sind kein Telekommunikationsunternehmen, das wir das 25 Jahre betreiben müssen, wir haben andere Aufgaben.“ Florian Ebner (EHW) pflichtete bei: „Schau’n wir, dass wir’s mit Gewinn verkaufen. Das sollen Leute machen, die sich auskennen.“

Da die Gemeinde damals keinerlei Fördermittel für das Projekt bekam, hat sie nun beim Verkauf keine Schwierigkeiten. An wen das Netz verkauft wird, steht noch nicht fest.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

15-Jähriger aus Bayern entgeht knapp dem Tod - seine Krankheit halten viele für harmlos
Adrian aus dem Landkreis Dachau war gerade einmal 15, als er die Diagnose bekam. Es war ein Tag, an dem sich alles änderte - und den er fast nicht überlebte.
15-Jähriger aus Bayern entgeht knapp dem Tod - seine Krankheit halten viele für harmlos
Feuerwehr sperrt Straße für Kinder - Autofahrer beschimpfen Einsatzkräfte wüst und bestehlen sie
300 Menschen treffen sich zu einem Martinsumzug mit Gesang und Laternen. Die Feuerwehr sperrt eine Straße zum Schutz der Kinder - und wird von Autofahrern übel …
Feuerwehr sperrt Straße für Kinder - Autofahrer beschimpfen Einsatzkräfte wüst und bestehlen sie
Mittelalterfest zum 900. Geburtstag
So viele Veranstaltungen zu einem Anlass waren noch nie in der Gemeinde geboten: Anlässlich des Jubiläums „900 Jahre Kloster Indersdorf“ ist das ganze Jahr über etwas …
Mittelalterfest zum 900. Geburtstag
Unfallschwerpunkt mit Ampel sicherer gemacht
Freie Fahrt in Günding: Wie angekündigt, ist die Ampelanlage in Alt-Günding an der Kreisstraße von Mitterndorf nach Bergkirchen mit breiten Abbiegespuren in die …
Unfallschwerpunkt mit Ampel sicherer gemacht

Kommentare