Prozessauftakt: Angeklagtem droht Sicherungs-Verwahrung

Onkel gesteht Missbrauch an Nichte (8)

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Zu jungen Mädchen fühlte sich ein Lagerist (50) seit vielen Jahren hingezogen. Erst schaute er sich Kinderpornos an. Dann begann er, Mädchen aus dem Bekanntenkreis anzufassen. Zweimal wurde der 50-Jährige schon verurteilt. Seit gestern sitzt er zum dritten Mal auf der Anklagebank. Tatort war Indersdorf, wo er seine Nichte (8) missbrauchte. Ihm droht nun die Sicherungs-Verwahrung.

Vor dem Starnberger Landgericht München II muss sich ein Mann verantworten, der seine Nichte (8) missbraucht haben soll.

Indersdorf – Mit 25 Jahren hatte alles angefangen. Er verspürte die Neigung zu Kindern. Dabei gab es in seinem Leben sehr wohl Kontakt zu erwachsenen Frauen. Den Sex hatte er stets genossen, sich aber dennoch unterlegen gefühlt. So zumindest erzählte es eine Gutachterin vor dem Landgericht München II. Seine Pädophilie lebte er durch Pornoschauen im Internet aus, bis es 1999 zur ersten Tat im erweiterten Familienkreis kam.

An eine Therapie hatte er bis dato nicht gedacht. „Ich habe viel alleine gelebt“, begründete er diese Entscheidung vor Gericht. Seine Freizeit vertrieb er sich mit Computerspielen. Doch mit der ersten Verurteilung war ihm klar, dass er etwas machen musste. Nach der Arbeit ging er zur Beratung, bis er die Bewährungsauflagen nicht mehr zahlen konnte und eine Ersatzhaftstrafe verbüßte. Danach habe er nicht mehr daran gedacht, behauptete er. Sein Leben schien eine Zeit lang zu funktionieren.

Doch 2003 wurde die Neigung immer stärker. Der Angeklagte informierte sich erneut über eine Behandlung, um seinen Hang zu Kindern „wegzubekommen“. Er lernte seine Frau kennen, 2010 wurde die Tochter geboren. Sie sollte er niemals anlangen. „Sie ist etwas Besonderes, sie ist mein Fleisch und Blut“, ereiferte er sich vor dem Landgericht. Angeblich ließ er an ihr seine Neigung einfach nicht zu.

2019 folgte die nächste Verurteilung. Noch Ende des Jahres vergriff er sich in Markt Indersdorf an seiner achtjährigen Nichte. Mittlerweile war er nach Fürth gezogen, hatte seinen Job als Glaser aufgegeben und stattdessen als Lagerist in einem Auto-Zulieferer-Betrieb in Fürth angeheuert, um mehr von seiner Tochter zu haben. Die Ehe mit der Mutter, die er eigenen Worten zufolge übers Internet kennengelernt hatte, ging nach vier Jahren schief. Nun war er wieder viel allein.

An der Tochter des Bruders verging er sich mindestens fünfmal. Er manipulierte sie sexuell und machte sogar Fotoaufnahmen, die er auf seinem Computer speicherte. So schreibt es die Anklage. Der Angeklagte räumte die Vorwürfe größtenteils ein. „Ich hätte mich mehr um eine Therapie kümmern müssen“, stellte er fest. In der Untersuchungshaft gehe es ihm aktuell nicht gut, erklärte er auf Nachfrage des Staatsanwalts. Seine Handlungen hätten ihn sehr nachdenklich gemacht, erklärte er.

Unklar blieb am ersten Verhandlungstag, warum der Mann immer wieder vom passiven Kinderporno-Schauen zu den Missbrauchs-Taten gewechselt war. Aufgrund eines mangelnden Bekanntenkreis missbrauchte er immer wieder die Kinder von seinen Brüdern oder von deren angeheirateten Frauen. Verständlich, dass der Kontakt zur Familie abgebrochen ist. Dass es zu dem aktuellen, massiven Übergriff kam, lag vermutlich auch an seiner Einsamkeit, für die er selber verantwortlich ist. Nach der zweiten Missbrauchs-Tat hatte seine Frau für sich und die Tochter eine Kontaktsperre veranlasst. Fortan fühlte er sich einsam und verlassen. „Das liegt an mir, ich gehe nicht so auf die Leute zu“, sagte der Angeklagte.

Die Nichte selber musste im Verfahren nicht aussagen. Von ihrer Vernehmung gab es ein Video, das im Sitzungssaal vorgeführt wurde. Der Prozess soll am heutigen Dienstag fortgesetzt werden. Insgesamt sind vier Sitzungstage anberaumt. Möglicherweise wird das Landgericht München II das Verfahren aber schon zu einem früheren Termin beenden können.

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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