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Neue Ausstellung im Augustiner-Chorherrenmuseum Indersdorf

Von pflichtgetreuen Hausfrauen und kundigen Bäuerinnen

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Wo lernte man bitte Ochsenaugensuppe oder eingemachtes Hirn zu kochen? Na, in Indersdorf! In ihrer neuen Ausstellung im Heimatmuseum erinnern Hans Kornprobst und Robert Gasteiger nicht nur an die vergessene Landfrauenschule im Kloster, sondern auch an kuriose Preisverleihungen.

Indersdorf – Es gibt so einiges, das viele Indersdorfer nicht über ihren Ort wissen, oder vergessen haben – macht aber nichts. Heimatforscher Hans Kornprobst erinnert an viele dieser Dinge. Wie jetzt, bei der neusten Ausstellung im Augustiner Chorherrenmuseum. Diesmal hat er sich der Landfrauenschule der Barmherzigen Schwestern im Indersdorfer Kloster gewidmet. Zusammen mit Robert Gasteiger präsentiert er bereits die dritte Ausstellung. Diesmal zum Thema: „Vivat Hoch Die Landwirtschaft“.

Ochsenaugensuppe kochen? Kein Problem. Ungeziefer loswerden? Kein Thema. Eine eitrige Wunde behandeln? Hat sie drauf. Einer Absolventin der Indersdorfer Landfrauenschule macht so schnell keiner was vor. Nur wenige wissen, dass im Kloster zwischen 1922 und 1964 etwa 1200 junge Frauen ausgebildet wurden – allein bis 1938 waren es 600 junge Bäuerinnen. Hans Kornprobst hat alles, was er über diese alte Schule finden konnte, zusammengetragen. Museumsbesucher erwarten viele Klassenfotos der früheren Schülerinnen, Zeugnisse und Schulhefte. Darin finden sich übrigens auch die Rezepte für die Ochsenaugensuppe oder fürs eingemachte Hirn. Die Schule war aber nichts für jeden – „sie war eher den Frauen aus geldigeren Familien vorbehalten. Die Ärmeren konnten sich das nicht leisten“, erklärt Kornprobst. Seine Unterlagen zeigen: „Die jungen Frauen wurden richtig umfassend aufs Leben vorbereitet.“ Selbst wie man die Stube und den Herrgottswinkel zu Hause einrichtet, wurde unterrichtet – oder, dass gegen Ameisen Petrolium oder scharfe Lauge hilft.

Robert Gasteiger (l.) und Hans Kornprobst haben die jüngste Ausstellung zum Thema Landwirtschaft gemeinsam konzipiert.

Der Zweck der Schule war für die vom Orden geführte Schule klar: „Die Landfrauenschule in der Marienanstalt zu Kloster Indersdorf bezweckt, katholische Mädchen aus bäuerlichen Familien, in erster Linie aus dem Bezirk Dachau, zu pflichtgetreuen christlichen Hausfrauen und sachverständigen Landwirtinnen heranzubilden“, heißt es in einem alten Merkblatt über die Schule. Das Bemerkenswerte, das Kornprobst herausgefunden hat: Obwohl die Mädchen nur eine relativ kurze Zeit im Kloster verbrachten, entstand eine sehr enge Bindung zu den Schwestern. „Etwa zehn Prozent der Schülerinnen sind dann tatsächlich ins Kloster eingetreten“, sagt der Heimatforscher. Jetzt ist er weiter auf der Suche nach alten Fotos und Dokumenten über die Schule. Wer etwas zu Hause findet, soll sich einfach bei ihm melden. „Alle Originale gibt es selbstverständlich auf Wunsch zurück“, verspricht Kornprobst. 

Klar, dass auch für den Dachauer Brauchtumsexperten Robert Gasteiger das Thema der neuen Ausstellung naheliegt: Er hat einen landwirtschaftlichen Betrieb in Günding geerbt, ist Absolvent der landwirtschaftlichen Staatlichen Winterschule, die meisten seiner Vorfahren waren: Landwirte. Und Gasteiger, der hat nicht nur Trachtenschmuck und Glücksbringer in seiner Sammlung, diesmal präsentiert er den Museumsbesuchern alte Urkunden und Medaillen. Wer jetzt denkt, das hat doch nichts mit Landwirtschaft zu tun, der irrt. Und zwar gewaltig.

Eine feierliche Zeremonie, ein Festgottesdienst, Musik, ein Haufen Zuschauer, und bei all dem Brimborium steht eine einfache Bauernmagd im Mittelpunkt? Wo gibt’s denn sowas?

Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts verlieh der Landwirtschaftliche Verein (einer der ersten Vereine in Bayern überhaupt) Medaillen und Urkunden für besondere Leistungen in der Landwirtschaft. Die Preisverleihung gab’s Jahr für Jahr beim zentralen Landwirtschaftsfest in München vor großem Publikum. Nicht nur der Preisträger freute sich, oft feierte das ganze Dorf. Genau das war’s, was der Staat damit im Schilde führte: Ehrung schön und gut, aber vor allem „sollte damit die heimische Landwirtschaft als solches, und damit die Wirtschaftlichkeit Bayern gestärkt werden“, erklärt Gasteiger. So so. Funktionierte auch eine ganze Weile, bis irgendwann so gut wie jeder so eine Medaille zu Hause hatte – den Offiziellen gingen langsam die Preisträger aus, die Landwirte machten sich über den Verleihzirkus lustig.

Wer schon die anderen beiden Ausstellungen besucht hat, der weiß, was jetzt kommt: Kornprobst und Gasteiger haben auch diesmal ein Buch zur Ausstellung herausgebracht. Neben vielen Bildern über die Exponate finden die Leser auch einen Überblick über die Schultradition am Indersdorfer Kloster. Das liebevoll gestaltete Buch enthält zudem Klassenfotos von der Landfrauenschule und viele Rezepte, die die Mädchen lernen mussten zum Nachkochen. Und wer sich genauer für die Preisverleihungen in der Landwirtschaft interessiert, kann ebenfalls im neuen Buch nachlesen. Das Werk ist im Museum erhältlich.

Die Ausstellung „Vivat Hoch Die Landwirtschaft“

im Augustiner-Chorherren-Museum wird am kommenden Samstag, 21. April, um 18.30 Uhr mit einem kleinen Festakt eröffnet. Es gibt Reden, Musik und Tanz. Zudem wird ein Festzelt aufgestellt.

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