Familie Otter, Restaurator, Heimatforscher und Bürgermeister sind begeistert vom restaurierten Marterl.

Schmederer-Kreuz restauriert in Indersdorf

Das Marterl und die Geistergeschichten

  • schließen

Weil ihm ein verwittertes Marterl leid getan hat, hat Heimatforscher Jürgen Haß eine ganz schöne Welle ausgelöst. Am Ende hat er es nicht nur geschafft, dass das Marterl wieder wie neu ist. Er hat auch eine spannende Geistergeschichte ausgegraben.

Indersdorf– Früher, so vor 100 Jahren, da hat der Name Schmederer noch was ausgelöst, bei den Indersdorfern. Grade die Jungen haben sich gscheid gegruselt, wenn sie ihn gehört haben. Eltern, die haben das ganz gern ausgenutzt. „Geh bloß ned mit vollem Bauch ins Wasser – sonst geht’s Dir wie dem Heinrich“, sagten sie dann. Die Drohung wirkte meist – wollte doch keiner enden wie der Mann, für den in der Nähe des Glonnufers ein Marterl aufgestellt wurde.

Das neue Schmederer Marterl

Das Marterl gibt es heute noch in Indersdorf in der Nähe des Volksfestplatzes und des alten Taubenschlags. Und dank den Recherchen von Jürgen Haß wird jetzt wieder über die Geschichte von damals geredet – und nicht nur das: Das Marterl, das noch vor zwei Jahren ganz schön in die Jahre bekommen war, steht heute wie neu an seinem Platz. In einer aufwendigen Suche hatte Haß die Nachfahren von Heinrich Schmederer gefunden – Familie Otter ließ das Marterl auf eigene Kosten restaurieren. Eine aufwendige Arbeit, die etwa zwei Jahre gedauert hat.

Im Schmederer-Marterl ist eine Tafel eingelassen. „Unweit dieser Stelle flussabwärts fand Herr Dr. Heinr. Schmederer, prakt. Arzt aus München, am 24. Juni 1880, im Alter von 29 Jahren in den Fluten der Glon, gelegentlich eines Bades, seinen Tod. Er ruhe in Frieden. Errichtet von den trauernden Geschwistern.“ Die Geschichte dahinter gibt Stoff für einen Heimatkrimi her, wie Kreisheimatpflegerin Dr. phil. Birgitta Unger-Richter auf ihrer Internetseite schreibt. Sie fasst zusammen, was ihr Vorgänger Alois Angerpointner dazu zusammengetragen hatte:

Der Arzt Dr. Schmederer hatte am Unglückstag beruflich im Distriktskrankenhaus in Indersdorf zu tun. Dort untersuchte er die Leiche des erstochenen Röhrmooser Knechts Raimund Fleischmann. Danach begaben sich die Herren zum Mittagessen in die Klosterbrauerei, so Angerpointer. Dr. Schmederer wollte sich nach dem Mahl bei einem Bad erfrischen. „So ließ er sich allein zu der in nächster Nähe Indersdorf an der Glonnbrücke sich befindenden Brücke führen“, berichtete der Amperbote damals. Nach einer Stunde wurde Dr. Schmederer vermisst. Man fand zunächst nur seine Kleider und erst einen Tag später die Leiche des Verunglückten. Der Vorfall sprach sich wie ein Lauffeuer im Ort herum und zahlreiche Schaulustige verfolgten die Bergung und Überführung des Ertrunkenen. Als Erinnerung an den Unglücksfall ließ die Familie Schmederer am Unfallort ein Kreuz errichten.

Das Mosaik wurde erneuert

Genau das Marterl, auf das Heimatforscher Jürgen Haß vor drei Jahren aufmerksam wurde. Verwittert war es, keiner kannte die Geschichte, die dahinter steckt. Die Gemeinde wollte es nicht restaurieren lassen, zu teuer. Also stellte Haß Nachforschungen an und fand irgendwann heraus: Familie Otter aus Ebersberg müssen die Nachfahren des ertrunkenen Doktors sein. Doch Martin Otter, mit dem Haß als erstes telefonierte, dem sagte der Name Schmederer erst gar nichts. Erst seine Mutter Irmgard wusste: Schmederer war der Bruder ihres Ur-Großvaters. Die Familie nahm sich des Marterls an, ließ es herrichten. Vergangenen Sonntag wurde es feierlich eingeweiht.

Das, was man Irmgard Otter schon als Kind eingetrichrichtert hatte, wurde auch in Indersdorf zum Mythos: „Spring nicht mit vollem Bauch ins Wasser, sonst geht’s dir wie dem Schmederer.“ Ums Kreuz rum soll’s bald nach dem Tod des Arztes gespukt haben, wie Alois Angerpointner die damaligen Gerüchte zusammengetragen hat: Ein Geist sei erschienen hieß es oder auch ein großohriger Hund sei gesichtet worden. Bei einbrechender Dunkelheit mied man die Unglücksstelle, und Schulkinder trauten sich nur in Gruppen die Brücke zu passieren. Das wurde Unger-Richter auch von einer Indersdorferin bestätigt, die erzählte, dass man auch noch in den 50er Jahren den jungen Mädchen davon abriet, abends die Brücke beim „Schmederer-Kreuz“ zu passieren, weil einen sonst der „oide Schmederer holt“.

Die alte Widmung

All diese Geschichten hatte Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser vorher noch nie gehört, deshalb ist er Jürgen Haß sehr dankbar für sein Engagement. Jetzt wurde nicht nur das Kreuz erneuert, sondern auch an die Geschichte erinnert. Auch Martin Otter wollte weiter in seine Familiengeschichte eintauchen. Er fand heraus, dass es sechs Schmederer-Geschwister waren, der älteste, Franz Xaver war Mitbegründer der Paulaner-Brauerei. Er hatte auch ein Buch über seine Familiengeschichte verfasst: Sein Bruder Heinrich sei sehr reiselustig gewesen. Berlin, Paris, London, Neapel – überall zog es ihn hin. Eins ist gewiss: Sein Geist verweilte sicher nicht in Indersdorf und erschreckte Schulkinder.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Stadtplan für Kinder und Jugendliche
Die Stadt präsentiert erstmals einen Stadtplan, der für ihre kleinen Bewohner gedacht und mit diesen zusammen erarbeitet worden ist.
Stadtplan für Kinder und Jugendliche
Emilian aus Oberschleißheim
Der kleine Emilian kam in Dachau in der Klinik auf die Welt. Der Bub war 54 Zentimeter groß und 3700 Gramm schwer und darf sich über seinen zwei Jahre älteren Bruder …
Emilian aus Oberschleißheim
Jonathan aus Mittelstetten
Der kleine Jonathan Simon erblickte jetzt in der Helios-Amperklinik das Licht der Welt. Der 53 Zentimeter große und 3480 Gramm schwere Sohn von Stefanie und Roland …
Jonathan aus Mittelstetten
Sie helfen denMenschen in Ecuador
Dieser Tage geht’s auf nach Südamerika. Zwei junge Frauen aus dem Landkreis Dachau wollen ein Jahr lang in Ecuador die Bevölkerung unterstützen.
Sie helfen denMenschen in Ecuador

Kommentare