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Sie lieben das Schaustellerleben: Micha und Susanne Burghard in ihrem Riesenrad über Indersdorf. Im Hintergrund links ist das Kloster zu sehen.

Heuer wohl einmalige Chance

Riesenrad am Indersdorfer Volksfest: Diesen Ausblick gibt’s kein zweites Mal

Seit über 150 Jahren ist die Familie Burghard im Schausteller-Geschäft. Ein leichter Beruf ist das nicht unbedingt: Man ist bundesweit im Einsatz und oftmals lange Zeit nicht zuhause. Trotzdem liebt die Familie ihre Tätigkeit. Heuer sind die Dortmunder mit ihrem Riesenrad das erste Mal auf dem Indersdorfer Volksfest. Wer sie kennenlernen will, sollte sich beeilen – ob sie nochmal kommen, ist unwahrscheinlich.

Indersdorf – Stolz ragt es 48 Meter* in die Höhe. Es trotzt mit seinen 195 000 Kilogramm Wind und Wetter und kann doch überall hingefahren werden: Das Riesenrad von Familie Burghard aus dem nordrhein-westfälischen Dortmund.

„Das Riesenrad, so wie es jetzt hier in Markt Indersdorf steht, ist 15 Jahre alt“, erklärt Susanne Burghard (52). „Das hier ist das fünfte Rad für die Familie und das vierte, das ich selbst erlebe. Wir sind seit 150 Jahren im Schausteller-Geschäft tätig.“

Ebenfalls mit nach Markt Indersdorf gekommen ist ihr Sohn Micha, der in NRW gerade mitten in den Abiturprüfungen steckt. Noch ist er – sofern es seine Zeit zulässt – als Aushilfe dabei. Micha Burghard freut sich aber schon sehr darauf, das Geschäft einmal übernehmen zu dürfen. „Von Anfang an geplant war das aber nicht“, betont der 18-Jährige. „Ich habe mich selbst dazu entschieden.“ Er wird das Geschäft in einigen Jahren in fünfter Generation fortführen.

Hoch hinaus geht es am Indersdorfer Volksfest mit dem Riesenrad der Familie Burghard.

Zunächst hatten die Riesenräder der Familie nur offene Gondeln. „Dann haben wir aber festgestellt, dass viele Leute, die Höhenangst haben, lieber in geschlossenen Gondeln fahren“, berichtet Susanne Burghard. „Und auch bei Regen stürmen viele zu uns, seit wir geschlossene Gondeln haben.“ Sie lacht.

Das ist nicht alles: Neben den geschlossenen Gondeln gibt es seit neuerem sogar eine VIP-Gondel. „So eine Gondel wird zum Beispiel für Heiratsanträge gebucht“, sagt die 52-Jährige. Eine halbe Stunde Fahrt in der VIP-Gondel kostet 70 Euro – die Flasche Sekt ist dabei inklusive.

Wer eine ganz normale Fahrt genießen will, zahlt 5 Euro, Kinder 4 Euro. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass alleine der Kauf eines neuen Riesenrades die Familie nicht unter 3,5 Millionen Euro kostet. Die Burghards haben zwei Riesenräder – das andere Rad steht derzeit in Berlin.

„Wir schreiben pro Jahr etwa 250 Bewerbungen für unsere beiden Riesenräder, da man sich immer auf mehrere Veranstaltungen bewirbt“, erklärt Susanne Burghard. Dass sie dieses Jahr auch in Markt Indersdorf seien, läge daran, dass das Riesenrad zuvor in Augsburg stand. „Extra aus NRW nur für das Volksfest nach Indersdorf zu fahren, hätte sich nicht rentiert“, sagt die Dortmunderin. „Aber dank der Kombination, aus Augsburg und Markt Indersdorf können wir nun hier sein.“

Bei den Fahrgästen sei von jung bis alt alles dabei – egal, ob Kleinkind oder Großmutter. „Lediglich bei den Teenagern wird es manchmal schwierig – aber spätestens, wenn sie verliebt sind, kriegen wir sie wieder“, sagt die 52-Jährige und lacht. Auch an Menschen mit Behinderung ist gedacht: sie können in einer extra angefertigten, rollstuhlgerechten Gondel die Fahrt wagen.

Ob die Familie mit ihrem Riesenrad in den nächsten Jahren wieder nach Indersdorf kommt, ist ziemlich unwahrscheinlich. Die Indersdorfer müssen also dieses Jahr die Aussicht über die Dächer der Ortschaft genießen.

*nicht 55 Meter, wie wir es einmal aus einer Pressemitteilung übernommen haben.

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